Halloween - Die Nacht des Grauens

  • Informationen zum Film
  • Halloween - Die Nacht des Grauens

  • Originaltitel:
    Halloween
    Genre:
    Thriller, Horror
    Produktionsland:
    USA
    Produktionsjahr:
    1978
    Kinostart Deutschland:
    06.07.1979
    Kinostart USA:
    25.10.1978
  • Cast & Crew
  • Regie:
    John Carpenter
    Drehbuch:
    Debra Hill, Nick Castle, John Carpenter
    Musik:
    John Carpenter
    Darsteller:
    Donald Pleasence, Robert Phalen, Charles Cyphers, Mickey Yablans, Arthur Malet, Jamie Lee Curtis, Nancy Stephens, Nancy Kyes, P.J. Soles, Kyle Richards, Brian Andrews, John Michael Graham, Brent Le Page, Adam Hollander, Tony Moran, Will Sandin, Sandy Johnson, David Kyle, Peter Griffith, Barry Bernardi, George O'Hanlon Jr., Darla Rae, Gwen Van Dam, Nick Castle
  • Inhalt
  • Halloween - bereits im Kindesalter greift Micheal Myers zum Messer und bringt scheinbar motivationslos seine Schwester um. Er verbringt daraufhin 15 Jahre in einer geschlossenen Anstalt unter psychologischer Betreuung von Dr. Sam Loomis. Im Zuge eines mißglückten Transportsversuchs gelingt es dem Killer zu entkommen. Wieder ist der 31. Oktober - Halloween. Dr. Loomis ahnt, dass sein psychopathischer Patient in seine Heimatstadt Haddonfield zurückkehren wird um weiter zu morden...
  • Filmkritik
  • The high art of low budget -----
    Aus heutiger Sicht betrachtet, könnte man John Carpenter's HALLOWEEN lediglich als ein Slasher Movie unter vielen betrachten. Das Angebot an Filmen dieser Art ist mittlerweile so dicht geworden, die Stereotypen dieses Subgenres so vertraut und ausgelutscht, dass man als Zuseher (nicht zu unrecht) glaubt, alles gesehen und bewertet zu haben was sehenswert ist. Das mag auch durchaus so sein, dennoch sollte man sich den Luxus leisten nur einige wenige dieser Filme aus differenzierten Blickwinkeln zu betrachten. Einer dieser Filme ist zweifellos John Carpenter's HALLOWEEN. HALLOWEEN ist - historisch gesehen - die Geburtsstunde des modernen Slasher-Films, aber auch dessen unerreichte Meßlatte. Kein anderer Film des Genres kann mit der visuellen Dichte, technischen Versiertheit, stilistischen Eleganz und permanenten Spannung von HALLOWEEN ernsthaft konkurrieren. HALLOWEEN ist in erster Linie eins: Style! Und genau damit hat er den späteren Slasher-Movies alles voraus!

    Panagliding in Cinemascope -----
    In der Eröffnungsszene des Films schleicht die Kamera in subjektiver Perspektive um das Haus, gleitet ins Innere, greift in einer Küchenschublade nach dem Messer, setzt sich die Maske des Killers auf, steigt die Stiegen zum ersten Stock hinauf und sticht auf das Opfer ein... Was heute als Standardeinstellung wirkt, war 1978 ein sensationeller "Shot". Obwohl die lange Sequenz zwei Mal durch geschickte, fast unmerklich plazierte Schnitte unterbrochen wird, ist sie dennoch ein großartiges, stilistisches Merkmal, welches nur höchst selten in unterbudgetierten Horrorflicks zu finden ist. "Panaglide" war in etwas das, was heute als "Steadycam" bezeichnet wird - eine Kamera, die frei von Schienen und scheinbar schwerelos durch den Raum gleitet. Für Regisseur John Carpenter bot diese Technik gleich mehrere Vorteile. Der mühselige Aufbau eines "Dolly shots" (Kameraschienen) entfällt und trotzdem hat er die Möglichkeit mit der Kamera überallhin zu gehen, jeden Winkel seiner Sets zu erkunden und immer mobil zu sein. Zusätzlich verleiht es den Bildern ein traumartiges Gleiten, Unebenheiten werden - wie durch Stoßdämpfer - zum leichten "Flow" ausgeglichen und eignen sich perfekt zur Visualisierung des menschlichen Gangs. Außerdem gewinnen die Images einen - im wahrsten Sinne des Wortes - traumhaften Flair des Dahingleitens, welcher der bedrohlich surrealen Story in jedem Einzelbild einen beobachtenden Realismus beibringt, der den Film letztendlich funktionieren läßt.

