Für sein Erstlingswerk widmet sich Regisseur Eric - Emmanuel Schmitt dem Thema Liebe. Es entstand dabei ein seltsames Flair das wahrscheinlich nur an Märchen haftet. Es beinhaltet eine Person die trotz aller Miseren die Liebe zum Leben entdeckt. Ihre Kinder sind nicht vorzeigbar, ihre Wohnung ist klein und ihr Job ist mies. Sie ist allein und seit Jahren schritt kein interessanter Mann in ihr Leben. Und trotz allem lässt sie sich nicht unterkriegen und meistert ihr Dasein mit Bravour. Es ist ihr vermeintliches Naturell das Odette so mächtig stark erscheinen lässt. Sie steht auch mit beiden Beinen fest am Boden und sieht ihre Dinge durchaus realistisch. Nur wenn sie in ihre Welt der Bücher eintaucht, dann verliert sie den Halt und scheint zu schweben. Sie entfremdet sich für diese Augenblicke in einen anderen Lebensbereich, der nicht glücklicher aber wesentlich schöner sein kann.
Vielleicht ist es ja gerade dieser Film der uns unverständlichen meist männlichen Nichtleser das Geheimnis der Bücherwelt verrät. Und vielleicht ist es ODETTE TOULEMONDE die es uns Unwissenden zeigt wie es sein könnte, selbst mal ein Buch in die Hand zu nehmen und den beschrifteten Kosmos zu ergründen. Eventuell öffnet gerade diese französische Komödie für uns die Tür in eine andere Gesellschaft. Nun ja, wir werden jetzt nicht plötzlich unsere Vorlieben ändern und statt dem Kino in eine Bibliothek wandern. Aber zumindest verschafft uns dieser Film einen Einblick in die Leidenschaften der Leseratten. Wir wissen nun, wie sich anfühlen muss eine Lektüre mit Begeisterung und Enthusiasmus zu überarbeiten. Für diese Erkenntnis darf sich der Zuseher bei dem Projekt herzlich bedanken.
Mit Catherine Frot wurde schlichtweg die Idealbesetzung gefunden. Mit ihr wurde der Charakter der ODETTE TOULEMONDE perfektioniert. Catherine ist mittlerweile in die erste Riege der französischen Darstellerinnen aufgestiegen. Sie verkörpert alles was eine weibliche Person, die mitten im Leben steht, braucht. Während sie sich in den letzten Jahren noch an Seiten einer Isabelle Huppert oder eines Gerard Depardieu anlehnen musste, und den Halt auch brauchte, schafft sie es fortan allein einen Film zu tragen. Sie entwickelt sich zu einer großartigen Schauspielerin mit großer Präsenz Noch dazu verfügt sie über ein so sympathisches Äußeres so dass man sie förmlich lieben muss.
Trotz aller Begeisterung sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass der Film über besondere Eigenheiten verfügt, die nicht jeden Geschmack treffen. Zu oft wird die Zufriedenheit in Form eines Tanzes oder einer Karaoke Einlage gezeigt. Zu Beginn erscheint das noch witzig. Mit Fortdauer darf man sich mit Recht fragen, warum diese Investitionen so oft den Rhythmus des Filmes stört. Ein weiterer zu erwähnender Kritikpunkt ist der Tempowechsel. Anfangs lässt sich die Geschichte Zeit um sich zu entfalten. Jede Handlungsebene erscheint plausibel. Doch gegen Ende des Film tritt eine abrupte Steigerung des Tempos ein. Die Geschichte rast dahin, um endlich sein Ziel zu finden. Daher bleiben nach dem Gesehenen leider noch einige Fragen offen.
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