Scarface

  • Informationen zum Film
  • Scarface

  • Originaltitel:
    Scarface
    Genre:
    Krimi, Drama, Thriller
    Produktionsland:
    USA
    Produktionsjahr:
    1983
    Kinostart USA:
    09.12.1983
  • Cast & Crew
  • Regie:
    Howard Hawks, Brian De Palma
    Drehbuch:
    Ben Hecht, Armitage Trail, Howard Hawks, Oliver Stone
    Musik:
    Giorgio Moroder
    Darsteller:
    Pepe Serna, Al Pacino, Michael Alldredge, Steven Bauer, Oliver Stone, Mary Elizabeth Mastrantonio, Robert Loggia, Harris Yulin, Mark Margolis, F. Murray Abraham, Dennis Holahan, Michelle Pfeiffer, Paul Shenar, Miriam Colon, Ángel Salazar, Arnaldo Santana, Michael P. Moran, Al Israel, Ted Beniades, Richard Belzer, Paul Espel, John Brandon, Tony Perez, Garnett Smith, Loren Almaguer, Gil Barreto, Heather Benna, Sue Bowser, Tina Leigh Cameron, Victor Campos, Robert Hammer Cannerday
  • Inhalt
  • Mord, Inzest und über 30 Leichen – Scarface gilt als härtester und bester aller klassischen Gangsterfilme! Oscar-Preisträger Paul Muni spielt den skrupellosen Toni „Scarface“ Carmonte, der während der Prohibitionszeit mit brutalsten Methoden zum mächtigsten Gangsterboss Chicagos aufsteigt. Der legendäre Thriller von Regie-Meister Howard Hawks („Rio Bravo“) prägte ein ganzes Genre nachhaltig und inspirierte Regisseur Brian de Palma zu seinem gefeierten Remake mit Al Pacino.
  • Filmkritik
  • Howard Hawks Scarface gilt als der Dritte der drei großen Gangsterfilme, gemeinsam mit „Little Caesar“ (1930) und „Public Enemy“ (1931), der frühen Tonfilmphase. Die Probleme dieser Independet Produktion waren die langwierigen Kämpfe mit den Zensoren der damaligen Zeit. Scarface wurde schon 1930 von Hawks fertig gestellt, allerdings folgte die endgültige Veröffentlichung erst 1932. Die ständigen Eingriffe der Zensoren hatten auch zur Folge, dass das Drehbuch ständig geändert werden musste, neue Szenen ergänzt, ein Prolog erstellt, der Titel geändert und im Gesamten drei verschiedene Schlussszenen abgedreht wurden. Auf die Zensur in Amerika ist es auch zurückzuführen, dass es nach den drei genannten Gangsterfilmen für Jahrzehnte keine vergleichbaren Filme mehr gab.

    All das bevor der Hays Code 1934 für Filmemacher in den Vereinigten Staaten bindend wurde, der Hays Code (auch bekannt als Production Code) wurde 1930 von der Motion Picture Producers and Distributors of America, Inc. (MPPDA) zusammengestellt und beinhaltete Richtlinien, die angeben sollten, was im Kino moralisch vertretbar sei. Von 1930-34 war dieser Richtlinienkatalog freiwillig, ab 1934 mussten die Filme jedoch aufgrund des enormen Drucks seitens der katholischen Kirche erst durch die MPPDA freigegeben werden. Die endgültige Abschaffung dieser Vorgehensweise trat erst 1967 in Kraft und wurde durch eine freiwillige Kontrolle der MPAA abgelöst. Scarface gilt zusammen mit „Baby Face“ (1930) und „Sie tat ihm unrecht“ (1933) sogar als Hauptgrund für die Zwangsdurchführung des Hays Codes zwei Jahre nach Veröffentlichung.

    Bei beiden zuvor genannten Warner Bros. Filmen umfasst der Plot den Aufstieg und den Fall der Gangster. Dadurch wird versucht zu erklären weshalb es zu dem unvermeidbaren Niedergang kommen muss, dies verleiht den Protagonisten klare menschliche Charakterzüge. Scarface startet fünf Sekunden nach der Einführung des Hauptcharakters Antonio 'Tony' Camonte (Paul Muni) mit einem Mord. Es gibt keine Hintergründe wie er überhaupt zum Kriminellen wurde, er ist einfach ein kaltblütiger Killer. Er wirkt wie ein Roboter, ein Biest das lediglich Wollust und Gier kennt. Mit seiner Gier steigt auch die Anzahl an Leichen stetig an.