    Room with a view -----
    HALLOWEEN ist fast als 3D-Film zu bezeichnen. Vielleicht mit Ausnahme von Brian De Palma kann sonst kaum jemand ein solches Verständnis von geographischer Räumlichkeit in seinen Filmen vermitteln wie John Carpenter. Die Räumlichkeit der Bilder ergibt sich durch "über-die-Schulter" Einstellungen des Killers im Vordergrund, wie er potentielle Opfer im weit entfernten Bildhintergrund beobachtet. Aber auch in umgekehrter Weise treibt Regisseur Carpenter sein Katz und Maus Spiel mit dem Zuseher. Im Vordergrund bewegen sich die Darsteller der Teenager, und im tiefen Bildhintergrund schleicht sich immer und immer wieder die fahle, weiße Killermaske von Micheal Myers ins Bild. Der Focus, die Bildschärfe, ist dabei immer so exquisit gewählt, dass eine immer und überall präsente Bedrohung suggeriert wird, die sich sowohl vorder- als auch hintergründig in die komplexe Bildersprache des Films einschleicht. Oftmals sehr offensichtlich, manchmal jedoch sehr subtil und unscheinbar, nur geübten Augen und "paranoiden Bildabstastern" unter den Zusehern auf den ersten Blick erkennbar. Ein wesentliches Element ist hierbei die Ausleuchtung. Als sich Jamie Lee Curtis angeschlagen in eine finstere Ecke lehnt, erscheint förmlich Pixel für Pixel die weiße Maske des Killers hinter ihr aus der Schwärze der Dunkelheit... Die Bedrohung ist überall, die Images verdichten sich um die Hauptdarstellerin. Die "wide Shots" des ersten Akts verengen sich räumlich im dritten Akt zur immer näher geratenden Distanz des Killers zum Opfer, sowohl visuell (in Close-Ups), als auch räumlich, im zunehmend enger werdenen Aktionsradius der Hauptfigur (Jamie Lee Curtis). Bis sie am Ende ihrer langen Flucht im klaustrophobischen Szenario eines Kleiderschranks keine Rückzugsmöglichkeit mehr hat und der Killer mit seinem Messer nur Zentimeter von ihren Gesicht entfernt wild und bedrohlich herumfuchtelt...

    Music is suspense -----
    Ein wesentlicher Faktor von HALLOWEEN ist die Filmmusik. Das hektische, bedrohliche "Halloween Theme" gleich am Anfang des Films ist im wahrsten Sinne des Wortes nur der Anfang. Carpenter versteht es, über die selbst komponierte Filmmusik, dem Geschehen auf der Leinwand eine Tonspur hinzuzufügen, die den Film letztendlich funktionieren läßt. Die Filmmusik ist dabei keineswegs ein aufwendig orchestrierter Score, vielmehr beschränkt sie sich auf drei immer wiederkehrende Themen, die höchst effektiv auf die Nerven der Zuseher einhämmern. Die Musik ist schlicht, aber sie funktioniert - von den Title Credits bis zum Abspann. Die schlichte Filmmusik, ein Gemisch aus Klavier und Synthie-Tönen, versteht in grandioser Art und Weise Spannung zu erzeugen. Über die gesamte Dauer des Films wechseln sich lediglich Variationen von drei verschiedene Themen ab, diese schlichte Komposition genügt jedoch um HALLOWEEN jene Spannung zu verleihen, welche über die Bilder weit hinausgeht. Höhen und Tiefen sind so gekonnt konterkarriet, dass sie für den Zuseher gegensätzlich genug sind um dazwischen keinen Raum für eine Verschnaufpause offen zu lassen. Dazu gesellen sich Sound FX, welche die Schockmomente auf der visuellen Ebene nicht nur unterstützen, sondern sie erst richtig funktionieren lassen. Die Spannung von HALLOWEEN funktioniert zum großen Teil über die Musik. Es ist allerdings auch ein Film, der Musik und Sound FX ineinander übergreifen läßt, gänzlich ungleich heutiger Seh- und Hörgewohnheiten im Kino, wo meistens die Musik im Spannungsmoment verstummt um ein paar Sekunden später mit Brachialgewalt über den Zuseher herzufallen... Bei John Carpenter's HALLOWEEN ist die Intonierung des Schrecken weitaus nahtloser und unvorbereiteter...

