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Land of Plenty - Auf der Suche nach Wahrheit

  • Informationen zum Film
  • Land of Plenty - Auf der Suche nach Wahrheit

  • Originaltitel:
    Land of Plenty
    Genre:
    Krieg, Drama
    Produktionsländer:
    USA, Deutschland, Kanada
    Produktionsjahr:
    2004
    Kinostart Österreich:
    18.02.2005
    Kinostart Deutschland:
    07.10.2004
  • Inhalt
  • Eine Geschichte, ein Mord, eine Nation und eine Welt, betrachtet aus zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven:

    Paul (John Diel) ist ein Vietnam Veteran, der im post-9/11 Zeitalter gezielte Überwachungen verdächtiger Personen und Vorkommnisse anstellt. In seinem zur Überwachungszentrale umfunktionierten Van dreht Paul in Los Angeles seine Runden. Seine ausgeprägte Paranoia, verstärkt durch seine traumatischen Kriegserlebnisse, lässt ihn alltägliche Belanglosigkeiten als verschwörerische, terroristische Bedrohungsbilder wahrnehmen. Jeder ist verdächtig und Paul sieht es als seine Mission an, sein Land vor all diesen vermeintlichen Bedrohungen zu schützen. Koste es was es wolle.

    Die Idealistin Lana (Michelle Williams) ist gebürtige Amerikanerin, hat jedoch den großteil ihres Lebens in Afrika und dem nahen Osten zugebracht. Sie kehrt nach Los Angeles zurück um ein Collage zu besuchen, übernimmt aber statt dessen eine Aufgabe in einer Obdachlosen-Mission. Ihre Heimreise hat aber noch ein weiteres Ziel. Sie möchte ihren einzig lebenden Verwandten finden - Onkel Paul.

    Just wegen eines Mordfalls auf offener Straße kreuzen sich die Wege von Paul und Lana. Je mehr sie ihren Kontakt zueinander intensivieren, desto deutlicher prallen zwei Weltsichten aufeinander wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten...
  • Filmkritik
  • Angst and Alienation in America -----
    Regisseur Wim Wenders inszeniert Lana's Rückkehr in ihr Heimatland als ernüchternde Dekonstruktion des American Dreams, dessen gescheiterte Träumer in den schäbigen Obdachlosen-Vierteln von Los Angeles enden. Von der Gesellschaft vergessen und vom rudimentären Sozialsystem an deren Rand gespült, genügt bereits eine namentliche Anrede von Lana um sie in Verlegenheit zu bringen. Sie fühlen jene Isolation gesellschaftlicher Wertvorstellungen, die sie im "Land of Plenty" zu hilflosen Aussenseitern macht. Wenders versteht es, diese Sequenzen mit nahezu dokumentarischer Eindringlichkeit im Bewusstsein des Zusehers zu verankern. LAND OF PLENTY gerät jedoch nicht zum undifferenzierten "America bashing". Wenders stellt dieser Szenerie die Figur der Lana entgegen, die sich idealistisch und selbstlos gegen die Trostlosigkeit stellt und auch entsprechend handelt. Sie engagiert sich in der Obdachlosen-Mission und lässt ein Stück Hoffnung in Wender's Gesamtbild einfliessen, das hiermit nicht bloß zur simplen Verurteilung gerät. LAND OF PLENTY ist ein Film der sehr differenzierte Sichtweisen anbietet, was zweifellos als Stärke des Werks zu sehen ist.

    Patriots and Paranoia -----
    Paul repräsentiert das politische Amerika dieser Tage. Er agiert stets auf Basis seiner angsterfüllten, paranoiden Bedrohungsbilder und sieht grundsätzlich in allen Muslimen potenzielle Terroristen, die er ausspionieren und überwachen muss. Natürlich nur zum Schutz seines Landes, versteht sich. Er wird dabei zusehends selber zum Bedrohungsbild für seine Umwelt, was ihm selber zunächst überhaupt nicht bewusst wird. Paul wird jedoch nicht als klassischer Filmbösewicht dargestellt. Als sich, im Laufe des Films, sein Charakter, seine Figur mehr und mehr offenbart, macht Wenders deutlich, dass auch er Opfer ist. Einerseits durch seine, immer wiederkehrenden, traumatischen Kriegserlebnisse und andererseits durch politisch projezierte Angstszenarien, die er verinnerlicht hat und denen seine angegriffene Persönlichkeit nichts entgegenzusetzen hat. Erst als Lana in sein Leben tritt beginnt er, am Ende des Films, seine Motive zu hinterfragen.

    Reflexion, Selbstfindung und Katharsis -----
    LAND OF PLENTY ist eine nahezu spiritulle Inventarisierung des Gemütszustandes einer Nation nach 9/11. Ein durch und durch politischer Film, dessen handlungstragende Personen jeweils eine andere Sichtweise transportieren. Der ausgelebte Konflikt dieser Sichtweisen bildet den primären Reiz des Films. LAND OF PLENTY ist analytisch, reflexiv und er ist einer der ganz wenigen Filme, die sich auf seriöse Weise mit einem Stimmungsbild auseinandersetzen, welches zum Spiegelbild einer Nation geworden ist. Die atmosphärische Dichte erlangt der Film hauptsächlich über die hervorragenden Darstellungen von Michelle Williams und John Diehl, Wim Wender's nach wie vor vorhandenes Gespür für den effizienten Einsatz von Musik und die vielfach sehr durchdachten Dialoge des Drehbuchs. Leider ist LAND OF PLENTY aber dramaturgisch etwas problematisch. Über weite Strecken des Films scheint die Handlungsebene stillzustehen bzw. kreist sie um ein und denselben Punkt. Speziell im Mittelteil des Films entstehen dadurch ganz deutlich erkennbare "Hänger", die sich beim Zuseher leicht in Langeweile niederschlagen können. Obwohl für genaue Beobachter nach kurzer Zeit klar ist, dass Paul's paranoide Vorstellungen nicht wirklich einem Realbild entsprechen, hätte der Film aufgrund der Konfrontation der Charaktere und seiner interessanten Thematik funktionieren können. Letztendlich ist er dafür aber doch etwas zu lang. Eine um 15-20 Minuten kürzere Erzählung wäre sehr hilfreich gewesen. Nichts desto trotz ist LAND OF PLENTY ein sehr ernstzunehmender Film, der wohl mehr über seine Thematik und diffenzierten Betrachtungsweisen funktioniert als über die Merkmale des erzählerischen Kinos.
  • Wertungen
  • Story
    4,0
    Musik:
    4,5
    Unterhaltung:
    1,0
    Anspruch:
    4,0
    Spannung:
    1,5
    Darsteller:
    4,0
    Gesamt:
    3,0
    Verfasst von:
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