Der Zufall spielt immer eine Rolle. So auch in Götz Spielmanns neuestem Film,
Revanche. Eine falsche Entscheidung zieht immer größere Kreise nach sich – schließlich finden sich die Personen in einem Netz aus Lügen und Tricks wieder, aus dem sie sich nicht mehr befreien können. Selbst wenn das idyllische letzte Bild im Film einen Funken von Versöhnlichkeit ausstrahlt, so bleibt der Gedanke daran pure Illusion. Familien sind zerstört, Personen zerbrochen. Spielmann nimmt keinerlei Rücksicht auf seine Charaktere.
Revanche impliziert das Rachethema allein aufgrund seines Titels, doch der Film geht darüber hinaus. Es wäre falsch, ihn auf Begriffe wie Schuld, Gegenschuld und Unschuld zu reduzieren. Stattdessen fokussiert er auf zwei Milieus, die es in den 122 Minuten zu erkunden gilt: Die Wiener Rotlichtszene als Ort, an dem Frauen wie auch Männer nichts mehr wert sind, und schmierige Unterweltgestalten (überzeugend rübergebracht von Hanno Pöschl, der scheinbar auf Strizzi-Rollen festgeschrieben ist) regieren. Sie geben sich als Wölfe im Schafspelz, die ihre Untertanen frei nach dem Prinzip Zuckerbrot und Peitsche behandeln. Auf der anderen Seite gibt es die trostlose Idylle am Land, wo die Häuser wie kleine Inseln für sich stehen und jeweils Abgeschottetheit von der Außenwelt vermitteln. In so ein Refugium zieht es den Protagonisten nach dem Verlust seiner Geliebten, zu seinem Großvater, mit dem er sich nie wirklich versteht, weil er ihn für einen Nichtsnutz hält. Auch dort wirken alle menschlichen Interaktionen bedrückend und einengend.
Revanche setzt seine Zuschauer in dieser Trostlosigkeit aus, bei der man von Anfang an weiß, dass das Ende kein Gutes sein wird. Herausragend sind dabei Kamera und Drehbuch: Erstere lässt die Zuschauer trotz ihrer Strenge immer aus dem „richtigen“ Blickwinkel das Geschehen betrachten und sorgt für ausgewogenen Gegensätze zwischen den hektischen Stadt- und ruhigen Landszenen, letzteres sorgt mit seinen fein herausgearbeiteten Dialogen für den ein oder anderen Überraschungsmoment. Es ist vor allem eine Szene, die eine unerwartete Wendung im Film herbeiführt, die für unbehagliche Befremdlichkeit und eine ungeheure Bandbreite an Emotionen sorgt. Mit hervorragenden Darstellern – allen voran Johannes Krisch und Ursula Strauss – besetzt, erreicht Spielmanns Film auch in dieser Disziplin ein Höchstmaß an Intensität.
Revanche setzt sich ausgesprochen stark im Kopf seiner Zuschauer fest und fesselt von der ersten bis zur letzten Minute vermutlich deshalb so sehr, weil Spielmann auf Effekthascherei verzichtet und seine Geschichte lediglich über Stimmungen erzählt. Auch Musik ist im Film keine vorhanden.
Dennoch muss sich auch
Revanche den kleinen Vorwurf gefallen lassen, ein typischer Vertreter des österreichischen Depressionsfilms zu sein und schlägt dabei in dieselbe Kerbe wie Ulrich Seidls
Import/Export, der inhaltlich wie visuell leicht ähnlich ist, oder Michael Haneke. Wenngleich Götz Spielmanns Film bei weitem nicht so sperrig ist – ob er ein Massenpublikum ansprechen kann, ist eher fraglich. Wünschenswert wäre es in jedem Fall!
Revanche wurde auf der DIAGONALE 2008 als Bester Österreichischer Film des Jahres sowie für die beste Kameraarbeit (Martin Gschlacht) ausgezeichnet.
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