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Mathilde - Eine große Liebe

  • Informationen zum Film
  • Mathilde - Eine große Liebe

  • Originaltitel:
    Un long dimanche de fiançailles
    Genre:
    Romanze, Krieg, Mystery, Drama
    Produktionsländer:
    Frankreich, USA
    Produktionsjahr:
    2004
    Kinostart Österreich:
    28.01.2005
    Kinostart Deutschland:
    27.01.2005
  • Inhalt
  • Erster Weltkrieg: An der Front werden fünf Soldaten, darunter Mathildes Verlobter, zum Tode verurteilt weil sie sich durch Selbstverstümmelung dem Wehrdienst entziehen wollten. Sie werden ins Niemandsland geschickt, ein schmaler Landstrich zwischen der deutsch-französischen Front. Inmitten dieses Kampfgebiets, zwischen Bomben, Minen, Stacheldraht und Kugelhagel, sollen sie den baldigen Tod finden...

    Mathilde glaubt fest daran, dass ihr Verlobter noch am Leben ist. Mit tiefster Überzeugung und unglaublicher Sturheit trotzt sie den Regeln der Vernunft und versucht die vermeintlich "letzten" Tage ihres Verlobten wie ein Puzzelspiel zu rekonstruieren, immer mit der Hoffnung letztendlich einen winzigen Hinweis darauf zu finden, dass er noch lebt. Sie forscht seine ehemaligen Kriegskameraden aus, befragt Krankenschwestern, Priester, Witwen und Freudenmädchen. Sie verschafft sich Zugang zum Militärarchiv, beauftragt einen Privatdetektiv und gibt Zeitungsanzeigen auf. In akribischer Detailarbeit setzt sie das Puzzel Stück für Stück zusammen, immer in Gefahr dass ihre fixe Vorstellung am Ende vom realen Gesamtbild abweichen könnte...
  • Filmkritik
  • Die Magie der Bilder -----
    Was ist es, das eine perfekte Lüge funktionieren läßt? Richtig - die Details! Die Details sind das Salz in der Suppe einer Geschichte, eben jenes "letzte Etwas" welches Illusion von Erlebnis trennt. Jean-Pierre Jeunet hat das von Anfang an verstanden, er ist ein Regisseur der seinem Medium alle Ehre macht. Kino ist nun mal in erster Linie ein visuelles Medium. Kino ist Bild, ist sehen, ist anschauen... So gesehen (!) ist eine, Einzelbild für Einzelbild, kunstvoll visualisierte Geschichte die höchstmögliche, ergreifendste und zielgerichteste Ausdruckweise des Mediums schlechthin. Oder verbirgt sich zwischen den Zeilen, respektive den Schnitten des Editors, doch noch etwas das einer bildhungrigen Gemeinde an Filmsüchtigen das audiovisuelle Erlebnis perfektioniert? Nach Ansicht von UN LONG DIMANCHE DE FIANCAILLES erliege ich beinahe der Versuchung die letzte Frage ersatzlos zu streichen und sie zu einem "Es lebe das Kino!" Statement umzuformulieren. Trotz gewohnt hoher Standards (LA CITÉ DES ENFANTS PERUS, LE FABULEUX DESTIN D'AMÉLIE POULAIN) vereint Jean-Pierre Jeunet's neuer Film ein Potpourri an kinematographischen Stilelementen, die scheinbar nahtlos die Stummfilmzeit mit der CGI-Ära verschwimmen lassen und sich in positiver Weise jenseits etwaiger Erwartungshaltungen positionieren. UN LONG DIMANCHE DE FIANCAILLES ist ein Brückenschlag des Möglichen. Jeunet vereint seine dramaturgisch, fragmentarische Erzählweise in einer Bild(!)geschichte, die an Ausdruckskraft und visueller Dynamik klassische Darstellungsparadigmen des Mediums beschwört um gleichzeitg ein Publikum der "neuen Sehgewohnheiten" über alle Zeitgrenzen hinweg zu verzaubern. Hundert Jahre sind ein Tag, exakter formuliert sind es genau 134 Minuten.

    Inhalt und Form -----
    Angesichts dieser eloquenten Erzählweise muß ich alle Distanz aufbringen, um mich auch nur annähernd auf die inhaltliche Ebene des Film konzentrieren zu können. Bei genauerer Betrachtung ist jedoch die Form nicht weit vom Inhalt entfernt. Sind es nicht wieder die geschickt plazierten Details, welche die Figuren des Films letztendlich ausmachen? Ist es nicht Überzeugung, die mich dazu bewegt von der Rezeption meiner eigenen Inhaltsangabe dringend abzuraten, weil sie schlicht wegen ihres Formats (Handlungsnacherzählung) versagt? Wie auch immer, UN LONG DIMANCHE DE FIANCAILLES wird mir wohl immer zwei Schritte voraus bleiben. Oder soll ich jetzt ernsthaft schreiben, dass Audrey Tautou und Gaspard Ulliel einfach grandios waren und ich den Kurzauftritt von Jodie Foster genossen habe? Im Kontext ist das ohnehin eine Selbstverständlichkeit, oder nicht?

    Die fabelhafte Welt des Jean-Pierre Jeunet -----
    Um letztendlich zur Eingangsfrage zurückzukehren... Sind schöne Bilder alles im Kino? Meine Antwort ist ein klares Jein! Nach über zwei Stunden sepiafarbenen Images, die einerseits einen direkten inhaltlichen Bezug ausüben, andererseits den Zuseher im zeitlosen Kinohimmmel schweben lassen, liegt es am Ende doch ganz deutlich an jenen handwerklichen Finessen, die ein Regisseur für sich beanspruchen kann. UN LONG DIMANCHE DE FIANCAILLES ist ein Jean-Pierre Jeunet Film durch und durch, die vordergründig "realen" Kriegsbilder vermischen sich auf spannende Art und Weise mit jener Märchenwelt-Ästhetik, die man aus früheren Jeunet Filmen kennt, verlieren dadurch aber kaum etwas an Intensität und Glaubwürdigkeit. Genauso wie Mathilde, die Hauptfigur des Films, Stück für Stück ein verloren geglaubtes Puzzelspiel zusammenzusetzen versucht, liegt es im Ermessen des Betrachters, die emotionellen Linien des Films zu verbinden. Kalt inszenierte Todesszenarien des Krieges spielen gegen unbeschwerten Alltagshumor, tiefe Gefühlslandschaften werden durch analytische und konsequente Handlungsweisen konterkarriert. Puzzelspiele sind bekanntlich viereckig. Nach ein paar Minuten hat man als Zuseher zwar alle vier Eckpunkte des Szenarios bei sich, wie bei allen guten Puzzelspielen muss man sich jedoch selber zum Gesamtbild vortasten, worin zweifellos der Reiz des "es sich Erarbeitens" liegt, den der Film anbietet. Am Ende der Vorstellung ist UN LONG DIMANCHE DE FIANCAILLES eine Frage, ob man es als Betrachter genauso gut zusammenkriegt wie der grandiose Regisseur...

    Eins steht fest - Kino ist schon was Schönes!
  • Wertungen
  • Story
    4,5
    Musik:
    5,0
    Unterhaltung:
    4,0
    Anspruch:
    5,0
    Spannung:
    3,5
    Darsteller:
    5,0
    Gesamt:
    5,0
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