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James Bond 007 - Leben und sterben lassen

  • Inhalt
  • Nachdem gleich drei britische Agenten in New York, New Orleans und der Karibikinsel San Monique gezielten Mordanschlägen zum Opfer fallen, wird James Bond (Roger Moore) mit den Ermittlungen betraut. Kaum in New York angekommen, entgeht er gleich einem Mordversuch. Die Verfolgung des Attentäters führt ihn schnurstracks nach Harlem, ins Domizil des Gangsterbosses Mr. Big. Dort mach er Bekanntschaft mit Solitaire (Jane Seymour), die hellseherische Fähigkeiten hat und für Mr. Big mit Hilfe ihrer Tarotkarten die Zukunft voraussagt. Bond vermutet eine Verbindung zwischen dem Verbrecherboss und dem Diplomaten Dr. Kananga (Yaphet Kotto), welcher sich ebenfalls gerade in New York aufhält. Er folgt Kananga in seine Heimat San Monique, wo er mit Hilfe der unerfahrenen CIA-Agentin Rosie Carver (Gloria Hendry) versteckte Mohnfelder zur Heroinherstellung entdeckt, welche vom Voodoopriester Baron Samedi (Geoffrey Holder) und seiner Magie behütet werden. Rosie entpuppt sich jedoch als Verräterin und wird kurze Zeit später von Kanangas Leuten umgebracht. 007 gelingt zunächst die Flucht, kurze Zeit später kehr er aber unbemerkt zurück und schleicht sich in Kanangas Anwesen ein, wo er wieder auf Solitaire trifft. Mit Hilfe eines Kartentricks gewinnt er ihre Liebe und die beiden flüchten gemeinsam nach New Orleans. Doch dort werden sie bereits von Kanangas Leuten erwartet und gefangen genommen. Durch die Liebesbeziehung zu Bond hat Solitaire ihre hellseherischen Fähigkeiten verloren, wodurch sie für Kananga nutzlos geworden ist. Beide sollen dafür mit ihren Leben bezahlen...
  • Filmkritik
  • The Saint is marching in -----
    Nach Sean Connerys Ausstieg aus der James Bond Serie mussten sich die Produzenten Harry Saltzman und Albert R. Broccoli neuerlich auf die Suche nach einem neuen Hauptdarsteller machen. Wie üblich gab es verschiedenste Überlegungen und Vorschläge, darunter zum Beispiel Burt Reynolds und Julian Glover, der später als Bond-Bösewicht in FOR YOUR EYES ONLY agierte. Während der Verleih United Artists den Amerikaner Reynolds favorisierte, wollte Broccoli diesmal unbedingt einen Engländer für die Rolle gewinnen. Die Wahl fiel dabei auf Roger Moore, ein langjähriger Bekannter und Freund der beiden Produzenten. Moore wurde bereits mehrfach für die Rolle des James Bond in Betracht gezogen, konnte aber aufgrund seines Engagements bei den erfolgreichen TV-Serien THE SAINT (Simon Templar, 1962-1969) und THE PERSUADERS (Die Zwei, 1971-1972) nicht eingesetzt werden. Diesmal klappte es jedoch und die Produzenten setzten sich gegenüber United Artists durch. Roger Moore wurde zum ersten englischen Bond-Darsteller! Inzwischen feilte Autor Tom Mankiewicz eifrigst am Drehbuch zu LIVE AND LET DIE. Seine Adaption ist zwar spannend und unterhaltsam, weist jedoch kaum mehr Parallelen zu Ian Flemings Romanvorlage auf. Im Script wurde dem Umstand des neuen Hauptdarstellers insofern Rechnung getragen, als dass auf viele typische Bondismen verzichtet wurde. So bestellt Roger Moore Bourbon Whiskey anstelle des obligatorischen Martini Cocktails, er raucht Zigarren statt Zigaretten und trägt im Gegensatz zu den bisherigen Bonds keinen Hut. Moore versteht es von Anfang an seine Darstellung mit der nötigen Eigenständigkeit auszustatten und nicht als Connery-Kopie zu agieren. Sein Humor wirkt zweifellos feiner, differenzierter und mondäner, die Figur gewinnt dadurch an Eleganz und balanciert sich in den insgesamt sieben Filmen des Darstellers meist zwischen englischen Gentleman und hochnäsigen Snob aus. Die Bond-Filme mit Roger Moore, so auch LIVE AND LET DIE, sind durch diese humorvollere Darstellung weitgehend geprägt und kommen daher nur sehr selten (FOR YOUR EYES ONLY) an die trockene Härte früher Connery-Filme heran. Aber gerade an solchen Aspekten lässt sich die Fähigkeit der Filmemacher erkennen, die 007-Abenteuer an die Stärken des jeweils agierenden Hauptdarsteller anzupassen wie einen teuren Maßanzug.

