Mit THE BLUEBERRY NIGHTS zeigt sich Regisseur Wong Kar-Wei zum ersten Mal in Amerika. Zugegebener Maßen greift er bei der Auswahl seiner Crew auf altbewährtes aus Hong Kong zurück. Jedoch wurde mit ausschließlich westlichen Darstellern in einem für ihn bislang fremden Land gedreht. Der Stil des Regisseurs hat sich dadurch aber in keiner Weise geändert. Wong ist der Photograph unter den Filmemacher, denn jedes einzelne Bild besitzt für ihn eine enorme Bedeutung. Zusammengesetzt ergibt es einen Film der von seiner Bildgewalt a la Wong Kar-Wei lebt. Schon nach der ersten Einstellung erkennt der Zuseher, dass er sich in einem typischen Regiefilm befindet. Nicht das die Geschichte zweitrangig wäre, fügt sie sich doch wunderbar in den Rahmen. Jedoch vermag es die ästhetische Bildsprache derart in den Bann zu ziehen, so dass im selben Moment alles andere sekundär erscheint. Wong liebt es zwischen den Schauspielern und der Kamera, in Glasscheiben brechende Lichtspiele zu platzieren. Fast im Stile eines Choreographen benützt er rote und blaue Lichtröhren um seine spezielle Optik zu beleben. MY BLUEBERRY NIGHTS ist der visuelle Augenschmaus, den man von diesem Regisseur gewöhnt ist. Viele östliche Filmschaffende, die den Schritt nach Amerika wagen versagen, weil ihre Philosophie in dieser anderen Filmwelt nicht funktioniert. Sie ist einfach nicht übertragbar. Anders bei Wong Kar-Wei. Seine Stilmittel sind problemlos in jeder Kultur anwendbar. Die Melancholie, die seine Werke einhüllen, lässt den Betrachter mit einem solch wohltuenden Gefühl den Kinosaal verlassen.
“ The Story of a Woman who takes the long route instead of the schort one to meet up with the man she loves. “ ( Wong Kar-Wei )
Für die Hauptrolle wurde eine Person gefunden die weder eine Schauspielschule besuchte, noch jemals in einem Film mitwirkte. Vielmehr ist Norah Jones bislang als Musikerin erfolgreich in Erscheinung getreten. Um so erstaunlicher ist es, dass ihre Unerfahrenheit nicht sichtbar ist. Ihre Natürlichkeit prägt ihren Charakter und ihr Charme verrät ihr sympathisches Wesen. Sie lässt uns an ihrer atmosphärischen Reise teilhaben und bringt uns ihren persönlichen Schmerz auf sensible Weise nahe. Es ist erstaunlich das ihr Filmdebüt, noch dazu ohne jegliche Vorkenntnisse, so professionell von Statten geht. In weiteren Rollen sind Jude Law ( sehr menschlich ), Natalie Portman, Rachel Weisz und David Strathairn zu sehen.
Die bereits weiter oben genannte Melancholie spiegelt sich in der extravaganten Musikauswahl wieder. Wong Kar-Wei ist auch in diesem Metier ein Mann mit innovativen Kunstverständnis. Er reiht Blues, Jazz und Soul geschmackvoll aneinander. Das bedeutet in diesem Fall eine Mixtour aus Norah Jones Stücke, Titel die man aus THE COMMITMENTS kennt und fügt den von Ry Cooder komponierten Score hinzu. Leider wird so manches Lied einmal zuviel angespielt. Aber diese Begleiterscheinung kennen wir bereits aus anderen Wong Kar-Wei Werke.
Fazit:
Schon der Titel MY BLUEBERRY NIGHTS verrät, dass sowohl inhaltlich als auch stilistisch, was den Kinobesucher erwartet. Nämlich einen schlichtweg eindrucksvollen Film, der von Sehnsüchten, von Leid und Schmerz, ja einfach vom Leben erzählt.
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