    The Shape Lurks -----
    John Carpenter's HALLOWEEN ist berechtigter Weise zum ewigen Genreklassiker geworden. Trotz simpler Story, wenigen blutigen Szenen und fernab jedweder teuren Bombastik ist es ein Film, der technisch, handwerklich und nicht zuletzt schauspielerisch ein Genremeilenstein war und bis heute geblieben ist. HALLOWEEN ist das Bindeglied zwischen Alfred Hitchcock's Klassiker PSYCHO (1960) und dem modernen Slasher Film à la FRIDAY THE 13TH (1980) - eben ein "Landmark Movie" und ein Klassiker über seine Zeit hinaus. Der großartige Donald Pleasence wird Horrorfans wohl bis in alle Ewigkeit in der Rolle des Dr. Sam Loomis in Erinnerung bleiben und die Performance von Jamie Lee Curtis als Laurie Strode wird ebenfalls im Gedächtnis einer eingeschworenen Fangemeinde hängen bleiben, die HALLOWEEN nicht nur als billigen Slasherfilm sehen, sondern als das was er ist - als innovativer, konsequenter und visuell einzigartiger Ausflug in ein Genre, welches sich leider im Laufe der Zeit - und "Dank" der vielen Sequels - selbst demontiert hat...
  • Wertu
  • Story
    1,5
    Musik:
    5,0
    Unterhaltung:
    4,0
    Anspruch:
    3,0
    Spannung:
    5,0
    Darsteller:
    5,0
    Gesamt:
    5,0
    Verfasst von:
    eXistenZ

Kommentare

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John Carpenter erfand mit seinem Halloween das Slasher-Genre und sorgte für eine wahre Flut an Nachahmer-Filmen. Doch ist Halloween wirklich auch noch heute ein Meilenstein des Horrorfilms?

Diese Frage muss ganz klar mit JA beantwortet werden. Carpenter schafft es meisterlich eine beklemmende Stimmung voller Bedrohung zu schaffen. Dabei geht er sehr ruhig und langsam vor. Schritt für Schritt hält das Grauen in der Personifikation von Micheal Myers Einzug in Haddonfield. Dabei spielt Carpenter gekonnte mit der Kamera: hinter jeder offenen Türe, hinter jedem Vorhang kann Michael zuschlagen.
Halloween kommt so gut wie ohne Blut aus und ist im Grunde recht zurückhaltend in der Gewaltdarstellung. Doch der Terror, die fast unerträgliche Spannung, ist bedrückender als Gore.

Mit Halloween – Die Nacht des Grauens hat Carpenter einen Meilenstein des Horror-Genres geschaffen, der es noch verstand durch den Terror zu schocken und nicht durch die Gewalt.

geschrieben am 08.11.2011 um 16:51

Haddonfield, 1963: Der 6 jährige Michael Myers ersticht in der Halloween-Nacht seine ältere Schwester Judith.
Genau 15 Jahre später -es ist wieder Halloween- gelingt Michael die Flucht aus der Psychiatrie. Sein Arzt Dr. Loomis ahnt schon, wo er sein "Sorgenkind" suchen muss: In Haddonfield. Das scheue Mauerblümchen Laurie Strode ahnt noch nicht, was ihr in dieser Nacht bevorsteht...

Der erste "Halloween" lässt den Horror noch im Kopf des Zuschauers entstehen.
Zum Einen durch die Ausführungen von Dr. Loomis:
"...ich habe in seine ausdruckslosen Augen gesehen...", zum Anderen durch die suggestive Musik, die Carpenter "mal eben" während des Schnitts komponierte.
Die stimmungsvollen Kamerafahrten durch eine Kleinstadt im Herbst, tun ihr übriges, um zur unvergleichlichen Atmosphäre beizutragen.

Die Idee mit der Maske stammt übrigens von Tommy Lee Wallace, einem Weggefährten John Carpenters. In einem Kostümladen fand er die passende Maske für Michael Myers.
Es soll sich dabei um eine Abbildung von William Shatners Gesicht handeln.
Tommy Lee Wallace durfte später "Halloween 3" drehen, in dem Masken noch eine ganz besondere Rolle spielen werden.

Aus arbeitsrechtlichen Gründen(!) musste Carpenter den Soundtrack noch unter einem Pseudonym ("The Green Bowling Orchestra") komponieren.
Als er dem Produzenten den -fast- fertigen Film zeigte, war dieser erstmal ziemlich gelangweilt (-es fehlte noch die Musik!).

Jamie Lee Curtis wurde in der Rolle der Laurie Strode, quasi über Nacht, zur "Scream Queen". Von nun an sollte sie Michael Myers auch im wirklichen Leben "verfolgen".
Es folgten ähnliche Rollen in "Prom Night", "Truck Driver" und natürlich "Halloween 2". Allerdings gelang es ihr im Laufe der Zeit, sich vom Horrorgenre "freizustrampeln".

