Brügge sehen .... und sterben?

  • Informationen zum Film
  • Brügge sehen .... und sterben?

  • Originaltitel:
    In Bruges
    Genre:
    Krimi, Drama, Thriller
    Produktionsländer:
    USA, UK
    Produktionsjahr:
    2008
    Kinostart Österreich:
    16.05.2008
    Kinostart Deutschland:
    15.05.2008
  • Cast & Crew
  • Regie:
    Martin McDonagh
    Drehbuch:
    Martin McDonagh
    Musik:
    Carter Burwell
    Darsteller:
    Eric Godon, Brendan Gleeson, Colin Farrell, Zeljko Ivanek, Ciarán Hinds, Ralph Fiennes, Jérémie Renier, Thekla Reuten, Elizabeth Berrington, Jamie Edgell, Jordan Prentice, Mark Donovan, Theo Stevenson, Rudy Blomme, Olivier Bonjour, Ann Elsley, Jean-Marc Favorin, Sachi Kimura, Anna Madeley, Louis Nummy, Clémence Poésy, Inez Stinton, Emily Thorling, Angel Witney, Bonnie Witney, Ran Yaniv, Stephanie Carey, Susan Ateh, Michael Bennett
  • Inhalt
  • Es war Rays erster Hit. Sein erster Versuch in der Branche des Verbrechens Fuß zu fassen. Und alles ging schief. Neben seinem Ziel traf er auch ein junges, unschuldiges Kind, welches auf der Stelle starb. Harry, Leiter der Organisation, schickt Ray sofort mit seinem langjährigen Untergebenen Ken nach Brügge, damit sie sich dort erstmals verstecken können – so scheint es zumindest. Während Ray von Schuldgefühlen zerfressen wird, bekommt Ken den unehrenhaften Auftrag den Gefallenen zu exekutieren …
  • Filmkritik
  • In Bruges – „Where is That?“ “It’s in Belgian.” Der Film verwandelt das verschlafene Touristenörtchen Brügge zu dem rasanten Schauplatz einer grotesken Jagd zwischen Ganoven - zumindest scheint es dies beim ersten Blick. Doch erst nach und nach wird Brügge sehen … und sterben? zu einer scharfsinnigen Tragödie über Schuld und Sühne. Der Tod des kleinen Jungen zerfrisst Ray innerlich und äußerlich und treibt ihn in die Enge, an den Abgrund seiner Selbst. Geschickt fädelt der Regie führende Oscarpreisträger Martin McDonagh diese lyrische Erzählung um Sünde und Verzweiflung in die einzelnen Ebenen des Werkes ein. Manch einer meint vielleicht, dass das Städtlein inakkurat abgelichtet wurde, jedoch tut dies rein gar nichts zur Sache. Brügge ist nur eine Metapher für das mittelalterliche Bestrafen, das Selbstgeißeln und den Sündenfall.

    Der Regisseur umkreist einem Geier gleich sein düsteres Sujet und dringt dabei immer tiefer in die Materie. Während zunächst nur das oberflächliche Sightseeing die Verbindung mit dem Mittelalter gewährt, verdichten sich die Ansätze immer mehr in der Kunst von Bosch, in den Dialogen, aber auch sehr stark in der ruhigen, gotischen Musik, bis sie schließlich in dem fulminanten Finale in einer absoluten Irrealität aufgehen. McDonagh setzt bei diesem auf einer gänzlichen Verschmelzung zwischen der gotischen Scheinwelt der Stadt und dem Geschehen des Films. Trotz seiner scheinbar simplen Bildsprache baut der Regisseur eine unglaubliche Atmosphäre auf, die das Thema des Films gut erfasst. Für seinen Kurzfilm Six Shooter wurde McDonagh die Ehre des Academy Awards zuteil. Sein Spielfilmdebüt schließt leichtfüßig an dessen Qualität an, so darf man noch ohne Zögern sagen: Diesen Briten sollte man nicht aus den Augen lassen. Man kann sich noch viel Großes aus McDonaghs Hand erwarten !

