Sweeney Todd

  • Informationen zum Film
  • Sweeney Todd

  • Originaltitel:
    Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street
    Genre:
    Musical, Thriller, Horror, Drama
    Produktionsländer:
    USA, UK
    Produktionsjahr:
    2007
    Kinostart Österreich:
    22.02.2008
    Kinostart Deutschland:
    21.02.2008
    Kinostart USA:
    21.12.2007
  • Cast & Crew
  • Regie:
    Tim Burton
    Drehbuch:
    John Logan, Tim Burton, Hugh Wheeler, Christopher Bond, Stephen Sondheim
    Musik:
    Stephen Sondheim
    Darsteller:
    Nick Haverson, Helena Bonham Carter, Johnny Depp, Alan Rickman, Nicholas Hewetson, Timothy Spall, Jody Halse, Sacha Baron Cohen, Lee Whitlock, Jamie Campbell Bower, Laura Michelle Kelly, Jayne Wisener, Ed Sanders, Gracie May, Ava May, Gabriella Freeman, Aron Paramor, Mandy Holliday, John Paton, Graham Bohea, Daniel Lusardi, Ian McLarnon, Phill Woodfine, Toby Hefferman, Charlotte Child, Kira Woolman, Helen Slaymaker, Jess Murphy, Adam Roach
  • Inhalt
  • Lange Zeit verbrachte der unschuldige Benjamin Barker in einem Gefängnis. Einst wollte er das Leben mit seiner wunderschönen Frau genießen. Doch der eifersüchtige Richter Turpin setzte dem zielstrebigen Vorhaben einen Riegel vor und verbannte ihn ans andere Ende der Welt. 15 Jahre später kehrt Benjamin, der sich ab sofort Sweeney Todd nennt, wieder nach London zurück. Aus dem Kerker geflohen, möchte er die einst Auserwählte, und seine inzwischen fast erwachsene Tochter, wieder in die Arme schließen können. Außerdem plant er für das erlittene Schicksal eine Gerechtigkeit, und schwört darauf hin dem Richter ewige Rache. Angekommen erfährt er von Mrs. Nellie Lovett, einer etwas seltsamen Ladenbesitzerin, dass Turpin die Geliebte des öfteren missbraucht hatte. Diese kam mit ihrer aussichtslosen Situation nicht zurecht und nahm sich das Leben. Benjamins Mädchen lebt seitdem als Gefangene in Turpins großzügiger Behausung. Von den Neuheiten sichtlich geschockt nistet sich Sweeney über Nellies Geschäft als Frisör ein. Als die Konkurrenz in Form von Signor Adolfo Pirelli von Sweeneys Ankunft erfährt, droht er die wahre Identität zu verraten. Kurzerhand erliegt der eingebildete Adolfo, Sweeney Todds scharfer Klinge. Mrs. Lovett, die mittlerweile zur Verbündete des Rächers avanciert, überlegt wie man die Leiche entsorgen könnte ohne Spuren zu hinterlassen. Dabei würden sich ihre Fleischpasteten förmlich aufdrängen. Nach dieser frischen Zutat erlebt ihr Geschäft einen enormen Anstieg. Ihre Speisen gelten in der Umgebung plötzlich als Delikatesse. Währenddessen die berühmte Köchin über eine gemeinsame Zukunft träumt, plant der Barbier die Fortsetzung seiner blutigen Rache.

  • Filmkritik
  • Tim Burtons SWEENEY TODD - DER TEUFLISCHE BARBIER AUS DER FLEET STREET, liegt einer Geschichte zugrunde, die bereits vor mehr als 150 Jahren geschrieben wurde. Das daraus entstandene Bühnenstück wurde durch Stephen Sondheim musikalisch erfolgreich umgesetzt. Es handelt von einem, durch Rache getriebenen Menschen, der letztendlich an seiner Unerbittlichkeit zerbricht. Ein Mann, der durch den erlittenen Schicksalsschlag aus geregelten Bahnen springt und dem Wahnsinn erliegt. Die Unternehmer dieser Projektion geraten förmlich ins Schwärmen, wenn sie vom grandiosen Score und über die innersten Triebe des Charakters sprechen. Diese beiden Komponente in einem Film gepaart, ergäbe eine explosive Mischung die eine ungeheure Dynamik erzeugt, so Produzent Walter Parkes. Viele glauben noch heute das es SWEENEY TODD tatsächlich gegeben, und er im 18. Jahrhundert 160 Morde auf den Gewissen hat. Aber generell geht man von einer fiktiven Geschichte aus, die vom Autor Thomas Peckett Prest im Jahre 1846 geschrieben wurde. Regisseur Tim Burton gesteht in einem Interview das er Musicals eigentlich gar nicht mag. Jedoch hier war er sofort begeistert als er eine Vorführung in London besuchte. Dabei war ihm der Komponist völlig fremd. Allerdings fand er das Plakat cool, und der Inhalt las sich wie ein alter Horrorfilm. Diese Geschichte interessierte den Regisseur, und war nach der gesehenen Vorstellung regelrecht angetan. Nur kurze Zeit später sah Tim Burton dieses Bühnenwerk ein zweites Mal.

