Komödienspezialist Harald Sicheritz kann auch ganz anders und präsentiert mit Darum der Adaption des gleichnamigen Romans von Daniel Glattauer ein ernsthaft gemeintes Psychodrama. „Gemeint“ deshalb, weil sich im Laufe des Films doch einige Abstrusitäten auftun, die so nicht intendiert sein dürften. Hauptproblem von Darum ist einfach, dass uns der Film nichts zu sagen hat. Die Geschichte selbst konstruiert sich um die Frage nach dem Motiv für das Verbrechen, das der unscheinbare Jan an einem seiner Mitmenschen begangen hat. Mit seinen Irrungen und Wirrungen vermag diese Frage aber kaum zu fesseln – zu wenig Mitgefühl empfindet man für den Protagonisten (kurios: Der deutsche Kai Wiesinger, der einen österreichischen Journalisten darstellen soll). Die Besetzung einiger Rollen kratzt weiter an der Glaubwürdigkeit des Films: Klar, es ist immer schön die Präsenz eines Roland Düringer oder einer Andrea Händler auf der Leinwand zu sehen und beide können unbestritten toll spielen. Aber keiner glaubt, dass Düringer – schon angefangen dabei, wie er im Film gekleidet ist – ein Chefinspektor bei der Polizei ist, und Frau Händler vermag auch als Reporterin für ein Revolverblatt nicht zu überzeugen. Einzig Anna Thalbach als mysteriöse zweite Richterin Helena nimmt man ihre Rolle uneingeschränkt ab.
Einen Großteil verbringt Darum damit, vor Gericht den Fall Haidinger aufzurollen – hier sind Analogien (ob so gemeint oder nicht) zum aktuellen Bawag-Prozess doch unübersehbar. Wie auch in der Realität läuft der filmische Prozess nicht ohne „Schwierigkeiten“ ab – und verfällt dabei mehr als einmal ins Lächerliche: Ein wichtiger medizinischer Befund des Opfers findet erst in der zweiten Prozessphase Eingang und schließlich nutzt auch noch ein fanatischer Sterbehilfebefürworter den Gerichtssaal für lautstarke Parolen. Das übersteigt kaum Fernsehshowniveau. Wie man dann überhaupt darauf kommen kann, den Mörder freizusprechen (noch bevor der „rettende“ Clou ins Spiel kommt) ist mehr als schleierhaft und lässt echte Zweifel an unserem Justizsystem aufkommen. Zweifel, die beim finalen Urteil sogar noch bestätigt werden. Diesbezüglich hätte es mehr Aufklärungsbedarf benötigt.
Somit bleiben als wirkliche Glanzleistungen des Films die Inszenierung, die mit ungewöhnlichen Kameraperspektiven, surrealen Traumsequenzen und gutem Gespür für Tempo und Schnitt wirklich positiv überrascht, und die Musik von Lothar Scherpe, die die unterkühlten Bilder mit passenden Tönen untermalt.
Darum wirft zwar einige zugegebenermaßen interessante Fragen auf, über Berufsethos, Sterbehilfe und Erfahrungen in unserem Leben, doch im Endeffekt bietet er diesen Themen zu wenig Raum und uns somit zu wenig Einblick sondern wirft sie bloß lieblos als Brocken hin. So toll inszeniert der Film in manch technischer Hinsicht ist, es fehlt ihm einfach an Authentizität und Glaubhaftigkeit. Übrig bleibt lediglich ein unfreiwillig komisches Abziehbild österreichischer „Realität“, in dem so rein gar nichts zusammenpassen mag – sowohl in seiner Handlung, als auch in bestimmten Aspekten seiner Präsentation.
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