James Bond 007 - Moonraker - Streng geheim

  • Informationen zum Film
  • James Bond 007 - Moonraker - Streng geheim

  • Originaltitel:
    Moonraker
    Genre:
    Action, Thriller, Sci-Fi, Abenteuer
    Produktionsländer:
    Frankreich, UK
    Produktionsjahr:
    1979
    Kinostart Österreich:
    31.08.1979
    Kinostart USA:
    29.06.1979
  • Inhalt
  • Der von Drax Industries hergestellte Moonraker, eine Raumfähre ähnlich dem Space Shuttle, ist scheinbar unter ungeklärten Umständen abgestürzt. Das Transportflugzeug vom Typ Boeing 747 ist plötzlich von den Radarschirmen verschwunden, jedweder Kontakt mit den Piloten abgerissen. Weiters ist beunruhigend, dass sich an der Absturzstelle keine Spuren des Moonrakers unter den Wrackteilen befinden. Eine speziell peinliche Situation für die britische Regierung, sollte sie doch die Sicherheit dieses Transportflugs gewährleisten. MI6 entsendet daraufhin James Bond (Roger Moore) um schnellstmöglich den Verbleib der Raumfähre zu klären. 007 beginnt seine Ermittlungen am Standort der Herstellerfirma in Kalifornien, wo er auf den Großindustriellen Hugo Drax trifft. Während James Bond von Dr. Holly Goodhead (Lois Chiles) durch den Betrieb geführt wird, entgeht er nur mit knapper Not dem ersten Mordanschlag. Weitere von Hugo Drax geplante Mordversuche scheitern, 007 kann mit Fotos von geheimen Konstruktionsplänen vom Anwesen des Schurken entkommen. Die Spur führt ihn zu einem versteckten Labor in Venedig wo Drax offenbar tödliches Nervengas in globusartige Objekte abfüllen lässt. Wieder trifft er auf Dr. Holly Goodhead, die von 007 mit Scharfsinn und Charme als CIA-Agentin enttarnt wird. Das geheime Labor ist längst verlegt worden als James Bond dort mit Verstärkung auftaucht, Drax hat die sensible Ware längst nach Brasilien verfrachten lassen und den Killer Jaws (Richard Kiel) auf das Agentenduo angesetzt. Während sich James Bond und Holly Goodhead ein tödliches Gefecht nach dem anderen mit Jaws (in der dt. Fassung "Beißer") liefern, macht sich Hugo Drax dazu bereit seine Raumstation in Betrieb zu nehmen und die gesamte Menschheit zu vernichten...
  • Filmkritik
  • Spirit in the Sky -----
    Dem Abspann von THE SPY WHO LOVED ME zufolge hätte eigentlich FOR YOUR EYES ONLY das nächste James Bond Abenteuer werden sollen. Doch angesichts der immensen Popularität, welches das Science Fiction Genre in der Zeit kurz nach STAR WARS - A NEW HOPE (Krieg der Sterne, 1977) genoss, entschied sich Produzent Albert R. Broccoli die Gunst der Stunde für MOONRAKER zu nutzen. Drehbuchautor Christopher Wood machte sich daran Ian Flemings Romanvorlage für die Leinwand zu adaptieren. Doch bald wurde klar, dass die Geschichte des Romans beiweitem nicht dazu geeignet war jenes Riesenspektakel zu inszenieren, welches die Filmemacher anstrebten. So wurde kurzerhand die gesamte Fleming Story über Bord geworfen und eine völlig neue Handlung konstruiert, die nicht mal mehr rudimentäre Ähnlichkeiten mit dem Roman aufweist. Übrigens ein Aspekt, den Kritiker wie z. B. Leonard Maltin auch an der Zeichnung der Hauptfigur bemängeln. Wie auch immer, MOONRAKER war jedenfalls ein überaus engagiertes Projekt für das Broccoli die bisherige Rekordsumme von $32 Mio. Produktionsbuget aufbot. Einen guten Teil des Monsterbudgets verschlangen die großartigen und wie immer äußerst aufwändig gestalteten Bauten und Kulissen von Ken Adam, der mit MOONRAKER sein letztes Bond Abenteuer bestreiten sollte. Aus steuerlichen Gründen wurde der Film als britisch-französische Koproduktion geführt, weswegen die Filmcrew nach Paris zog und dort sämtliche verfügbaren Filmstudios für Ken Adams pompöse Sets okkupierte. Während dessen wurde in den Pinewood Studios in London die umfangreichen Spezialeffekte hergestellt und gedreht, allen voran natürlich das mächtige Modell der Raumstation. Wieviel