    Whiteface in Harlem. Good thinking, Bond! -----
    Konnte der letzte Film der Serie, DIAMONDS ARE FOREVER, weder in seinen Actionszenen, noch in Punkto Humor wirklich überzeugen, so beweist Regisseur Guy Hamilton mit LIVE AND LET DIE, dass er mit Hilfe des neuen Hauptdarstellers die richtige Mischung wieder herstellen kann. Obwohl der Film primär in den USA spielt ist die Komik nun doch wieder um vieles britischer geworden und die spektakulären Actionsequenzen wissen aufgrund ihrer waghalsigen Stunts ebenfalls zu überzeugen. Das Highlight schlechthin ist eine spannend inszenierte Verfolgungsjagd mit rasanten Motorbooten, welche sich nicht nur zu Wasser abspielt. Die Boote verstehen es sogar kurze Abschnitte am Festland zu überwinden, springen über diverse Hindernisse und rutschen mit einem Affenzahn über Freilandstrassen und Landzungen hinweg. Eine überaus unterhaltsam anzusehende Sequenz, die aufgrund des versierten Einsatzes der vielen Stuntmen authentischer wirkt als es eigentlich der Fall sein dürfte. Die Übertreibung findet derweil anderswo statt, nämlich in der parallel zur Bootsverfolgungsjagd montierten, haarsträubend schrägen Performance von Clifton James. Sein höchst skurriler Sheriff J. W. Pepper gerät zur köstlich dick aufgetragenen Karikatur eines alle Klischees in sich vereinenden Südstaaten Tölpels in Polizeiuniform. Im Gegensatz zu DIAMONDS ARE FOREVER werden solche exaltierten Auftritte jedoch sparsamer eingesetzt, beherrschen nicht den ganzen Film und eignen sich daher besser zur punktuellen Akzentuierung des Unterhaltungswerts von LIVE AND LET DIE. Vor dem immanenten Humor des Films ist der Superagent sogar selbst nicht gefeit, einige Späße gehen eindeutig zu seinen Lasten. Als er in typisch eleganter Bond Kleidung (Anzug, Krawatte, Mantel) von einem CIA-Agenten im schlimmsten Viertel von Harlem aufgelesen wird, kann sich sein Retter eine pointiert abfällige Bemerkung über Bonds völlig deplaziertes Erscheinungsbild nicht verkneifen. Bei genauerer Betrachtung ist der Held in LIVE AND LET DIE durchaus nicht immer derjenige, der die Lage im Griff hat. Die Bösewichter rund um Mr. Big bzw. Kananga sind dem Geheimagenten meist sogar um zwei Schritte voraus und dominieren die handlungstechnische Richtung des Films ziemlich eindeutig. James Bond reagiert zunächst mehr als er agiert, eine Tatsache die sich erst im letzten Drittel von LIVE AND LET DIE zu seinen Gunsten wendet. Neben den humoristischen Aspekten streicht noch eine weitere Szene das Gespür für die aufregenden Stunts des Films heraus. Als 007 auf einer winzigen Insel inmitten einer Krokodilfarm ausgesetzt wird, flüchtet er vor dem sicheren Tod indem er über die Rücken mehrere Krokodile springt, die zwischen der kleinen Insel und dem rettenden Festland im Wasser liegen. Kein Stuntman wollte diesen überaus gefährlichen Stunt mit echten Krokodilen, die lediglich mit Gewichten an den Beinen beschwert waren aber sonst unbeeinträchtigt im Wasser trieben, ausführen. Lediglich der Besitzer der Krokodilfarm, Ross Kananga, war verrückt genug das immense Risiko dabei ins Wasser zu fallen einzugehen. Trotz der rutschigen Krokodilleder Halbschuhe, die Bond ironischer Weise in der Szene trägt, schaffte es der berherzte Mann nach fünf Takes und einigen nervenaufreibenden Ausrutschern den mutigen Stunt zu bewerkstelligen und den Film damit um ein Highlight reicher zu machen. Als kleine Anerkennung dieser Leistung wurde sogar der Filmbösewicht Kananga nach ihm benannt. Insgesamt gesehen gewinnt die Mischung aus Action, Spannung und Comedy mit LIVE AND LET DIE erstmals eine so breite und ausgewogene Form, dass sie temporeiche Unterhaltung garantiert ohne sich dabei offensichtlicher Lächerlichkeiten auszuliefern.