    Für In Bruges, so der weitaus zurückhaltendere Titel im Original, konnte der Regisseur und Drehbuchautor Martin McDonagh die Creme da la Creme des britischen Kinos gewinnen. Der Ire Colin Farrell als Nervenbündel Ray, sein Landsmann Brendan Gleeson als der gutmütige Kumpane und der Brite Ralph Fiennes als der cholerische Boss der beiden. All diese haben sich schon in unzähligen Filmen als drei der wichgtigsten Mimen der Insel unter Beweis gestellt und runden den Film dank ihrer Qualität als Meisterdarsteller perfekt ab. Keiner von den dreien kann oder wollte den anderen beiden die Show stehlen. Vielmehr spielen diese sich stets gegenseitig den Ball zu, um dem Regisseur und dem Film zu dienen. Farrell scheint, in einem positiven Sinn, fast wahrlich an dem Film zugrunde zu gehen. Der Zuschauer wird bei jedem seiner Auftritte von einem unglaublichen Gefühl der Trostlosigkeit überwältigt. Ihm stehen auch aufgrund des Drehbuches die größten Emotionen zu, welche er dankend ausnützt, um eine gigantische Performance abzuliefern. Obwohl Gleeson seinen Charakter sehr zurückhaltend begegnet, spürt das Publikum stets die Aura eines ganz Großen auf der Leinwand. Er ist die standfeste Brücke zwischen den Spielen von Farrell und Fiennes. Somit nun auch zu dem Letzten im Bunde. Fiennes kreiert eine Figur, die zugleich an den aggressiven Sir Ben Kingsley in Sexy Beast und an das reservierte, ehrenhafte Spiel Al Pacinos in The Godfather erinnern. Seine tiefe, gelassene Stimme lädt zum honetten Plausch, während sein eiskalter Blick einen von hinten erschießt. Eine Darbietung, die direkt an die Nieren geht.

    Fazit:
    Egal ob man den Film als tiefgründige, düstere Tragikomödie im britischen Stil oder als intelligentes, tristes Drama mit schwarzhumorigen Dialogen betrachtet: In Bruges ist ein wahres Juwel in der heutigen Kinolandschaft und sollte nicht verpasst werden !
  • Kurz Kritik
  • Story
    4,0
    Musik:
    4,0
    Unterhaltung:
    4,5
    Anspruch:
    4,5
    Spannung:
    4,5
    Darsteller:
    5,0
    Gesamt:
    4,5
    Verfasst von:
    Sebastian Klausner

Kommentare

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User Kritiken

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Wohl keinen zweiten Film hatte ich im Laden so oft in der Hand bis ich mich endlich überwinden konnte ihn zu kaufen. Das Cover hat mich irgendwie angesprochen und die Kritiken sprachen für den Film, aber ich wusste beim besten Willen nicht was mich hier erwarten würde. Auf die Empfehlung eines guten Freundes hin habe ich dann einfach mal zugeschlagen ohne zu wissen worauf ich mich hier einlasse. Ich gab dem Film einfach mal eine Chance und hatte keine Erwartungen (inhaltlich hatte ich sowieso keine Ahnung), lediglich die Gefahr bestand, dass der Film den Kritiken nicht gerecht werden würde. Diese Besorgnis konnte aber gleich zu Beginn beiseite gelegt werden!

Der Plot: Urlaub haben sie sich verdient, so viel ist klar. Zwar ist der letzte Auftrag in London nicht ganz nach Plan verlaufen, doch gerade deswegen können Ray und Ken ein wenig Ruhe ganz gut vertragen. Aber ausgerechnet in Brügge? Dort sitzen die beiden Auftragskiller zwischen malerischen Kanälen und mittelalterlichen Kirchen und warten tagelang auf einen Anruf von ihrem Boss Harry mit weiteren Instruktionen. Von gepflegter Langeweile kann allerdings keine Rede sein. Während Ken versucht, sich den kulturellen Reizen der mittelalterlichen Stadt zu widmen, entfacht Ray nach alter Gewohnheit sofort allerhand Krawall: Er prügelt sich mit Touristen, feiert wilde Partys mit dem zwergwüchsigen Hauptdarsteller eines surrealistischen Films und bändelt zu allem Überfluss auch noch mit der lokalen Schönheit Chloë an. Wen wundert’s, dass deren Ex-Freund davon wenig begeistert ist. Noch weniger begeistert von dem lärmenden Treiben aber zeigt sich auch der Boss. Deshalb erhält Ken nun den Auftrag, seinen Kumpel Ray ruhig zu stellen – und zwar endgültig...