    SWEENEY TODD, der Kinofilm, taucht mit allem was er stilistisch zu bieten hat in eine typische Burton Welt ein. Bunt ist meist “ Fehlanzeige “; alle Grauschattierungen werden zum optischen Highlight. Dabei ist fast jede Einstellung ein Gemälde wert. Tim Burton führt zum wiederholten Male vor, was er am besten kann. Er ist ein Meister des Surrealen, ein Zurschausteller skurriler Phantasien. Seine düsteren Improvisationen und die Vorstellung, wie ein Film seiner Etikette optisch wirken soll, wird den Liebhaber, Burtons letzterer Werke, erneut in Begeisterung schwelgen lassen. Visuell stellt SWEENEY TODD ein Erlebnis besonderen Ausmaßes dar. Schaudernd wird der Besucher ein Zeuge makabrer Spielchen des Regisseurs, der mit seinem zynischen und sehr finsteren Humor, all seiner Traditionen treu bleibt.

    Zur Seite stehen ihm, wie nicht anders zu erwarten, die Gemahlin im wahren Leben, Helena Bonham Carter und sein Lieblingsschauspieler Johnny Depp. Sie verkörpern die Hauptcharaktere SWEENEY TODD / Benjamin Barker und Mrs. Lovett auf genüsslich höchstem Niveau. Durch die vollkommene Chemie, die wie aus Geisterhand die Drei zu umgeben scheint, stellt sich beim Zuseher im Nu eine Symbiose ein. Das Spiel der Darsteller füreinander wirkt ehrlich und vertraut. Beide ergeben, sowohl darstellerisch als auch für das Auge, schlichtweg das Optimum. Johnny Depp scheint sich offensichtlich in Burtons seltsamen Wesen zu gefallen. Seiner Performance ist der Spaß, den er dabei zu empfinden scheint, förmlich anzusehen. Natürlich gilt dieses auch für Helena Bonham Carter, die mit ihrem blassen Teint und den pechschwarzen Augen perfekt in Tim Burtons Gesamtkonzept passt. Gerüchten zufolge soll Helena während den Dreharbeiten schwanger gewesen sein. Diese “ anderen Umstände “ waren nicht zu erkennen. Als weiterer Protagonist, im schauspielerischen Bunde, gesellt sich Alan Rickman hinzu der den Bösewicht mit seiner Aura umgibt. Leider sind seine Auftritte, dank des gekürzten Drehbuches, zählbar. Ursprünglich hatte das gesamte Musical eine Lauflänge von 180 Minuten. Leider erschien den Verantwortlichen eine eins zu eins Übersetzung auf die Leinwand als zu lang, weshalb einige Szenen beträchtlich gekürzt, oder gar gestrichen wurden.

    Zum Leidwesen unserer Gehörgänge wurden die Rollen, der Autor neigt hier etwas zur Übertreibung, rein nach dem schauspielerischen Können besetzt. Das gesamte Ensemble schafft es nicht durch ihr gesangliches Talent zu überzeugen. Das gilt insbesondere für Tims Ehegattin. Helenas Kopfstimme ist, sagen wir mal, äußerst gewöhnungsbedürftig, Der Zuseher wird sich des Öfteren die Frage stellen ob jeder gesungene Ton auch wirklich der Richtige war. Eine höhere Benotung muss in dieser Beziehung Johnny Depp gegeben werden. Das kreative Verständnis ist dank seiner Vorgeschichte, schließlich war er auch Musiker, ein wesentlich Besseres. Nicht falsch verstehen, Johnny ist kein begnadeter Sänger. Aber der sonore Ton passt sich seinen zu spielenden Charakter an. Um die eben geschriebenen Zeilen besser verständlich zu machen, würde sich ein Vergleich Tim Curry / Rocky Horror Picture Show anbieten. Currys “ Töne “ sind ebenfalls “ eigenwillig “, aber ein Verzicht seiner gesanglichen Einlagen wäre für das spezielle Musical undenkbar. Ein weiteres Indiz für die schöpferische Schwäche in SWEENEY TODD besteht möglicher Weise auch darin, das Stephen Sondheims Kompositionen und deren Textzeilen, kompliziert sind. Hier dürfen keine Refrains, die ständig wiederholt werden, geträllert werden. Es sind auch keine Ohrwürmer wiederzugeben. Vielmehr müssen gleichzeitig, völlig verschiedene Texte mit unterschiedlichen Melodien, vorgebracht werden. Und mit dieser schweren Aufgabe fühlen sich ungeübte Sänger weitgehend überfordert.

    Fazit:


    SWEENEY TODD - DER TEUFLISCHE BARBIER AUS DER FLEET STREET überzeugt vor allem aus optischer und darstellerischer Sicht. Dazu ein Regisseur, der seiner Linie treu bleibt. Über die gesanglichen Schwächen darf ohne weiteres hinweg gesehen / gehört werden.


  • Wertu
  • Story
    4,0
    Musik:
    4,0
    Unterhaltung:
    4,5
    Anspruch:
    2,5
    Spannung:
    4,0
    Darsteller:
    4,5
    Gesamt:
    4,0
    Verfasst von:
    Richard Lammel

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