Der Goldene Kompass

  • Informationen zum Film
  • Der Goldene Kompass

  • Originaltitel:
    The Golden Compass
    Genre:
    Abenteuer, Familie, Fantasy
    Produktionsländer:
    USA, UK
    Produktionsjahr:
    2007
    Kinostart Deutschland:
    06.12.2007
    Kinostart USA:
    07.12.2007
  • Cast & Crew
  • Regie:
    Chris Weitz
    Drehbuch:
    Philip Pullman, Chris Weitz
    Musik:
    Alexandre Desplat
    Darsteller:
    Jack Shepherd, Kathy Bates, Sam Elliott, Christopher Lee, Daniel Craig, Kristin Scott Thomas, Derek Jacobi, Nicole Kidman, Michael Antoniou, Ian McKellen, Ian McShane, Jim Carter, Jody Halse, Freddie Highmore, John Franklyn-Robbins, Eva Green, John Bett, Tom Courtenay, Chris Weitz, Clare Higgins, Simon McBurney, Magda Szubanski, Edward de Souza, Steven Loton, Dakota Blue Richards, Ben Walker, Charlie Rowe, Mark Mottram, Paul Antony-Barber, Jason Watkins, Hattie Morahan
  • Inhalt
  • Es gibt unendlich viele verschiedene Parallelwelten. Da wären solche wie die unsere, in der unsere Seele von dem Körper gefangen genommen wurde, aber auch solche wie jene, in der die Seelen als veränderliche Tiergestalten, die Dämonen, neben den Menschen die Welt bewandern. Jene ist der Schauplatz unserer Geschichte. Lyra ist ein aufgewecktes Waisenkind, das in der männlich dominierten Welt des Jordan College in Oxford lebt. Ihre einzige wirkliche Bezugsperson ist ihr Onkel Asriel, der aber zu ihrem eigenen Schutz einen sehr strengen Ton auflegt. Nachdem ihr forschender Onkel wegen des verloren geglaubten, mystischen Staubes hoch in die nordischen Lande gereist ist, ist Lyra Feuer und Flamme ihm zu folgen, doch niemand will sie lassen. Erst als die hoch angesehene und bezaubernde Marisa Coulter, ein Mitglied des herrschenden Magisteriums, bereitwillig die kleine Wilde unter ihre Fittiche nimmt, ist dem Kind erlaubt, ihr Refugium hinter sich zu lassen. Vor ihrer Abreise wird ihr aber noch von dem ältlichen Direktor der letzte Alethiometer, ein Instrument mit dem man die Wahrheit erfahren kann, mit den Worten „Zeige es keiner Seele!“ mitgegeben. Nun beginnt für die rothaarige Ungezähmte ein Abenteuer voller Hexen, Eisbären und einem goldenen Kompass als Begleiter…
  • Filmkritik
  • His Dark Materials ist einer der best verkauften Fantasy-Reihen der 90er und des frühen neuen Jahrtausends. Der Autor der Reihe, Phillip Pullman, kreiert ein neues Universum, das sich philosophisch mit der Religion, der Wissenschaft und der menschlichen Natur auseinandersetzt. Als Gegentrilogie zu der Narnia-Reihe von C. S. Lewis warf Pullmann ein sehr scharfen und kritischen Blick auf die autoritäre klerikale Welt, der besonders in dem abschließenden dritten Band spürbar ist, und heimste bei Erscheinen neben der äußerst positiven Resonanz sehr scharfe Kritik von der religiösen Front ein. Chris Weitz, der mit seinem Bruder die sehr erfolgreiche American Pie-Reihe einleitete, war Feuer und Flamme, den viel gelesenen Stoff zu verfilmen und ein britisch-amerikanisches Pendant zu dem neuseeländischen Meilenstein des Fantasy-Genres, Lord of the Rings, zu schaffen.

    Die Weitz-Gebrüder wurden schon für ihre Arbeit an der Nick-Hornby-Adaption von About a Boy: oder der Tag der toten Ente von der Kritik sehr gelobt. Ihr Drehbuch konnte genau die essentielle Kraft des Vorbildes einfangen. Doch der Versuch, diese epische Geschichte des Buches Northern Lights, so der britische Originaltitel, auf die große Leinwand zu bannen, gelang Chris Weitz schon im Drehbuch nur mäßig. Statt eines großen Handlungsbogens, der sich langsam zu einem gewissen Höhepunkt entwickelt, findet der Zuschauer eine episodische Aneinanderreihung von kurzen Handlungen vor. Aber eben diese epische Erzählstruktur der Vorlage ist eine der positiven Eigenschaften, die diese gigantische Welt kreiert. Trotzdem sind besonders das interessante Universum und die Ideen von Pullman noch fragmentarisch in der Adaption erhalten geblieben. So bleibt der Film teilweise noch eine interessante Parabel über Macht und Freiheit. Zu diesen großen Ideen, die sich in diesem Werk verstecken, lassen sich stets eindringliche Parallelen zu unserer eigenen Vergangenheit, aber auch der heutigen Welt finden.

