Die finanzielle Lage um den Texaner Llewelyn Moss ist nicht gut bestellt. Daher bricht er des öfteren auf um Antilopen zu jagen. Minutiös liegt er auf der Lauer um sich sein Abendmahl zu schießen. Eine große Herde weidet vor ihm, doch die Distanz ist fast zu groß. Trotzdem versucht er mit einem gezielten Schuss eines der Tiere zu erwischen. Gesagt getan; Llewelyn sieht in sein Zielfernrohr, berechnet den Wind, und schießt. Verdammt, ein Tier wurde zwar verletzt, humpelt aber mit der gesamten Herde davon. Die Blutspuren weisen ihm den Weg. Der Cowboy lässt seinen Truck zurück und macht sich auf die Suche nach dem angeschossenen Tier. Er dringt dadurch tief in die karge Landschaft ein. Doch anstatt seiner Nahrung findet er einige Trucks die sich mitten der verlassenen Steppe befinden. Rund um diese Autos liegen Leichen die offensichtlich einem Kugelhagel erlegen sind. Llewelyn durchsucht das gesamte Gebiet und findet außer Säckeweise Drogen eine Tasche voller 100 Dollar Scheine. Da es scheinbar keine überlebende Zeugen gibt nimmt er das viele Geld an sich. Im zurückgehen bemerkt er dass er einen Mexikaner, der sich in einem der Wägen befindet, übersehen hat. Dieser gibt sich aber als so schwer verletzt zu erkennen dass er für den Cowboy keine Gefahr darstellt. Das blutüberströmte Opfer bittet in seinen letzten Lebensstunden bloß um Wasser. Leider hat der Texaner keines mit und muss deshalb dessen Bitte verwehren. Ohne entdeckt zu werden gelingt es ihm wieder zu seinen Truck zu gelangen. Auf kürzesten Weg tritt er die Heimreise an und versteckt das Geld unter dem Haus. Als Llewelyn mitten in der Nacht erwacht überlegt er, mit einem Kanister Wasser zurück zum Tatort zu fahren, um den Mexikaner das Wasser zu bringen, und möglicher Weise noch an eine weitere Beute zu gelangen. Als er diesmal mit dem Wagen an jenen besagten Ort fährt und sich um den Schwerverletzten kümmern will, bemerkt er, dass er nicht mehr alleine ist. Zwar gelingt es ihm in letzten Moment zu fliehen, jedoch wird er ab sofort von einem berüchtigten Killer Namens Chigurh, der mittlerweile eine blutige Spur hinterlässt, gejagt.
Pulitzer Preisträger Cormac McCarthy vertritt in seiner Profession als Autor die eindringliche Handhabe in dem seine Figuren am Rande der Gesellschaft in die absurdesten Verstrickungen geraten. Diese skurrilen Momente entstehen im speziellen dann wenn erfundene verschrobene Charaktere auf urbane Bewohner des Landes treffen. Diese wissen sich nicht zu verhalten und können kaum mit den Sonderlingen umgehen. Dadurch wird eine Situationskomik mit großen Unterhaltungswert bewirkt. Und wenn solch eine Geschichte für ein Buch funktioniert, dann sollte einer Geburt auf die Kinoleinwand nichts mehr im Wege stehen. Doch wer besitzt die Fähigkeit diesen verrückten Stoff derart umzusetzen, so dass Publikum, Kritiker, und vor allem der Autor selbst, zufrieden gestellt werden ? Wenn man sich die Zeilen so durch den Kopf gehen lässt, dann würde man sofort auf das Brüderpaar Coen kommen, die für eine Geschichte wie diese prädestiniert scheinen. Und die Beiden haben McCarthys romanische Vorlage bereits vor Jahren für sich entdeckt und zeigten sich begeistert diesen Stoff zu verarbeiten. Damit würden sie ihre letzen, einfacheren Filme, vergessen machen und versuchen, wieder an vergangene Höchstleistungen anzuschließen.
NO COUNTRY FOR OLD MEN wurde nach oberflächlicher Betrachtung einer jener Filme, die enorm an früherer Coen Werke wie BLOOD SIMPLE, FARGO oder BARTON FINK erinnert. In seiner direkten Art und der dichten Atmosphäre vollzieht er zu Beginn genau jenen Effekt den der Filminteressierte für sich wünscht. Seine Charaktere sind erbarmungslos, schräg oder von naiver Natur. Nur der Polizist scheint die einzige normale Person im Film zu sein. FARGO lässt grüßen ! Leider verdichten sich im Verlauf einige Zweifel, die NO COUNTRY FOR OLD MEN wieder von seinen Lorbeeren holen. Die Kraft der ersten Stunde geht in weiterer Folge verloren und bestimmte Sequenzen beginnen sich zu wiederholen. Auch die Geschichte trägt seine Charaktere nicht mehr und wird des weiteren vorhersehbar. Jedes Mal wenn der Killer in die Nähe seiner Opfer kommt, kennt man seinen Ausgang. Unter diesem Aspekt wird nach Schema F agiert und etwas Überraschendes ist hier fehl am Platz. Die zu zeigenden Höhepunkte wurden falsch platziert so dass ein eigentliches Finale nicht mehr stattfindet. Die Filmemacher haben im Gesamten in so manchen Anweisungen kein glückliches Händchen für ihr neuestes Projekt gefunden. Dadurch wirkt ihr Neugeborenes stellenweise unrund und nicht optimal durchdacht. Natürlich sollte erwähnt werden dass es sich hier um Kritiken im hohen Niveau handeln, denn trotz seiner Schwächen bleibt NO COUNTRY FOR OLD MEN ein Film den es zu sehen lohnt.
Über allen Kritiken, die sich Regisseure, Composer und Drehbuchautoren gefallen lassen müssen, ist das Ensemble erhaben. Sie zählen allesamt zum dicken Pluspunkt des Projektes. Vor allem überzeugt Javier Bardem als Psychopath Anton Chigurh durch seine furcht erregende schauspielerische Perfektion. Mit Schlachtgerät als Mordwaffe zieht er unweigerlich durchs Land um eine Spur der Vernichtung zu hinterlassen. Anstatt mit Worten beweist Javier mit Ausdruck, und einer gewissen Automatik in seiner Bewegung ,seine Fähigkeiten, die bei diversen Festivals nicht unbeachtet bleiben wird. Den Golden Globe für die beste männliche Nebenrolle durfte Javier schon in Besitz nehmen. Aber auch Tommy Lee Jones als Dorfpolizist weiß zu gefallen. Obwohl das Drehbuch keine solch spektakuläre Rolle ihn auf den Leib schrieb, beweist Tommy dennoch ungeheure Präsenz. Auf qualitativ gleichen Ebene gesellen sich Josh Brolin, Woody Harrelson, Kelly Macdonald und Tess Harper hinzu, die ausnahmslos vergnüglich anzusehen sind.
Fazit:
NO COUNTRY FOR OLD MEN ist trotz seiner Schwächen im zweiten Teil ein überdurchschnittlicher Coen Film geworden. Wenn er das fulminante Niveau der ersten Stunde gehalten hätte, wäre er als einer der ganz Großen in die Geschichte eingegangen. So aber bleibt trotz allen positiven Eigenschaften ein leicht bitterer Beigeschmack haften.
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