Den letzten Filme von Gus Van Sant liegen komplexe Innenwelten vor, die der Regisseur nach und nach auszuleuchten versucht, um somit ein greifbares Bild des Protagonisten und der jeweiligen sozialen Umstände zu erzeugen. Paranoid Park begibt sich erneut auf die Schiene, welche bereits Elephant eingeschlagen hat: Erwachsene spielen in Van Sants Welt keine große Rolle – es sind die Jugendlichen, auf die der Regisseur einmal mehr fokussiert. Doch das mit Spannung erwartete neue Werk des Vorzeige-Independent-Regisseurs mag nicht so recht fesseln:
Van Sants Film heuchelt Komplexität, die im Prinzip nicht vorhanden ist: Durch seine konfuse Erzählweise, in der die Zeitebenen mal sinnvoll, mal willkürlich miteinander vertauscht werden, Szenen, welche bereits zu sehen waren, erneut – angereichert mit dem inzwischen erworbenen Wissen des Zuschauers – gezeigt werden, bläst er einen eigentlich simplen Sachverhalt künstlich auf. Eigentlich ist der Film eine prätentiös langweilige Adoleszenzfabel, in der die typischen Probleme – erste Liebe etc. – zwar angeschnitten werden, aber im Endeffekt wenig nachhaltig wirken. Das liegt sicherlich auch an den unerfahrenen Jungschauspielern, welche von Van Sant über das Internet rekrutiert wurden.
Was Van Sants Film dennoch besonders macht, ist die einerseits durchdachte Kameraführung (von niemand geringerem als Christopher Doyle), welche Skaten mal nicht in Form von wilden Fahrten, sondern von ausdrucksstarken Zeitlupenaufnahmen zu kontemplativer Musik schildert. Gerade die Musikauswahl ist dem Film entweder sehr geglückt, oder eben nicht – je nach Betrachtungsweise: Wenn Alex in der Schule zum Direktor gerufen wird (Szenen, die übrigens frappierende Ähnlichkeiten mit denen aus Elephant aufweisen), und dazu „I can Help“ von Billy Swan läuft, ist das entweder sarkastisch oder platt – oder irgendwas dazwischen. Oder wenn sich die Filmmusik vor allem gen Schluss als „Best-Of Nino Rota“ präsentiert. Wie alles am Film mag man es, oder verabscheut es.
Fazit: Nicht „hui“ und nicht „pfui“ – Van Sants neuer Film kann durchaus viel auf der „haben“-Seite verbuchen. Auf der anderen Seite fehlt es aber an mindestens genau so viel spürbarer Emotion. Berührend ist nur das schockierende, weil unerwartete Bild des zweigeteilten Opfers. Paranoid Park kratzt nur an Oberflächen und verwehrt einen tieferen Zugang. Und trotz seiner 86 Minuten Kürze eigentlich noch mal 20 Minuten zu lang. Wer auf die bisherigen Werke des Regisseurs steht, bekommt mit diesem Film einmal mehr ein Beweis für Gus Van Sants Talente – oder umgekehrt Unfähigkeit.
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