Es ist eines, einem Film ein offenes Ende zu verpassen. Im Falle von "Der Goldene Kompass" geht das allerdings noch einen Schritt weiter. Der Film basiert auf einer dreiteiligen Romansaga und hätte wohl nach "Der Herr der Ringe" das nächste Fantasy-Epos von New Line Cinema werden sollen. Die Einspielergebnisse vor allem in Amerika waren allerdings ernüchternd - zwar wurde der Film nicht zum Flop aber ein Erfolg sieht anders aus. Darin ist wohl der Grund zu suchen, warum der Film keine Fortsetzung bekommen hat, was zu einem gewissen Grad auch dem hier vorliegenden Film schadet. Viele Handlungselemente werden schlicht und ergreifend nicht zu einem Ende geführt - das geht so weit, dass am Ende nur von der einen Gruppe gesagt wird "Wir werden XY töten" und von der anderen "Wir werden XY beschützen" - Ende! Dass man diesen Kampf als Zuschauer gerne noch gesehen hätte und der Film wirkt, als hätte man 30 Minuten vor Filmende einfach den Stecker gezogen ist durchaus nachvollziehbar, durch den mangelhaften Erfolg und die (wohl geplanten aber letztendlich nicht realisierten) Sequels zu erklären.
Allerdings hat "Der Goldene Kompass" trotzdem sein Highlight in Form einer groß angelegten Kampfszene. Die Fights des Films wurden generell aufwändig und bildgewaltig inszeniert und machen einen mitreißenden Eindruck auf die Zuschauer. Die Schauspieler - vor allem die junge Hauptdarstellerin in ihrem Leinwand-Debut - machen einen durchaus guten Eindruck, auch Stars wie Nichole Kidman und Daniel Craig hat der Film zu bieten. Deren Rollen verkommen allerdings oft nur zu kurzen Cameos was ebenfalls daran liegen könnte, dass ihre Charakterisierung in späteren Teilen intensiviert hätte werden sollen. Generell machen viele Elemente des Films - sowohl solche die Charaktere als auch solche die Handlung an sich betreffend - den Eindruck, nur schnell abgehandelt bzw. für spätere Zwecke aufgebaut worden zu sein. Über viele Szenen und Elemente hastet sich der Film drüber, wohl im Interesse daran, seine Geschichte mit einer Laufzeit von unter 2 Stunden zu Ende zu bringen. Bei einer Trilogie mit je ca. 3 Stunden pro Film hätten viele Elemente sicherlich noch ausgebaut werden können, wenngleich die Frage offen bleibt, ob die Geschichte das Potential hätte, ihr Publikum über eben jene Laufzeit auch zu fesseln.
Ein weiteres Beispiel für wichtige aber ungeklärte Story-Aspekte sind die Dämonen. Wird der Dämon entfernt, ist die jeweilige Person schwach und krank. Stirbt die Person, verschwindet auch der Dämon. Warum wird nur im Ansatz geklärt, man bekommt den Eindruck, dass es über dieses Thema noch viel mehr zu sagen gäbe. Aber, das größte Problem ist folgendes: Dämonen können ihre Form verändern - so ist der Dämon unserer Hauptdarstellerin mal Vogel, mal Katze, mal Marder. Warum verwandelt sich der insbesondere in Gefahrensituationen nicht in etwas Cooles? Lyra wird von unzähligen Bösewichtern attackiert und der Dämon verwandelt sich in eine Maus. Warum? Warum verwandelt er sich nicht in einen Löwen, einen Dinosaurier oder zumindest eine große Schildkröte, um sein Frauchen zumindest beschützen zu können. Eine Erklärung dafür wird es wohl geben, aber der Film bietet diese nicht.
Visuell ist "Der Goldene Kompass" allerdings beeindruckend. Die Special Effects wirken hervorragend, die Sets machen einen futuristischen und stilistisch ansprechenden Eindruck. Auch die Inszenierung des Films und die musikalische Untermalung sind gelungen. Die Schauspieler leisten durchweg gute Arbeit, wenngleich vor allem die Stars etwas mehr Zeit auf der Leinwand sicherlich vertragen hätten. Als Film ist "Der Goldene Kompass" somit sicherlich sehenswert - wie so oft liegt es bei dieser Produktion am Drehbuch bzw. an der Umsetzung der an sich interessanten Geschichte, warum man insgesamt nur von einem durchschnittlichen Film sprechen kann.
Hervorragende Effekte und viele interessante Elemente - allerdings wirkt die Story unvollständig und unausgegoren, was den Film über weite Strecken langweilig erscheinen lässt und vor allem für ein enttäuschendes Ende sorgt.
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