Tony Gilroy war bisher nur als Drehbuchautor – u.a. für bekannte Blockbuster wie die Bourne-Trilogie oder Im Auftrag des Teufels - bekannt, wagt sich mit Michael Clayton an seine erste Regiearbeit und zeichnet sich auch für deren Drehbuch verantwortlich. Mit seinem Regiedebüt macht er es dem Zuschauer allerdings nicht leicht: Der Film vermag besonders zu Beginn stark zu fesseln, schickt sein Publikum allerdings sehr lange auf Spurensuche. Über weite Strecken ist nicht ganz klar, worauf die Story hinaus will. Erst am Schluss, der bezeichnenderweise wieder so beginnt, wie der Anfang, fügen sich die offenen Erzählstränge in ein homogenes Ganzes und hinterlassen so einen insgesamt sehr bleibenden Eindruck.
George Clooney als titelgebende Hauptfigur erntet natürlich von vorne herein jede Menge Sympathiepunkte – zu Recht: Er ist in jeder Szene des Films der Dreh- und Angelpunkt, er treibt das Geschehen entsprechend voran und ist dennoch nur einer von vielen, ein „janitor“ – ein Hausmeister, der für die anderen die Drecksarbeit macht. Der Film fokussiert dabei nicht nur den „Arbeitsmenschen“ Michael Clayton sondern auch und ganz besonders sein Privatleben: Er lebt von der Mutter seines Sohnes getrennt, welcher ein hochbegabtes Kind ist; mit seiner Familie gibt es auch kleinere wie größere Zwistigkeiten. Tony Gilroy versucht, uns Michael Clayton in all seinen Facetten und Lebenslagen näher zu bringen. Es liegt scheinbar nicht so viel daran, eine möglichst spannende und vorantreibende Geschichte zu erzählen, der Fokus liegt eher auf Aktion und Reaktion seiner Hauptperson, der die ständigen Stresssituationen spürbar zu schaffen machen. Somit repräsentiert der viel beschäftigte Clayton auch unsere Gesellschaft – arbeitsam und wenig erholt. Paradoxerweise ist es gerade ein Moment der Ruhe und des Innehaltens, der Michael Clayton das Leben rettet.
Neben George Clooney muss sich auch der Rest der Darstellerriege nicht verstecken. Es glänzen Tom Wilkinson, der als Arthur Edens auf der falschen Seite steht, Tilda Swinton als Powerfrau, deren Schale nur so hart erscheint, um ihre innere Unsicherheit und Angst zu verschleiern und schließlich Sydney Pollack, dessen Film Die drei Tage des Condor ebenfalls Vorbild für Michael Clayton gewesen zu sein scheint. Die Charaktere werden aufgrund ihrer Vielschichtigkeit sehr greifbar und realistisch – gerade aber bei Tilda Swinton und Sydney Pollack hat man im Endeffekt das Gefühl, dass hier noch mehr zu zeigen gewesen wäre.
Im Endeffekt bleibt der Zuschauer aber vor allem überzeugt: Überzeugt davon, dass einige Wirtschaftskonzerne für gewisse Informationen oder Nicht-Informationen über Leichen gehen und dies nicht selten Hand in Hand mit dem (amerikanischen) Rechtssystem.
Gewisse Vorgänge des Films erschließen sich beim ersten Mal nicht gleich dem Zuschauer, Michael Clayton ist sicherlich ein Film, der erst bei mehrmaligem Ansehen seine volle Kraft entwickeln kann.
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