Mit seinen Citroen fährt der arbeitslose Schauspieler Milo Tindle auf den Landsitz des reichen Andrew Wyke. Er stellt seine alte Karre direkt neben einen nagelneuen Mercedes. Es ist ein atemberaubendes Gut mit einem riesigen Landhaus. Milo zeigt sich beeindruckt als er an der mächtigen Tür klingelt. Mehrere Kameras richten ihre Position, und der Ankömmling sieht dieses mit einem Unbehagen. Er setzt unsicheren Fußes einen Schritt zurück als sich Andrew an der Sprechanlage bemerkbar macht. Nach einer kurzen Unterredung, und einer Begründung, warum der attraktive Darsteller den älteren reichen Autor besucht, lässt ihn dieser gewähren, und bittet ihn einzutreten. Das Innere des Hauses steht im völligen Gegensatz zum Äußeren. Im futuristischen Look stellen sich die Einrichtungsgegenstände für Milo dar. Nach einem längeren Small Talk und ein paar Drinks kommt Mr. Tindle urplötzlich zur Sache. Mrs. Wyke hatte ihren Gatten verlassen und begab sich in die Arme des Akteurs. Und der schöne Jüngling erbittet nun Andrew, dass er in die folgende Scheidung einwilligen soll. Doch der vermögende Schriftsteller willigt nur unter einer Vorraussetzung ein. Milo Tindle soll, nur zum Schein, die Juwelen des Hauses stehlen. Für ihn wäre es dann nur eine Versicherungssache. Und für den Dieb gibt es einen Käufer, der die heiße Ware zu einen guten Preis ersteht. Es handelt sich um eine sichere Angelegenheit, gibt Andrew zu verstehen. Er wäre den Schmuck und die untreue Ehefrau für immer los, und der Arbeitslose hätte von nun an keine Geldsorgen mehr, und könne Maggie für immer verwöhnen. Das sich die Umsetzung der Tat schwieriger als geplant gestaltet, war vorhersehbar. Denn Beide versuchen aus dem entstandenen Katz und Mausspiel ihren persönlichen Profit zu ziehen.
In den letzten Jahren waren es vor allem Werke von William Shakespeare, mit denen der bekannte Schauspieler und Filmemacher Kenneth Branagh unsere Aufmerksamkeit erreichte. Dieses Mal kommt er aber mit einem ganz anderen Projekt in unsere Kinos. Statt einer großer Kulisse, tollen Landschaftsaufnahmen und zahlreichen Darstellern, gibt es eine alternative Kost. Diesmal spielt die gesamte Handlung, in und rundum eines Hauses statt, dass aber zugegebener Maßen einiges zu bieten hat. Statt opulenten Staraufgebot wird der Betrachter, von Kenneth in eine kleinere Welt entführt. 1 MORD FÜR 2 ist ein 2 Personen Szenario dass wie ein Theaterstück funktioniert. Alles bewegt sich im engsten Rahmen. Lange Dialoge zweier Kontrahenten sollen und müssen für einen 90 minütigen Spielfilm genügen. Kenneth Branagh legt sein Schaffen in einen eigenartigen Mantel. Ein Peter Greenaway Liebhaber wird viele Parallelen von seinen Vorbild, im Vergleich zu diesem Werk, entdecken. Die Optik wirkt ähnlich dem Filmemacher zahlreicher Klassiker. Außerdem taucht Kenneth die Bilder in zahlreiche Farben, wie es einst Peter, zum Beispiel in DAS BABY VON MACON, vorzeigte. Auch der Score vom Hauskomponisten Patrick Doyle ähnelt dem von DER KOCH, DER DIEB, SEINE FRAU UND IHR LIEBHABER auf drastische Weise. Viel vom Gezeigten wirkt wie eine Hommage an den 1942 in Wales geborenen Peter Greenaway. Dieser Eindruck darf eindeutig als ein großes Plus dieses Films zählen.
Damit SLEUTH ( Spürhund, Detektiv ) im Original, als Kinobesuch auch lohnt, müssen mehrere Komponente mitspielen. Allein, trotz dem filmerischen Verständnis des Regisseurs, die gesamte Last an Kenneth Branagh zu hängen wäre fatal. Zwei ebenso essentielle Dinge müssen greifen damit dieses Projekt zur Gänze funktioniert. Zum einen ist es von enormer Bedeutsamkeit das für ein 2 Personen Stück zwei Darsteller gefunden werden müssen, die ein solches Projekt auch tragen können. Zum anderen sollte die Geschichte von Beginn weg interessant bleiben und fesseln. Das Ersterwähnte, so viel darf man verraten, wird perfekt erfüllt. MICHAEL CAINE als reicher Autor legt seine Fähigkeiten gekonnt auf die Leinwand. Wegen seiner ungeheuren Präsenz und seiner scheinbar unvergänglichen Aura hat es der 1933 geborene Engländer leicht seinen Mann zu stehen. Obwohl er den Part meist bedrohlich anlegt, nimmt ihn der Zuseher auch die sympathischen Phasen ab. Wie es die Story auch will, schafft Michael seiner Rolle eine Ungewissheit zu verleihen. Der Betrachter soll niemals in Sicherheit gewogen werden. Der Zweite im Bunde des dynamischen Duos ist JUDE LAW. Zum Erstaunen erweist sich die Tatsache das JUDE gegenüber seinen mächtigen Gegner schaustellerisch nicht abfällt. Er versteht es seine Rolle derart zu tragen, so dass er eine Art Gleichgewicht herstellt. Beide ergänzen sich perfekt und halten 1 MORD FÜR 2 im darstellerischen Bereich auf hohen Niveau.
Die einzig ersichtliche Schwäche entspringt aus der Geschichte. Spinnt man das Gefühl ein Kammerspiel zu erleben weiter, dann besitzt der Film drei Akte. Teil Eins ist der mit Abstand Beste. Ohne zu zögern wird der Zuseher eingeführt und ins Geschehen geworfen. Die Entwicklung steigt stetig und der Spannungsfaktor damit ebenfalls. Teil Zwei fügt sich gekonnt dem bis dato vernommenen an, obwohl der Überraschungseffekt gänzlich fehlschlägt. Denn mittlerweile begreift man wie dieses Projekt arbeitet, und das Katz und Mausspiel wird zusehends vorhersehbarer. Der Dritte Teil darf mit Abstand als der Schwächste gelten. Hier wird nur noch versucht dem ganzen die Krone aufzusetzen. Und dieses Vorhaben scheitert kläglich. Hier bleibt einen nur noch den tollen Schauspielern zu lauschen und die gerahmten Bildern zu bewundern. Der Story sollte zu diesen Zeitpunkt keinerlei Beachtung mehr geschenkt werden. Das könnte die positive Gesamtstimmung ein wenig trüben.
Fazit:
Zählt man die geschickten Handhabungen des Regisseurs, die achtbare Leistung der beiden Darsteller, und den guten Beginn der Geschichte zusammen, bleiben immerhin zweieinhalb von drei Gründe für 1 MORD FÜR 2 ins Kino zu gehen.
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