    Die zweite Schwäche des Drehbuches ist der extreme Fokus auf Lyra, dem die anderen Figuren zum Opfer fallen. Zwar hält sich hierbei die Adaption sehr stark an seine Vorlage, aber kann dieses Erwachen der Jugend nicht so deutlich wie einst die Vorlage zeigen. The Golden Compass konzentriert sich sehr stark auf die Kinderdarstellerin Dakota Blue Richards, die auch die Gefühlswelt von Lyra authentisch wiedergeben kann. Jedoch kann man die gewünschte Entwicklung von den Stadien „unschuldiges Kind“, „rebellischer Jugendlicher“ und „aufgeklärter Erwachsener“ nicht mitverfolgen. Viel mehr wirkt Richards durch ihre zerzauste, feurige Frisur und ihren leidenschaftlichen, dunklen Augen stets wie der nach der Wahrheit suchende Rebell. Unverzeihlicher ist jedoch die Gefangennahme der namhaften Schauspieler. Alle, egal ob Nicole Kidman, Daniel Craig oder auch Christopher Lee, der sich höchstens zwei Minuten auf der Leinwand bewegen darf, streben nach einer gewissen Entfaltung ihrer Figur, welche ihnen aber aufgrund der sehr begrenzten Anzahl ihrer Leinwandauftritte verwehrt bleibt. Nur sehr wenige wie etwa Sam Elliot als klassischer Westernarchetyp können einen famosen Auftritt in ihren wenigen Szenen vollbringen.

    Regisseur Chris Weitz komponiert sowohl schöne als auch düstere Bilder, die sich zwar sehr stark an die Norm halten, aber trotzdem unterhalten können. Leider stellt er sich dabei und auch teilweise die finanziellen Begrenzungen ihm in verschiedenen Hinsichten ein Bein. Seine Schnittwahl kann als wirr aufgefasst werden. Denn manchmal schafft der Regisseur einen dynamischen Szenenaufbau, dem er aber durch einen gewaltsamen Schnitt nicht nur jegliche Energie raubt, sondern sogar manchmal ins Negative zieht. Denn wenn beispielsweise er zunächst mit einem längeren Schwenk versucht, diese Welt mit der Kamera aufzufangen, und plötzlich mit einen Gegenschwenk den Zuschauer komplett aus dem Filmfluss reißt, kann die oben genannte Dynamik sogar zu einer Disharmonie führen. Seine weitere bildnerische Gestaltung und künstlerischer Spielraum sind sehr abhängig von den Dämonen und anderen großen Special Effect-Shots. Der Großteil der Tierwelt ist aus den Rechnern entnommen, und so wirkt er leider auch. Auch die verschiedenen, äußerst fantasiereichen Hintergründe wollen nicht mit den vor dem Bluescreen agierenden Schauspieler verschmelzen. Im Gegenzug können die sehr schönen Kostüme, die einen edlen Flair der 30er mitbringen, und die groß angelegte Ausstattung dem Publikum viele gelungene Schauwerte liefern.

    Fazit:
    Der Vergleich mit Herr der Ringe schadet mehr als, dass er hilft. Immer mit dem großen Opus unserer letzten Jahre im Kopf kann man sich an das Werk nur mäßig erfreuen. Doch ohne dieses Gespenst darf der Zuschauer gute Fantasykost mit politischem Hintergrund genießen.
  • Wertu
  • Story
    3,0
    Musik:
    3,5
    Unterhaltung:
    3,5
    Anspruch:
    2,5
    Spannung:
    3,0
    Darsteller:
    3,0
    Gesamt:
    3,0
    Verfasst von:
    Sebastian Klausner