Aufwand mit MOONRAKER getrieben wurde zeigt allein schon die Eröffnungsszene des Films, in welcher James Bond ohne Fallschirm aus einem Flugzeug geworfen wird, sich im freien Fall den rettenden Fallschirm des Piloten erkämpft und letztendlich sogar noch einen Kampf mit dem Killer "Jaws" zu überstehen hat bevor er sicher am Boden landet. Für diese kurze Sequenz waren insgesamt 88 Sprünge (!) des professionellen Stuntteams Jake Lombard und B. J. Worth notwendig. Außerdem musste für diese Szenen eine spezielle Helmkamera entwickelt werden, die einerseits tolle Luftaufnahmen garantierte, andererseits jedoch leicht genug war um Kameramann Rande DeLuca beim Öffnen seines Fallschirms nicht das Genick zu brechen. Eigentlich sollte der Filmstart von MOONRAKER mit dem ersten Flug eines US Space Shuttles in den Orbit zusammenfallen, doch letztendlich war James Bond deutlich schneller als die NASA. Aber auch ohne dieser zusätzlichen Publicity wurde MOONRAKER zum mit Abstand größten Hit der gesamten Serie und spielte in der weltweiten Erstauswertung die bislang unerreichte Summe von $210 Mio. ein.

    Science Fact vs. Science Fiction -----
    Es sind vor allem Filme wie die Action-Comedy MOONRAKER, die es für andere Produzenten nahezu unmöglich machen eine funktionable Parodie auf die James Bond Serie zu fabrizieren. Die Serie parodiert sich ganz offensichtlich selbst immer noch am besten, wie die satirisch überzogene Science Fiction Farce MOONRAKER nachhaltig unter Beweis stellt. Genüsslich inszeniert Regisseur Lewis Gilbert seine Hauptfigur als unantastbaren Superhelden, schwelgt in Selbstironie, haarsträubenden Übertreibungen und witzigen Sprüchen. Roger Moore hat sichtlich Spaß daran und bringt den weltklugen Humor des Doppelnullagenten mit Bravour zur Geltung. In dem Punkt ist übrigens die englische Originalfassung des Films höchst empfehlenswert! Das Konzept James Bond persifliert sich durchaus gekonnt selbst, verniedlicht dabei alle ernsthaften Elemente und transformiert die letzten verbleibenden Reste eines Agententhrillers zur schillernden Comedy ohne Anspruch auf Glaubhaftigkeit und Realitätsbezug. Das ist insbesonders deshalb bemerkenswert weil MOONRAKER auf technischer Seite sehr intensiv um Authenzität und Realismus bemüht ist. Produzent Albert R. Broccoli spricht bei der Darstellung der Space Shuttles und der Raumstation von "Science Fact" statt "Science Fiction" und streicht damit die inhärente Divergenz des Films noch deutlicher heraus. Einerseits trachtet man akribisch nach faktischer Korrektheit, andererseits umgibt man diese aber mit einer übertrieben kitschigen, ziemlich gekünstelten und absolut unrealistischen Story, deren zusammenhängende Dramaturgie meistens zugunsten der Situationskomik geopfert wird. Der Handlungsverlauf wird hauptsächlich von einzelnen Situationen diktiert welche sich selbstzweckhaft vor Kontinuität und Integrität stellen und damit die gesamte Erzählweise des Films episodenhaft und gewöhnungsbedürftig erscheinen lassen. Dazu kommt, dass die Story ohnehin nicht sonderlich originell ist. In Essenz ist das MOONRAKER Drehbuch ein ziemlich offensichtlicher Abklatsch von YOU ONLY LIVE TWICE (1967) und THE SPY WHO LOVED ME (1977). Der Bösewicht Hugo Drax verfolgt dieselben Ziele wie Karl Stromberg und sein Kostüm sieht sogar exakt gleich aus wie jenes von Ernst Stavro Blofeld. Da hilft auch Michael Lonsdales köstlich trockene Performance nicht viel, letztendlich bleibt Hugo Drax ein Bond-Bösewicht vom Fließband und MOONRAKER ein kunterbuntes "Best of Bond" welches zwar über weite Strecken unterhalten kann, aber am Ende seinen erheblichen Mängeln an inhaltlicher Eigenständigkeit und erzählerischer Kohärenz zum Opfer fällt. Aber immerhin... als Selbstparodie funktioniert MOONRAKER wenigstens besser als der übel verunglückte DIAMONS ARE FOREVER mit Sean Connery.

