Ali ist alt und einsam. So begibt er sich immer wieder in die Rotlichtszene, in der er Yeter kennen lernt. Er bietet ihr an das Leben gemeinsam zu verbringen. Er würde sie auch gut bezahlen. Yeter, die von ihren türkischen Landsleuten bedroht wird, willigt ein. Das ist dem Sohn des unzugänglichen abgeklärten Mannes gar nicht recht. Erst als Nejat die Prostituierte in ein längeres Gespräch verwickelt, beginnt er sie zu respektieren. Nejat erfährt das Yeter eine Tochter hat und das Geld dafür braucht um ihr das Studium zu finanzieren. Sie verheimlicht ihrem Mädchen ihre wahre Tätigkeit und lügt, in dem sie sich als eine Verkäuferin in einem Schuhladen ausgibt. Als Yeter durch einen tragischen Unfall stirbt, macht sich der Sohn nach Istanbul auf um ihre Tochter zu finden. Möglicher Weise könnte der gebildete Germanistik Lehrer dieser ihm unbekannten Person in irgendeiner Art helfen und sie unterstützen. Leider ahnt er nicht das sich Ayten, so der Name, gerade in Deutschland aufhält um ihre Mutter zu suchen. Sie gilt in der Türkei als Terroristin und ist illegal eingereist...
Nach GEGEN DIE WAND hatte sich Regisseur Fatih Akin derart verausgabt, das er keine Ahnung hatte, welchen Stoff er als nächstes in Angriff nehmen sollte. So kam es ihn gerade recht sich bei seiner 2005 entstandenen Dokumentation CROSSING THE BRIDGE, in der es um Musik geht, etwas auszurasten. Denn dieses neueste Projekt, für das Fatih für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnet, hat den einsichtsvollen Deutschen mit türkischer Herkunft wieder alles abverlangt. Und in AUF DER ANDEREN SEITE, so der Titel, verrät er wie talentiert er eigentlich wirklich ist. Das Skript weist wahrlich Raffinessen auf und seine Umsetzung verrät das sich ein Regisseur weiter entwickeln muss. Er strukturiert seinen Film in Alejandro González Iñárritu ähnlicher Amores Perros Manier, in dem er drei Geschichten unchronologisch ineinander wachsen lässt. Er bezieht seine Länder, Deutschland und die Türkei mit in das Konzept und lässt Städte wie zum Beispiel Istanbul in photographischer Hinsicht erstrahlen. Fatih besitzt eine Gabe und erzielt dabei jenen Effekt, das seine Geschichte nicht nur interessant bleibt, sondern sich von Szene zu Szene aufschlussreicher und attraktiver gestaltet. Das Gesamtpaket wirkt durchdacht und reif. Möglicher Weise, und das ist als einziger Kritikpunkt zu verstehen, wirkt AUF DER ANDEREN SEITE nicht ganz so ausdrucksstark und aggressiv wie sein berühmter Vorgänger. Aber dieser Umstand liegt sicher an dem Buch, das diese beiden Eigenschaften primär nicht vorsah.
AUF DER ANDEREN SEITE zeigt in gewisser Hinsicht autobiographische Züge. des Filmemachers Fatih Akin. Denn der Film zeigt zwei grundsätzlich verschiedene Kulturen die der Regisseur immer wieder mannigfach einsetzt. Seine Eltern, die Eine Deutsche, der Andere Türke, leben im westlichen Europa. Fatih besuchte als Kind deutsche Schulen fuhr aber mit seinen Eltern bei jedem Urlaub in seine zweite Heimat. So wuchs er in diesen beiden Kulturen auf und diese “ Vermischung “ ist in dem Werk klar erkennbar. Möglicher Weise ist auch seine Hassliebe zu dieser asiatischen Welt erfassbar. Denn wenn seine Episoden um Bürokratie gehen, wirken seine Textzeilen kritisch. Er verspürt große Trauer um so mehr er um seine zweite Heimat erfährt und hasst dessen Politik und insbesondere den vorherrschenden Nationalismus. Und all das verstrickt sich in diesen Film mit ein. Die Darsteller sind, bis auf Hanna Schygulla, in unseren Breitengraden relativ unbekannt. Aber sie alle, wie auch die gewöhnungsbedürftige Musik, passen sich den Endprodukt positiv an.
Fazit:
Fatih Akin ist mit AUF DER ANDEREN SEITE erneut ein eindringlicher und erstaunlicher Film gelungen. Er zeigt einen etwas ruhigeren Stil der nicht schlechter ist als bei GEGEN DIE WAND. Bestenfalls etwas “ anders “ ...
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