    Wie bei den meisten frühen Tonfilmen gibt es nur wenig bis keine musikalische Untermalung, allerdings sind immer Hintergrundgeräusche wie Straßenlärm, Explosionen oder Maschinengewehrfeuer. Die Kameraführung ist flüssig mit Schwenk-, Rollwagen-, Drehgestell- und Nahaufnahmen. Die Szenen, die für die Zensoren nachträglich hinzugefügt wurden, lassen sich leicht ausmachen, da sie sich von Hawks Stil unterscheiden. Diese meist kurzen und unaufdringlichen Passagen wurden von anderen Regisseuren gedreht. Manche dieser Szenen sind sogar lustiger als die Szenen mit den komischen Behelfscharakteren der originalen Geschichte, wie der ungebildete Sekretär der das Telefon nicht beantworten kann. Der Plot besticht durch eine hektische und geschickt zielstrebige Geschichte, adaptiert von einem exzellenten (und subversiven) Skript.

    Weshalb der Film bis heute ein Dasein im Schatten von Brian De Palmas Remake fristet, will sich mir nicht erschließen. Ein Meisterwerk mit unglaublichem Einfluss auf die Entwicklung des Gangsterfilmes in der Filmgeschichte. Viele der folgenden Gangsterfilme griffen dieselbe Thematik auf. So waren die Kriminellen immer Immigranten die lediglich von Egoismus und Habgier getrieben eine schiefe Bahn einschlagen. Dieses Konzept hielt an bis zur Veröffentlichung von Francis Ford Coppolas „Der Pate“ (1971), als zum ersten mal organisierte Familien, Blutsverwandte, sich um die unlauteren Geschäfte kümmerten. Während in Der Pate die Gangster einem Ehrenkodex folgen, sind die Gangster zuvor skrupellose Meuchelmörder die keine Ehre kennen, stets aus auf den persönlichen Vorteil. Wenn auch die Filmemacher stark in die Trickkiste greifen mussten um die Gangster auch weiterhin so darstellen zu können, so war zum Beispiel der Protagonist ist William Keighleys „Der FBI-Agent“ (1935) ein Undercover Agent. Dieser ging zwar skrupellos und brutal vor, doch aufgrund der Tatsache, dass es sich um einen Agenten handelt, der sich den Gangstern anpassen muss um nicht aufzufliegen, kam der Film ohne Probleme durch die Zensur.

    Die Gewaltdarstellung in Scarface mag für heutige Verhältnisse harmlos wirken, damals erregte der Film jedoch großes Aufsehen da es bis dahin nichts Vergleichbares in den Kinos zu sehen gab. Mit einem Aufgebot von circa dreißig Toten und Schießereien am laufenden Band, forderte Hawks Film die MPPDA regelrecht heraus. Die Hays Code Beamten hatten Scarface auch von Anbeginn der Produktionsarbeiten schon auf dem Kicker. Ohne Howard Hughes, dem Regisseur Martin Scorsese mit „The Aviator“ (2004) ein Denkmal setzte, als Produzenten wäre es wohl auch nie zu einer Kinoauswertung gekommen, er war es der sich den Zensoren beugte und einen Teil seines Vermögens in die Wiederaufnahme der Produktionen steckte. Hawks weigerte sich weitere neue Szenen zu ergänzen und andere Szenen zu entfernen, er ging seiner Meinung nach schon genügend Kompromisse während der Produktion ein. So kam dann auch Richard Rosson zum Einsatz um die erforderlichen Änderung für eine Kinoauswertung vorzunehmen. Der Film wurde trotzdem in vielen Bundesstaaten verboten und die Einspielergebnisse waren bescheiden.

    Das Skript zum Film wurde in lediglich elf Tagen von Howard Hawks gemeinsam mit Ben Hecht verfasst. Hecht nutzte seine Erfahrungen als Journalist für die Chicago Daily News - als Grundlage dienten ihm die Novelle Scarface von Armitage Trail, das Skript welches Hughes zuvor von diversen Autoren erstellen lies und Al Capone höchstpersönlich. Der Film erregte schon während der Produktion die Aufmerksamkeit von Al Capone und so kam es auch dazu, dass sehr viele Nebenrollen von echten Gangstern die Capone unterstanden gespielt wurden. In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, dass die Horrorlegende Boris Karloff als rivalisierender Gangster von Paul Muni in Erscheinung tritt.

