Es war einmal alles so wie es sein sollte im Märchenland. Die Waage der Märchen, die das gute Ende eines jeden Geschichte versichert, lag im Gleichgewicht. Die Prinzen fanden ihre Prinzessinnen. Die Bösewichter wurden bestraft. Der Zauberer, Herr über das Schicksal des Märchenlands, beschließt nach Jahren harter Arbeit wieder einmal wohl verdienten Urlaub zu genießen. Seine beiden Gehilfen, der überordentliche Munk und der chaotische Mambo, sollen nun in seiner Abwesenheit die Kontrolle übernehmen. Alles scheint so wie immer zu laufen, bis plötzlich die böse Stiefmutter von (Cinder-)Ella ins Spiel kommt. Mit bombastischer Stimme lässt sie verlautbaren, dass die Regeln sich verändert haben. „Es war k’einmal im Märchenland….“
Es war einmal das cineastische Jahr 2001. Man gedachte der Space Odyssey, durchlebte erneut die düstere Welt Tolkiens und wurde an die skurrile Seite der grimmschen Märchen erinnert. Shrek löste damals als einer der erfolgreichsten Animationsfilme aller Zeiten, der sowohl bei Kritik als auch Publikum sich größter Zustimmung erfreute, eine Welle von Trittbrettfahrern aus. Zwar durfte man auch damals die Idee der Märchenparodie nicht als gänzlich innovativ bezeichnen, jedoch hat das Meisterwerk aus dem Hause DreamWorks dieses Genre auf ein neues Niveau geführt. Nun, 7 Jahre später, läuft der nächste Versuch, die Idee auszubeuten, in den heimischen Kinos an. Als Grundmodell wählten die Drehbuchautoren die Geschichte um Aschenputtel, die unerwartet aus dem Gleichgewicht der Märchen gedrängt wird. Hinzu gesellen sich, neben den vielen modifizierten grimmschen Gestalten, die Figuren des Tellerwäschers, der in die hübsche Ella verliebt ist, und die der Märchenkontrollinstitutsangestellten.
Die Geschichte ist denkbar schnell erzählt: Eine holde Maid, ein tapferer Tellerwäscher, ein dümmlicher und doch gutmütiger Ritter und eine böse Stiefmutter. Das Autorengespann Robert Moreland und Douglas Langdale bauten aus diesen Elementen ein wackliges Gerüst, das bei dem geringsten Windhauch umzufallen droht. Aber da man in diesem Genre in letzter Zeit schon des Öfteren mehr Gehirnschmalz in die Witzfülle steckte als in die Überlegungen an eine vernünftige Geschichte, soll dies Happily N’ever After, so der Originaltitel, nicht vorgehalten werden. Während das jüngere Publikum noch irgendwo mit den witzigen Slapstickeinlage etwas anfangen werden kann, muss die erwachsene Begleitung wohl gezielt nach den wenig verstreuten, interessanten Ideen Ausschau halten. Nur wenige kleine Details, wie etwa die sehr sympathisch gezeichneten Kampfzwerge mit einem Anführer, dessen Stimme in der deutschen Synchronisation dem Actiongenreliebenden sehr bekannt vorkommen wird, können die langen 87 Minuten wahrlich verkürzen. Die meisten Witze wirken leider schon bekannt und ein erfahrener Kinogänger kann die Pointe weit früher erahnen.
Die Produktionsfirma, BAF Berlin Animation Film, konnte mit Happily N’ever After ihren ersten Spielfilmauftrag an Land ziehen. BAF Berlin Animation Film, welche sehr stark im Kinderprogramm des deutschen Fernsehens vertreten ist, hat somit den ersten Schritt in die Welt der Big-Players des Animationsgenre betätigt. Doch leider können die Animationen nur bedingt begeistern. Während die Close-Ups zwar recht glatt wirken, jedoch dennoch von einer recht guten Animationsqualität zeugen, schmerzen besonders die Totalen und Halbtotalen, in welchen die gänzliche Irrealität dem Zuschauer vor die Nase gehalten wird.
Fazit:
Ein Jahr zuvor zeigte uns Hoodwinked, dass auch ein Low-Budget-Animationsfilm mit ausgefallenen Ideen im Genre durchaus überleben kann. Es war k’einmal im Märchenland kann mit seinen ausgelaugten Einlagen jedoch nur selten überzeugen.
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