Mit DAS WAISENHAUS bringt der spanische Regisseur Juan Antonio Bayona sein Spielfilm Debüt in unsere Kinos. Dabei setzt der Neuling auf alte Traditionen und unterstützt sein Szenario mit einem grandiosen Tonschnitt. Für ihn scheint es von enormer Wichtigkeit keine teuren Spezial Effekte zu verwenden, sondern legt seine Priorität auf Atmosphäre. Sein Timing für Spannung und der auflebenden Musik passt perfekt. Der Zuseher durchlebt eine Achterbahnfahrt und wird mehrmals beim sich Erschrecken erwischt. Juan lässt seine Charaktere durch dezent beleuchtete Gänge wandeln und tunkt gut gewählte Szenen in ein sattes Braun. Parallelen im Stil zum mexikanischen Kultregisseur Guillermo Del Toro sind kein Zufall. Schließlich ist Guillermo bei diesen Projekt als ausführender Produzent tätig. Der Film, insbesondere das Finale, erinnert an ein düsteres Märchen. Eines aus europäischer Schule und für Erwachsene gedacht. DAS WAISENHAUS lebt insgesamt von einer seriösen Geschichte die in jedem Moment interessant und lebendig gehalten wird.
Dass die Darsteller in unseren Graden nicht sonderlich bekannt sind, soll nicht gleichzeitig bedeuten dass sie qualitativ unter den Hollywoodstars anzusiedeln sind. Mit Nichten; vor allem die Rolle der Laura wird von Belèn Rueda aufopferungsvoll verkörpert. Einige von uns erinnern sich möglicher Weise noch an das Drama DAS MEER IN MIR, in dem Belèn neben Javier Bardem den weiblichen Hauptpart spielt. In dieser Produktion hinterlässt die talentierte Spanierin abermals ihre Visitenkarte. Aber auch das restliche Cast darf sich durchgängig gute Rezensionen abholen und passen sich somit dem Niveau des Gesamten nahtlos an.
Zu den weiteren positiven Aspekte zählen neben den bereits erwähnten Skript, dem aufgeweckten Regisseur und den feinsinnigen Tontechniker, auch Komponist Fernando Velàzquez, der mit seinem orchestralen Sound enorm zur schaurigen Stimmung beiträgt. Dem Cutter obliegt ein besonderes Talent. Heutzutage erkennt der geübte Kinogänger wann sich eine Schocksequenz anbietet, und ersehnt sie. Somit erschreckt sich jener Besucher nicht mehr, wenn dieser erwartete Zustand auch genau dann eintritt. Nicht so bei diesem Film. Hier verläuft die Sachlage ganz anders. Hier wird der Besucher derart abgelenkt, dass er den sich anbahnenden Nervenkitzel nicht erkennt, sodass ihm von einer Sekunde auf die Nächste, der Schock in die Glieder fährt. Und wähnt sich der selbe bereits wieder in Sicherheit folgt der nächste Anschlag auf das Nervenkostüm. Unter diesen Vorraussetzungen ist eine Gänsehaut garantiert.
Fazit:
Anstatt sich Horrorfratzen aus der Festplatte zu zaubern, versucht es DAS WAISENHAUS mit altbewährten Horror, die ansonsten nur Klassiker dieses Genres bieten. Und was konnte man auf dem einen oder anderen Plakat damaliger Lieblinge lesen ?
Dieser Film ist nichts für schwache Nerven !!!
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