TUYAS HOCHZEIT ist ein nüchtern realitätsnaher Film über die Tristesse einer geschiedenen Ehefrau in einer für uns fremden Welt. Er erzählt uns eine Geschichte, die den Leidensweg einer vom Schicksal gebeutelten Existenz in aller Deutlichkeit zeigt. Sie ist ohne Frage eine Kämpfernatur und ihr Dasein benötigt dass sie alle Situationen meistert. Aber ihre Ausweglosigkeit gepaart mit den widrigen Umständen ihres Landes lassen selbst eine Heldin verzweifeln. Auf Tuya prasselt eine unsichtbare Katastrophe herein, die ihr Inneres vom Grund auf mächtig durchrüttelt. Yu Nan, sie verkörpert die Rolle Tuyas, ist in dieser Produktion die einzig professionelle Darstellerin. Der Rest des Ensembles wurde in der direkten Umgebung gefunden. Sie sind allesamt Laien die bloß ihre Begeisterung zur Schauspielerei mit in die Waagschale warfen.
Die bei den Dreharbeiten entstandenen Bilder sind so klar so dass man die eisige Kälte, die in diesem Gebiet dominiert, zur Gänze erkennt. Der Natur und ihrer endlos scheinenden Steppen sind keine Grenzen gesetzt. Die Kamera bezieht die Landschaft mit ihren ausgedehnten Weiten mit gleicher Intension in den Film ein, wie die zu erzählende Geschichte selbst. Regisseur Wang Quan`an erschuf mit TUYAS HOCHZEIT einen Film, den man durchaus als interessant einstufen könnte, aber von der Bezeichnung “ Schön “ sich meilenweit entfernt. Er versteht es nicht eine Atmosphäre aufzubauen um dem Sichtbaren einen Ausdruck zu verleihen. Er erzählt seine Erzählung rational, ohne dabei ein Gefühl mit ins Spiel zu bringen. Keine Frage verfolgt Tuya ein Ziel. Daher darf von einem, größten Teils, optimistischen Werk ausgegangen werden. Auch stellt sich der Film als durchaus rund und seriös heraus. Aber da seine Erzählweide von einfachster Natur ist, kann der Betrachter in keiner Weise von einem erinnerungswerten Werk sprechen. Es fehlt das gewisse Etwas dass einen größeren Zugang ermöglicht.
Natürlich sind der eigenen Phantasie keine Grenzen gesetzt und jede Interpretation ist möglich. Nur sollte dafür keine Zeit verschwendet werden, denn weder Bild noch Ton noch Skript sind es wert sich wesentlich länger damit zu beschäftigen. Als Jury Präsident Paul Shrader zum Abschluss der diesjährigen Berlinale vor das zahlreiche Publikum trat und den Sieger bekannt gab, war die Stimmung geteilter Meinung. Diese Interpretationsvariante hat hier wohl auch gegriffen als TUYAS HOCHZEIT zum Sieger gekürt wurde. Das erhoffte Meisterwerk, und dies war den Anwesenden klar, ist er leider nicht geworden, wenngleich sich Quan`ans Werk zumindest in der Kategorie “ Guter Durchschnitt “ bewegt.
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