    Hawks spielt in Scarface geschickt mit diversen Stilmitteln, so verwendet er zum Beispiel durchgehend im Film den Buchstaben „X“ um bevorstehende Morde zu kennzeichnen. Der Buchstabe tritt in Form von Schatten, in Form einer römischen Ziffer als Türnummer, sieben „X“ eingeritzt in einen Balken (jedes X steht für einen der getöteten Gangster am Valentinstag) und sogar in Form der Narbe in Tonys Gesicht auf. Damals wurde in Tageszeitungen der Buchstabe „X“ in den Meldungen von Gangsterüberfällen verwendet um auf Bildern den Ort zu markieren, an dem Leichen gefunden wurden. Zum ersten Mal in der Filmgeschichte verwendeten Gangster Maschinengewehre. Das Spiel mit der Münze von George Raft war auch zum ersten Mal in Scarface zu sehen, dies sollte später zu seinem Markenzeichen werden. Doch was bleibt unter dem Strich übrig, ein Gangsterepos der in erster Linie auf Grund seiner drastischen Gewaltdarstellung – wenn auch ohne Blut – bis heute frisch wirkt. Schwarzer Humor gepaart mit einem gehörigen Schuss Gesellschaftskritik, denn wie in Scarface der skrupellose Gangster Tony Carmonte glorifiziert wird, so glorifizierten auch die Einwohner Amerikas den Gangsterboss Al Capone zur damaligen Zeit. Die Prohibition machte aus Gangstern Stars, genau das wurde auch von Scarface aufgegriffen. Dies machte den Film natürlich noch unbeliebter bei den Zensoren. So kam es dann auch, dass Hawks Gangsterepos in manchen Bundesstaaten verbannt und von diversen Bewegungen boykotiert wurde. Trotz der Kontroversen war Scarface ein großer Erfolg. Hughes zog den Film allerdings nach seiner Premiere zurück und weigerte sich weitere Vorführungen zuzulassen. Der Film tauchte erst wieder 1979 auf, drei Jahre nach Hughes Tod, als die eigene Produktionsfirma des Magnaten, die „Summa Corporation“, die Rechte am Film an Universal Studios verkaufte. 1994 wurde Scarface dem National Film Registry des National Film Preservation Boards hinzugefügt und 2003 folgte in Amerika die erste Home Video Auswertung auf DVD, in Europa folgte diese im Jahr 2005.

    Fazit:
    Als Fazit bleibt nur zu sagen, dass Hawks Scarface ein Klassiker der Filmgeschichte ist und somit ein Muss für jeden Filmenthusiasten darstellt. Kurios, der Film ist heute aufgrund der Punkte noch frisch die damals zur Kontroverse führten. Wer De Palmas Remake kennt kommt um Hawks Original sowieso nicht umher.
  • Kurz Kritik
  • Story
    4,5
    Musik:
    3,0
    Unterhaltung:
    4,0
    Anspruch:
    3,0
    Spannung:
    3,5
    Darsteller:
    3,5
    Gesamt:
    4,0
    Verfasst von:
    Fleshgrinder

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Kommentare

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User Kritiken

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Jeder Filmfan kennt das Gefühl bestimmte Filme einfach sehen zu müssen, völlig egal ob er sie interessiert oder nicht. Um mitreden zu können und seinem Ruf gerecht zu werden kommt man oft der Verpflichtung nach Filme der Vollständigkeit zuliebe zu sehen. Einer dieser Filme war für mich Der Pate von Francis Ford Coppola. Ich bin offen gestanden kein Freund von Gangsterfilmen, schon gar nicht wenn es sich dabei um ruhige, sich ewig lang ziehende Charakterstudien handelt. Sowohl gegen Filme älteren Baujahres als auch gegen langsame Filme habe ich absolut nichts einzuwenden, doch bis heute ist mir unklar warum zum Geier Der Pate vom Großteil der Menschheit als bester Film bezeichnet wird. Seine beiden Nachfolger standen anfangs auch "auf dem Plan", doch nach dem ersten Teil war für mich Schluss - ich hab DEN Film nun endlich gesehen, aber mehr musste nicht sein. Nach einer mehr oder weniger langen Erholzeit beschloss ich mich dem nächsten Film zu nähern der mit Coppola's "Meisterwerk" oft in einem Satz fällt - SCARFACE, das Remake von 1983 mit Al Pacino in der Hauptrolle. Der konnte mich zwar auch nicht umhauen, bot aber schon wesentlich mehr Unterhaltung und Tempo. Für überbewertet hielt ich aber auch ihn im Nachhinein. Und da nun seit kurzem das Bluray-Release des Films in Arbeit ist nahm ich dies zum Anlass dem Film eine weitere Chance zu geben. Vielleicht könnte er mich ja diesmal überzeugen...

