Robert Zemeckis inszenierte „Die Legende von Beowulf“ in seiner neuen Performance Capture Technologie und sorgt für einen animierten Film, der vor allem in Nahaufnahmen teilweise photorealistisches Niveau erreicht. In den Gesichtern der Charaktere sind Poren, Falten und ähnliches derart detailgetreu und realistisch dargestellt, dass man gelegentlich wirklich vergessen könnte, einen animierten Film zu sehen. Vor allem bei den intensiven Kampf- und Actionszenen können sich die Animationen behaupten, da hier Dinge möglich sind, die in einem Realfilm nicht bzw. nur mit sehr hohem Budget (und auch dann nur mit vergleichbar aufwändigen, digitalen Tricks) möglich gewesen wären.
Mit Ray Winstone, John Malkovich, Anthony Hopkins, Crispin Glover und Angelina Jolie konnten einige sehr bekannte Schauspieler für den Film gewonnen werden, die den animierten Figuren ihre Gesichter, Bewegungen und Stimmen leihen. Dass es sich um einen animierten Film handelt merkt man vor allem in ruhigen Dialogszenen, da die Bewegungen gelegentlich minimal abgehakt wirken und man mangels anderen Schauwerten beginnt, die Animationen genauer zu analysieren. Wo Zemeckis’ Produktionsstil aber wirklich begeistern kann ist in den zahlreichen Actionszenen des Films. Einige davon bieten auch durchaus Härte und im Director’s Cut recht deutliche Blutdarstellung.
Die Musik untermalt das Geschehen pompös und kraftvoll, die Soundeffekte wurden großartig und dynamisch abgemischt. All das trägt zu einer beeindruckenden Soundkulisse bei, die selbst ruhigere Momente des Films gelegentlich genial erscheinen lässt. Trotzdem liegt das Hauptaugenmerk des Films klar auf den Kämpfen, die visuell brillant sind und den Zuschauer unterhalten können. Der Rest der 2 Stunden ist mit teils belanglosen aber teils durchaus sehenswerten Dialogpassagen aufgefüllt, wobei der Film trotzdem zu keiner Zeit langweilig erscheint.
Ob man hier einen „guten“ Film vor sich hat ist trotzdem noch eine Streitfrage. Einige werden sich am Animationsstil stoßen, andere wiederum an der sehr einfachen Story. Wer allerdings mit den richtigen Erwartungen an den Film heran geht – eine visuell und akustisch beeindruckende Achterbahnfahrt – wird sicherlich nicht enttäuscht. Zugegeben, meine Erwartungen an diesen Film waren vor allem nach diversen Erzählungen aus dem Freundeskreis mehr als nur bescheiden, insgesamt konnte mich der Film eben aufgrund seiner visuellen und akustischen Brillanz und den sehr gut inszenierten Actionszenen unterhalten und gelegentlich sogar gebannt auf die Leinwand starren.
Nicht nur wegen der beeindruckenden Tricktechnik sondern auch wegen spannenden und actionreichen Kämpfen sehenswert. Kurze Durchhänger zwischendurch sind zu verzeihen, „Die Legende von Beowulf“ ist einfach eye- und earcandy allerhöchster Güteklasse.
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