Nachdem der 22-jährige Christopher seine Ausbildung am College mit Auszeichnung abgeschlossen hat, sucht er seinen eigenen Weg im Leben. Er verachtet die Scheinheiligkeit der Welt, der Gesellschaft, der Eltern. Er will dem ihm vorgegebenen Pfad nicht beschreiten. Er will sich von den Konventionen loslösen, die ihm wie Fesseln angelegt wurden. Doch sein Idealismus wird zunächst von seiner Umgebung nur belächelt. Wie ernst es ihm ist, würden alle erst erfahren, wenn sie die Geschehnisse nicht mehr stoppen könnten. Der Rebell beschließt kurzerhand sich von der Zivilisation abzusetzen, verbrennt sein Geld und macht sich mit dem Allernötigsten auf dem Weg durch Amerika zu der unberührten Natur Alaskas. Auf dem Weg zur Wahrheit, auf dem Weg zum eigenen Ich …
Into The Wild ist die wahre Geschichte über die Sinnsuche von Christopher McCandless, der, so wie in der filmischen Adaption, sein Glück abseits der Gesellschaft zu finden versuchte. Diese Erfahrung wurde von dem Bestsellerautor John Krakauer erforscht und bearbeitet. Krakauer schrieb 1996 den Roman über diesen bemerkenswerten Lebenswandel, den er auf seinem Artikel von 1993 über die Lebensgeschichte von Christopher McCandless basierte. Danach wurde dieses Werk vom renommierten Darsteller Sean Penn geradezu verschlungen. In den letzten 10 Jahren versuchte Penn neben einigen anderen Regisseuren von der Familie McCandless die Rechte zu erlangen, um sein Herzensprojekt zu realisieren.
Sean Penn versammelt eine Riege an außergewöhnlichen Filmschaffenden hinter sich, damit er die philosophische Auseinandersetzung mit dem heutigen Materialismus realisieren könnte. Um den Selbstfindungstrip eine besondere Note zu verleihen, wurde der Kameramann Eric Gautier an das Projekt herangezogen. Dieser konnte schon in Die Reisen des jungen Che eine besondere Wanderung durch ein Land, in der sich die inneren Erfahrungen eines Idealisten widerspiegeln, mit exzellenten Bildern zeigen. Die traumhafte Photografie, die Gautier in Into The Wild liefert, schafft es die inneren Konflikte und Sehnsüchte des jungen Außenseiters in wunderschönen, sensiblen Bildern zu verwirklichen. So diene hier als Beispiel die Szenerie des Aufbruchs: Christopher sitzt ruhend auf dem Felsen vor den sich brechenden Wogen des Meeres, über diesen fliegen die Möwen in das Ungewisse gen Horizont, die untergehende Sonne spiegelt die nur schwerlich zu befriedigende Leidenschaft wider. Sean Penn gibt in solchen Szenen den inneren Geist wieder, der selbst wenn der Körper kraftlos seinen eigenen Grenzen erliegt, sich erhebt und die Gipfel des Olymps zu erklimmen versucht.
Der junge Erich Hirsch kann in diesem Film zum ersten Mal seine besonderen Qualitäten hervorheben. Der 22-Jährige Schauspieler hat zunächst eher in Filmen, wie etwa The Girl Next Door, ein gewisses komödiantisches Talent gezeigt, doch nun wendet er sich den Dramen zu. In dieser Tragödie bietet der junge Mime eine exzellente Darstellung als Christopher McCandless und kann den neuen Lebenszyklus des Rebellen perfekt verinnerlichen. Während der Kameramann Gautier die Seelenzustände des Helden in seinen Bildern dem Zuschauer darlegt, zeigt der junge Schauspieler sehr viel Einfühlungsvermögen in seiner Gestaltung. Den Ernst für sein Gewerbe präsentiert der Jungdarsteller, wenn er als abgemagerter Halbtoter durch die Korridore seiner Szenerie torkelt. Auch der restliche Cast, gebildet aus großen Mimen unserer Zeit wie etwa William Hurt und Vince Vaughn und Laiendarstellern, weiß mit grandiosen Darbietungen, die an den tatsächlichen Personen angelehnt sind, denen McCandless auf seiner Reise begegnet ist, den Film superb abzurunden. Ohne dem Protagonisten die Show zu stehlen, fügen diese Rollen gewisse Kontrapunkte zu der teilweise sehr radikalen, einseitigen Sichtweise der Hauptfigur hinzu.
Fazit:
Sean Penn kreierte in dieser konsumverrückten (Film-)Welt ein Kinoereignis mit Seele. Der Zuschauer kann förmlich das Werk atmen sehen – eine außergewöhnliche Erfahrung in unserer komerziellen Zeit.
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