Kurzkritik
Filme, die sich aus heutiger Sicht mit den Revolutionen Ende der 60er Jahre auseinander setzen, haben immer etwas romantisch-verklärtes an sich: Man braucht nur beispielsweise an Bertoluccis ménage à trois
The Dreamers zu denken.
La Faute à Fidel geht einen anderen Weg: Mit einer gehörigen Portion Humor entmystifiziert Regisseurin Julie Gravas einige der hehren Ideale der Bewegung, indem sie ihre Geschichte aus der Sicht zweier Kinder erzählt, die über die Veränderungen in ihrem familiären Umfeld nicht gerade in Freudentränen ausbrechen. Anna muss in der Schule erfahren, dass es nicht immer von Vorteil ist, sich einer größeren Gruppe gegenüber solidarisch zu zeigen – was sie gewissermaßen in eine Sinnkrise stürzt, aus der ihr auch ihre Eltern nicht helfen können. Und schließlich führt sie einer Gruppe verblüffter junger Kommunisten vor, was sie von freier Marktwirtschaft hält. Es sind diese kleinen Momente des Films, die ihn schlicht und ergreifend herzig erscheinen lassen.
Dies ist nicht zuletzt der Verdienst der jungen Nina Kervel, die ihren Charakter mit einer selten gesehenen Lebendigkeit füllt. Obwohl
La Faute à Fidel erst ihr Filmdebüt ist, spielt sie bereits mit so viel Witz und Charme, wie man es von Kinderdarstellern selten gewohnt ist. Auch Benjamin Feuillet als ihr kleiner Bruder Francois steht ihr in nichts nach. Die Chemie zwischen dem filmischen Geschwisterpaar stimmt und so ist jede Szene mit den beiden eine Wonne.
Auch Julie Depardieu und Stefano Accorsi überzeugen als gestresstes Elternpaar – hin und her gerissen zwischen Revolution und Familienleben.
Handwerklich überzeugt der zweite Film der Tochter des Regisseurs Costa Gravas (
Mad City, 1997) ebenfalls – hinzu kommt die manchmal leicht melancholische Filmmusik von Armand Amar.
La Faute à Fidel betreibt in gewisser Hinsicht Geschichtsunterricht auf äußerst unterhaltsame Art und Weise und ist somit für jung und alt mehr als einen Blick wert.
Zu sehen auf dem „Festival du film francophone“ am Mittwoch, 9. April um 19:30 Uhr (OmeU) im Votivkino in Wien. (mehr Informationen)
Kommentare
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