Drei Jahre später ließ man John Carpenter zwei längere Sequenzen für die TV-Version nachdrehen, um den Film (mit Werbung) auf 2 Std. zu strecken und um einen stärkeren Bezug zu "Halloween 2" herzustellen.
Die nachgedrehten Sequenzen sind allerdings nicht gerade eine Bereicherung für den Film und bremsen die stringente Erzählweise der Originalversion eher aus.
In der (kürzeren) Kinofassung funktioniert der erste Teil einfach besser.

Zu "Halloween 2" sagte John Carpenter mal in einem Interview:
"Wissen Sie, wie ich diesen Film überstanden habe? Mit ganz viel Budweiser!"
Immerhin schrieb er für den zweiten Teil wieder das Drehbuch (zusammen mit Debra Hill) und komponierte auch den Soundtrack.

Carpenter ließ es sich nicht nehmen, wieder einige Verweise auf seine Lieblingsfilme einzubauen. So laufen hier "The Thing" und im Anschluss "Forbidden Planet" im TV.
Die schöne Titeleinblendung von "The Thing" hat Carpenter für sein Remake denn auch 1 zu 1 übernommen.
In der deutschen Tonspur hört man übrigens schon den Ton aus "Forbidden Planet", während noch "The Thing" im TV läuft.
Der Name Sam Loomis stammt aus "Psycho" (Es ist der Charakter den John Gavin spielt -Marion Cranes Liebhaber).

Ein echtes Mysterium ist noch das Alter von Michael Myers:
Sowohl im ersten, als auch im zweiten Teil heißt es im Abspann, Michael ist 23 Jahre alt.
23? Ist Michael Myers am Ende noch ein "Illuminat"?
In "Halloween 2" (der in derselben Nacht spielt) sagt Dr. Loomis: "Michael Myers is 21." (-wenn er 1963 sechs Jahre alt war, ist er genau 15 Jahre später -natürlich- 21!)
Die dt. Synchro stiftet bei "Halloween 2" noch zusätzlich Verwirrung. Hier sagt Loomis nämlich: "Michael Myers ist 31."(!!!)

Alter hin oder her -dieser Film ist einfach zeitlos.

geschrieben am 03.11.2011 um 17:19

Halloween 1963, der sechsjährige Michael Meyers bringt seine Schwester um. Er trägt dabei eine Maske. Für diese Tat kommt er in psychiatrische Sicherheitsverwahrung. Viele Jahre später, ebenfalls an Halloween, flieht Michael, um seine andere Schwester zu töten.

So simpel auch die Handlung von Halloween ist, so effektiv war damals doch der Horror in den Kinos. Das liegt u.a. daran, dass Michael Meyers maskiert ist, man erkennt ihn nicht. Zum anderen hat John Carpenter etwas geschaffen: eine neue Art von US-Horrorfilm. Zwar gab es in den Siebzigern dank des „Texas Chainsaw Massacre“ schon eine Figur, die Jugendliche jagt und tötet, doch erinnert "Halloween" auch an den italienischen Giallo, einem Subgenre des Thrillers, in dem ebenfalls ein maskierter Killer Leute umbringt. Der Zuschauer und die Schauspieler haben keine Ahnung, wer der Killer ist. Es gibt viele Wendungen, und man wird am Ende überrascht. So etwas steigert die Spannung.
Dies gibt es auch in "Halloween", wenn z.B. Michael Meyers irgendwo im Raum steht und das Opfer ihn nicht sieht. Man fiebert mit, ob die Person entkommen kann oder sie von Michael getötet wird.
Auch steht die Frage im Raum, ob Michael Meyers wirklich der Killer ist.
Der Soundtrack, den John Carpenter selbst komponiert und eingespielt hat, erhöht die Spannung zusätzlich. Die Synthieklänge, vor allem die Maintheme, sind bis heute bekannt. Wann immer sie erklingen, verbindet man diese mit dem Film.
Es folgten zwar viele Fortsetzungen, aber keine kam an das Original heran. Mal sehen, wie das Remake von "Rob Zombie" wird.

"Halloween" ist ein kleines Meisterwerk des modernen Horrorfilms. Er verbindet viele Stilelemente und hat dabei ein eigenes Genre miterschaffen: den Slasherfilm. "Halloween" ist einfach Kult. Die
Michael-Meyers-Maske war eigentlich eine "Halloween"-Maske von William Shatner, als kleiner Gag am Rande.

geschrieben am 05.08.2011 um 12:48

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ø Wertung: 8,8/10 | Wertungen: 34 | Kritiken: 3