Europäische Filmprojekte sind eine schöne Sache, vor allem wenn es schaffen auf unterhaltsame Weise skurrile Charaktere zueinander zu führen und so für ein „Wir“-Gefühl sorgen. Skurrile Charaktere bietet
Midsummer Madness zwar zuhauf, doch sind sie mindestens so abgefahren wie stereotyp. Wir hätten die nimmersatte Russin, den am Schluss doch von Fesselspielchen faszinierten Japaner, den abgebrühten deutschen Geschäftsmann im pastellfarbenen Anzug, den Amerikaner, der Angst hat vor Europa (vor allem im Osten), die melancholischen wie mürrischen Franzosen und überhaupt die geldgierigen Russen. Bis auf den quirligen Taxifahrer Oskars also eigentlich alle nicht besonders sympathisch. Und so sieht man sich auch ganz schnell satt, an dem was, ganz unterhaltsam beginnt.
In bester Robert Altman Tradition versucht Regisseur Alexander Hahn, einen Ensemblefilm zu gestalten, der seine fünf Geschichten nebeneinander erzählt und sie am Schluss räumlich – aber nicht inhaltlich – zusammenführt. Und das stellt auch das Hauptproblem des Films dar: Er erreicht weder satirische Tiefe noch Authentizität. Die Darsteller spielen sich in gewissem Maße auch selbst. Zugegeben, es macht Spaß, Roland Düringer mit gekonntem Wiener-Schmäh in
Hinterholz 8 Manier agierend zu sehen, oder den griesgrämigen Dominique Pinon – doch schnell erkennt man, dass es um die Tiefe der Charakterzeichnung schlecht bestellt ist.
Am Schluss geht dem Film sogar so weit die Puste aus, dass er nur Curts Geschichte zu einem filmischen Abschluss bringt – der Rest wird mal eben mit Fotomontagen und Off-Kommentar zu Ende erzählt.
Fazit: Midsummer Madness ist ein leicht überladen wirkender Ensemblefilm, der aufgrund der oberflächlichen Charaktere das große Potential seines erlesenen Casts verschenkt und somit nur durchschnittlich unterhält. Als Appetithappen vermag der Film zu funktionieren, doch satt wird man davon leider nicht.
Update vom 19.09.: Ein exklusives Interview mit Regisseur Alexander Hahn ist gibt es ebenfalls zum Nachlesen.
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