IN BRUGES (so der Originaltitel) ist ein sehr niederschwelliger Film, der nicht offensiv versucht den Zuseher umzuhauen, genau das aber mit seiner ruhigen, schlichten und bescheidenen Art schafft. Ein herrlicher Film der vor allem von seinem skurrilen Humor lebt - teils erinnerten mich Aussagen an den Stil von Tarantino, im Gegensatz zu dessen Filmen zündeten hier aber so gut wie alle Jokes. Das Besondere an IN BRUGES ist aber der perfekt ausbalancierte Mix aus schrägem Humor, bedrückendem Drama und Auftragskillerthriller. Hat man im einen Moment noch Tränen vor Lachen in den Augen, könnten diese im nächsten Moment schon eine ganz andere Bedeutung haben, denn die Story bedrückt den Zuseher gleichermaßen wie den Protagonisten.

Colin Farrell und Brendan Gleeson geben ein ungleiches, aber gerade deswegen absolut passendes Duo ab, das sich unglaublich gut ergänzt. Es ist einfach höchst amüsant ein Wortgefecht nach dem anderen der beiden anzusehen, wobei sie im Endeffekt ähnlicher ticken als man glauben könnte. Hinter der launischen und deswegen so unterhaltenden Fassade steckt aber weit mehr - und zwar Charaktere mit Tiefe, die von tollen Darstellern ausgefüllt werden. Colin Farrell mochte ich eigentlich nie und Brendan Gleeson sah ich bisher nur in Nebenrollen, hier aber spielen sie beide ganz groß auf und tragen weitestgehend diesen grandiosen und außergewöhnlichen Film. Nicht zu vergessen ist an dieser Stelle Ralph Fiennes. Er wirkt lange Zeit nur im Off mit, wobei gerade das wirklich originell ist und zu 100% aufgeht. Dass er selbst erst gegen Ende des Films auftaucht hebt den Film von seiner Konkurrenz ab, denn das sieht man in dieser Form äußerst selten und ist in diesem Fall umso wirksamer. Nebencharaktere wie der Waffenhändler oder ein "Gnom" auf Pferdeberuhigungsmittel ergänzen die Riege des Außergewöhnlichen in diesem Film. Abgerundet wird das Ganze noch durch die ruhige Ausstrahlung und den Charme der Stadt Brügge, die richtig gut in Szene gesetzt wurde.

IN BRUGES ist ein Film mit tollen Darstellern & schrägen Charakteren, tollen Settings, abgedrehtem Humor und hohem Wiedererkennungswert. Der Soundtrack ist dem Film wie auf den Leib geschneidert und trägt sein Übriges dazu bei und lässt vor allem das Ende einmalig erscheinen. Dennoch bleibt IN BRUGES ein Film der nicht unbedingt für die breite Masse gemacht ist, aber genau das ist auch gut so. Ein rührendes, schräges Ausnahmewerk und einer meiner absoluten Lieblingsfilme.

10/10 Burger King-Toilleten

geschrieben am 20.08.2011 um 04:06

Die irischstämmigen Auftragsmörder Ray und Ken bekommen kurz vor Weihnachten von ihrem cholerischen und unberechenbaren Chef Harry Zwangsurlaub in Brügge!
Doch schon viel zu schnell holt die Wirklichkeit die beiden Killer ein, und sie müssen entscheiden, was für sie im Leben wirklich wichtig ist!
Ein Film der zwischen einer Gaunerkomödie mit viel "schwarzem" Humor und einer Portion Tragödie gefüllt ist!

geschrieben am 31.07.2011 um 11:22

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