Antonio Montana... wohl die berühmteste Filmfigur über die die Geschichte "vom Tellerwäscher zum Millionär" erzählt wird und in der das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" derartig im Vordergrund steht. Dass an einigen Darstellern eine für ihre Karriere maßgebliche Rolle haften bleibt dürfte allseits bekannt sein; so wird Harrison Ford immer Indiana Jones sein, Bruce Willis der ausgebrannte John McClane und auch Schwarzenegger wird uns immer als Terminator in Erinnerung bleiben. Und eines steht fest, auch wenn ich noch so daran zweifelte, dass Al Pacino für viele nur Toni Montana ist kann ich absolut nachvollziehen! Auch wenn er trotz seines Talents nicht zu meinen Lieblingsdarstellern zählt und ich ihn nur in wenigen Filmen überzeugend erleben durfte, lebt SCARFACE einzig und allein von seiner grandiosen Leistung. Er lebt seine Rolle förmlich, weswegen man sie ihm auch zu jeder Zeit abkauft. Ob nun als tellerwaschender Einwanderer, als Aufsteiger oder als Größenwahnsinniger - absolut packend und intensiv gespielt, für mich liefert Pacino hier zweifellos die beste Leistung seiner Karriere ab.

Bei der Laufzeit von knapp 2 Stunden 45 Minuten war ich von Anfang an skeptisch, denn ein Genrefilm wie ich ihn normal meide (der Gangsterfilm) muss schon außerordentlich gut sein um mich bei dieser Lauflänge nicht zu langweilen. Gut, auch wenn der Film Höhen und Tiefen hat was bei dieser Dauer mehr als verständlich ist, wird der Film nie zäh und hält einen bei Laune. Man setzt nicht nur auf Dialoge - und einige aus SCARFACE haben völlig zurecht Kultstatus - sondern lässt es auch mal krachen. Die Schießereien verlaufen allesamt recht blutig, sodass eine 18er Freigabe durchaus gerechtfertigt ist, die Indizierung in Deutschland aber auf veralteten Maßstäben beruht. Shootouts müssen in vielen Filmen keinen weiteren Sinn ergeben und einfach nur mit spektakulären Bildern den Zuschauer beeindrucken, doch in SCARFACE ist es die Gefahr die ständig in der Luft liegt und die Szenen in denen es hart auf hart kommt erst so intensiv machen. Diese von Gewalt bestimmten Szenen wollen aber nicht nur optisch präsent sein, sondern auch den Zuschauer bedrücken - und das gelingt durchwegs. Für mich eine DER Stärken des Films.

Alles dreht sich hier um Al Pacino, daran gibt's nichts zu rütteln, aber auch Michelle Pfeiffer, F. Murray Abraham und Harris Yulin spielen wirklich sehr gut und sorgen dafür, dass man auch die anderen Charaktere nicht vergisst. Der Aufbau des ganzen Films ist wie üblich in 3 Teile geteilt - man begleitet Montana von ganz unten, nach ganz oben, bis es wieder nach unten geht. Ein Kreislauf den auch in der realen Welt viele nur zu gut kennen. Inszeniert ist das ganze im unverkennbaren 80er Stil, was alleine durch die Musik auffällt - herrlich.

Zusammenfassend bleibt mir nur zu sagen, dass mir der Film sehr gut gefällt, doch eines der größten Werke der Filmgeschichte ist er in meinen Augen nicht. SCARFACE lebt von den atemberaubenden schauspielerischen Darbietungen - allen voran natürlich von Al Pacino - und seiner tolen Inszenierung. Ein Meisterwerk? Nicht unbedingt. Ein Kultfilm? Definitiv!

8/10 Brusthaartoupets

geschrieben am 19.08.2011 um 09:21

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Wertung: 9,1/10 | Wertungen: 9 | Kritiken: 1