Die grundsätzliche Geschichte über die ungewöhnliche Beziehung zwischen einer „Kreatur“ – wie sich der Autor liebevoll bezeichnet – von der Erde und einem Wesen vom Mars wurde schon vor über 10 Jahren von dem hoch angesehenen SciFi-Autor David Gerrold verfasst. Erst zu Beginn des neuen Jahrtausends verlängerte der Schöpfer sein eigenes Werk zu einem Roman unter dem Titel „Mein Kind vom Mars“. Diesem nahm sich Regisseur-Newcomer Menno Meyjes an und adaptierte es für die große Leinwand. Wie man sieht ist dies also nicht die autobiografische Erzählung über den Schriftsteller David Gerrold und seinem Adoptivsohn Sean. Es ist vielmehr die Verfilmung eines Romans von David Gerrold, der sich selbst in sein fiktionales Epos schrieb, als er gerade seine Schöpfung kreierte. Genau diese Verdichtung und Verkünstlichung von einem zum nächsten Medium tat der originellen Parabel über das Außenseitertum leider keinen Gefallen. Auf dem Medium Film angelangt enthält sie leider einige Mängel, die sich aus der Assimilierung mit Hollywood ergaben. So scheint der Charakter der guten Freundin, gespielt von Amanda Peet, mit der sich langsam eine Liebesgeschichte ergibt, äußerst künstlich und unnatürlich. Anscheinend wollten die Produzenten dem Publikum nur einen Kuss als Draufgabe präsentieren. Auch die filmische Norm von 110 Minuten scheint dem Film aufgezwungen, wodurch sich unnötige Längen ergeben.
Das Herzstück dieser interessanten Parabel ist die Aussage über die Schafsherden von Menschen und einigen schwarzen Schäfchen, die gegen den Strom zu schwimmen versuchen. Diese Message lässt sich im Film immer wieder und auf verschiedenen Ebenen finden. Zunächst sind die Dialoge äußerst geschickt geschrieben, die stets einem an den Grundgedanken des Films erinnern mögen. Die Zeilen wurden vom Drehbuchautorengespann sorgfältig gewählt, damit der Zuschauer zwar stets die Metapher vor Augen hat, aber nicht von der Realität entrissen wird. Zu dieser Ebene gesellt sich die Visuelle. Regisseur Menno Meyjes trifft mit einigen einfallsreichen Bildern und Spielereien genau den Kern des Romans. Besonders die Gebäude und Welten, in denen die Protagonisten verweilen, spiegeln meist die Unbeugsamkeit und das Herausragen aus der „normalen“ Welt von Seiten beider Hauptfiguren wider. Und wohl die sympathischste Idee des Regisseurs ist die Amazon-Verpackung, in der sich der schüchterne Dennis versteckt – mit der Aufschrift „Fragile – Handle with care!“ geschmückt. Die letzte Ebene scheint sich in der äußerst verspielten und sensiblen Musik zu repräsentieren. Wenn die wunderschöne Ballade von Cat Stevens ertönt, weiß der Zuschauer, dass er den akustischen und assoziativen Höhepunkt erklommen habe. Erinnerungen an der wichtigsten Außenseiterballade der Filmhistorie werden wach.
Nachdem John Cusack in Kings 1408 eine absolut grandiose One-Man-Performance darlegte, hielt er sich in diesem Werk dezent zurück. Auch wenn die Rollen in beiden Filmen grundsätzlich sehr ähnlich wirken, sind sie doch absolut verschieden und erwarten unterschiedliche schauspielerische Herangehensweisen. Während Cusack in dem Horrorwerk des Meisters eher auf Körpereinsatz und auf leichtes Overperforming setzte, rückte er hier eine ruhige und leise Darbietung in den Vordergrund, bei der der Zuschauer alle sensiblen Nuancen seiner Mimik analysieren muss, um die Gefühlswelt des Protagonisten nachzuvollziehen. John Cusack ist nach Zimmer 1408 erneut der Höhepunkt und eine der grundsätzlichen Säulen des Films. Zu der ruhigen Performance des Stars gesellt sich perfekt die Darstellung des Waisenjungen vom Mars. Mit Bobby Coleman gelang den Produzenten ein unerwarteter Glücksgriff. In seiner ersten Hauptrolle wirkt der zehnjährige Nachwuchsdarsteller zunächst etwas kühl, doch bei genauer Betrachtung erkennt man die perfekte Verbindung von Colemans ruhigen, fast schon schreckhaften Spiel zu der Rolle des schüchternen und introvertierten Marsianer. Während diese beiden eindeutig den Film tragen, konnte der restliche bekannte Cast, der für den Film gefunden wurde, nur bedingt überzeugen. Sie schienen eher nur ihren Namen herzuhalten, da die Drehbuchautoren diese Figuren rings um David und Dennis nur als Statisten anlegten.
Fazit:
Eine schöne Parabel über die Außenseiter unserer Gesellschaft, die leider aber an ihrer Länge und einigen Ungereimtheiten im Drehbuch leidet.
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