    Sein und Schein -----
    Abseits inhaltlicher Aspekte kann man MOONRAKER allerdings einen durchwegs hohen Schauwert attestieren. Die großartigen Originalschauplätze des Films, wie zum Beispiel der Zuckerhut in Rio de Janeiro, die majestätischen Iguaçu-Wasserfälle an der brasilianisch-argentinischen Grenze, oder das ungemein prachtvoll ausgestattete Schloss Vaux-le-Vicomte vermögen durch visuelle Ästhetik mühelos über so manches Loch in der Story hinwegzutäuschen. Immer gelingt das freilich nicht, die aufblasbare Gondola mit der James Bond quer über den Markusplatz in Venedig fährt bleibt trotz historisch beeindruckender Kulisse einfach nur lächerlich. Ähnlich verspielt wirken die Filmzitate, mit denen sich MOONRAKER mehrfach schmückt. Der 5-Ton Code zu Drax' Geheimlabor ist das musikalische Leitmotiv aus Steven Spielbergs CLOSE ENCOUNTERS OF THE THIRD KIND (Unheimliche Begegnung der dritten Art, 1977), Dr. Goodheads Griff nach dem im schwerelosen Raum schwebenden Kugelschreiber ist eine eindeutige Referenz an Stanley Kubricks 2001: A SPACE ODYSSEY (2001 - Odyssee im Weltraum, 1968), ganz genauso wie die ersten drei Töne von Richard Strauss' "Also sprach Zarathustra", welche während der Fasanjagd von einem Horn gespielt werden. All das kann man zwar als verspielt ansehen, ist aber wenigstens noch inhaltlich nachvollziehbar weil primär Filme des gleichen Genres (Sci-Fi) zitiert werden. Genauso verspielt, allerdings weitaus weniger nachvollziehbar sind die Referenzen an CASABLANCA (1942) und THE MAGNIFICENT SEVEN (Die glorreichen Sieben, 1960), beides Filme die in Wirklichkeit überhaupt nichts mit MOONRAKER zu tun haben! Ganz speziell die letztgenannte Referenz macht die offensichtliche Selbstzweckhaftigkeit in MOONRAKER überdeutlich. Zur Musik von John Sturges' Westernklassiker reitet Roger Moore, gekleidet wie Clint Eastwood in einem Sergio Leone Film, zu einem abgelegenen Außenposten welcher "Q" (Desmond Llewelyn) als Versuchslabor dient. Bonds peinlicher Aufzug ist völlig unangebracht und nutzlos, die Szene bleibt isoliert vom Rest des Films stehen, einzig und allein für einen mit dem Brecheisen erzwungenen Lacher gut. Ungereimtheiten dieser und anderer Art sind keinswegs Einzelfälle, ganz im Gegenteil: MOONRAKER ist zum Bersten voll davon! Bleibt man aber an der Oberfläche, so kann der Film mit viel Witz, spannender Action, tollen Schauplätzen und visueller Bombastik über viele Mängel hinwegtäuschen. Auch die Rückkehr des Haus-und-Hofkomponisten der Serie, dem Musiker John Barry, fällt positiv ins Gewicht. Seine Filmmusik ist durchwegs gelungen, der von Shirley Bassey gesungene Titelsong immer noch guter Durchschnitt. Für die besten Spezialeffekte wurde MOONRAKER übrigens für den Oscar nominiert, für das hochgradig einfältige Drehbuch gibt's aber bestenfalls die goldene Himbeere von mir...
  • Wertungen
  • Story
    0,5
    Musik:
    3,5
    Unterhaltung:
    4,0
    Anspruch:
    1,0
    Spannung:
    2,5
    Darsteller:
    3,0
    Gesamt:
    3,0
    Verfasst von:
    eXistenZ
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