Kommentare

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Userkritiken

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Es ist eines, einem Film ein offenes Ende zu verpassen. Im Falle von "Der Goldene Kompass" geht das allerdings noch einen Schritt weiter. Der Film basiert auf einer dreiteiligen Romansaga und hätte wohl nach "Der Herr der Ringe" das nächste Fantasy-Epos von New Line Cinema werden sollen. Die Einspielergebnisse vor allem in Amerika waren allerdings ernüchternd - zwar wurde der Film nicht zum Flop aber ein Erfolg sieht anders aus. Darin ist wohl der Grund zu suchen, warum der Film keine Fortsetzung bekommen hat, was zu einem gewissen Grad auch dem hier vorliegenden Film schadet. Viele Handlungselemente werden schlicht und ergreifend nicht zu einem Ende geführt - das geht so weit, dass am Ende nur von der einen Gruppe gesagt wird "Wir werden XY töten" und von der anderen "Wir werden XY beschützen" - Ende! Dass man diesen Kampf als Zuschauer gerne noch gesehen hätte und der Film wirkt, als hätte man 30 Minuten vor Filmende einfach den Stecker gezogen ist durchaus nachvollziehbar, durch den mangelhaften Erfolg und die (wohl geplanten aber letztendlich nicht realisierten) Sequels zu erklären.

Allerdings hat "Der Goldene Kompass" trotzdem sein Highlight in Form einer groß angelegten Kampfszene. Die Fights des Films wurden generell aufwändig und bildgewaltig inszeniert und machen einen mitreißenden Eindruck auf die Zuschauer. Die Schauspieler - vor allem die junge Hauptdarstellerin in ihrem Leinwand-Debut - machen einen durchaus guten Eindruck, auch Stars wie Nichole Kidman und Daniel Craig hat der Film zu bieten. Deren Rollen verkommen allerdings oft nur zu kurzen Cameos was ebenfalls daran liegen könnte, dass ihre Charakterisierung in späteren Teilen intensiviert hätte werden sollen. Generell machen viele Elemente des Films - sowohl solche die Charaktere als auch solche die Handlung an sich betreffend - den Eindruck, nur schnell abgehandelt bzw. für spätere Zwecke aufgebaut worden zu sein. Über viele Szenen und Elemente hastet sich der Film drüber, wohl im Interesse daran, seine Geschichte mit einer Laufzeit von unter 2 Stunden zu Ende zu bringen. Bei einer Trilogie mit je ca. 3 Stunden pro Film hätten viele Elemente sicherlich noch ausgebaut werden können, wenngleich die Frage offen bleibt, ob die Geschichte das Potential hätte, ihr Publikum über eben jene Laufzeit auch zu fesseln.

Ein weiteres Beispiel für wichtige aber ungeklärte Story-Aspekte sind die Dämonen. Wird der Dämon entfernt, ist die jeweilige Person schwach und krank. Stirbt die Person, verschwindet auch der Dämon. Warum wird nur im Ansatz geklärt, man bekommt den Eindruck, dass es über dieses Thema noch viel mehr zu sagen gäbe. Aber, das größte Problem ist folgendes: Dämonen können ihre Form verändern - so ist der Dämon unserer Hauptdarstellerin mal Vogel, mal Katze, mal Marder. Warum verwandelt sich der insbesondere in Gefahrensituationen nicht in etwas Cooles? Lyra wird von unzähligen Bösewichtern attackiert und der Dämon verwandelt sich in eine Maus. Warum? Warum verwandelt er sich nicht in einen Löwen, einen Dinosaurier oder zumindest eine große Schildkröte, um sein Frauchen zumindest beschützen zu können. Eine Erklärung dafür wird es wohl geben, aber der Film bietet diese nicht.

Visuell ist "Der Goldene Kompass" allerdings beeindruckend. Die Special Effects wirken hervorragend, die Sets machen einen futuristischen und stilistisch ansprechenden Eindruck. Auch die Inszenierung des Films und die musikalische Untermalung sind gelungen. Die Schauspieler leisten durchweg gute Arbeit, wenngleich vor allem die Stars etwas mehr Zeit auf der Leinwand sicherlich vertragen hätten. Als Film ist "Der Goldene Kompass" somit sicherlich sehenswert - wie so oft liegt es bei dieser Produktion am Drehbuch bzw. an der Umsetzung der an sich interessanten Geschichte, warum man insgesamt nur von einem durchschnittlichen Film sprechen kann.

Hervorragende Effekte und viele interessante Elemente - allerdings wirkt die Story unvollständig und unausgegoren, was den Film über weite Strecken langweilig erscheinen lässt und vor allem für ein enttäuschendes Ende sorgt.

geschrieben am 25.07.2011 um 00:59

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ø Wertung: 6,5/10 | Wertungen: 8 | Kritiken: 1