    Voodoo, Drugs & Blaxploitation -----
    Einige Beobachter erkennen in LIVE AND LET DIE die "weiße" Antwort auf die damals aufkeimenden Blaxploitation Movies. Der Begriff "Blaxploitation" ist eine Kurzform von "Black Exploitation" und bezeichnet ein primär amerikanisches Filmgenre, welches sich im Zuge von Bürgerrechtsbewegungen zur Gleichstellung der afroamerikanischen Bevölkerung in den späten 1960er Jahren zu konstituieren begann und Anfang der 1970er Jahre seine erste Blütezeit erlebte. Die Filmindustrie hatte angesichts des neu aufkeimenden Selbstbewusstseins der schwarzen Bevölkerung Lunte gerochen und produzierte Filme wie SUPER FLY (1972), oder den heute als Genreklassiker geltenden SHAFT (1971). Schwarze Helden und weiße Schurken waren ein Markenzeichen des Blaxploitationfilms, der damals ungemeine Populatität genoss. LIVE AND LET DIE versucht diesen Trend zu assimilieren, indem er zwar viele Ingredienzen des Genres beibehält, jedoch das strukturelle Grundprinzip eines schwarzen Helden reversiert. Obwohl die Produzenten eine derartige Intention seit jeher abgestritten haben, sind die genreimmanenten Überlappungen kaum zu übersehen, angefangen von den sog. Pimpmobiles ("Zuhälterautos"), über das übergeordnete Drogenthema zugunsten des eher Bond-typischen, politisch motivierten Verschwörungskomplotts, bis hin zu den primär der schwarzen Bevölkerung zuzurechnenden Schauplätzen Harlem, New Orleans und der (fiktiven) Karibikinsel San Monique. Auch bei der Besetzung des ersten schwarzen Bond-Girls das sich in 007's Bett räkeln durfte, Gloria Hendry (ACROSS 110th STREET, 1972), wurde die Grundidee eines schwarzen Helden, der mit weißen Frauen schläft ins Gegenteil verkehrt. Folgerichtig sind auch alle Bösewichter mit schwarzen DarstellerInnen besetzt, ein Faktum welches dazu führte, dass bereits damals einige Kritiker dem Film rassistische Tendenzen unterstellten. Abgesehen davon ist LIVE AND LET DIE der bislang einzige James Bond Film, welcher das Übernatürliche thematisiert und sich einer durchgängig rationellen Erklärung verweigert (z. B. Solitaires hellseherische Fähigkeiten). Stilistisch spielt der Film permanent mit okkulten Themen, die Voodoo-Religion spielt eine ebenso große Rolle wie seine mystischen Repräsentanten (Baron Samedi, Solitaire). Diese Story gibt dem genialen Designer Maurice Binder ausgiebigst Gelegenheit seine fulminanten Title Credits mit morbider Totenkopfsymbolik vor flammenden Hintergründen anzureichern. Der Vorspann von LIVE AND LET DIE gerät zur bis dato mit Abstand düstersten Titel-Sequenz, die sowohl schnitttechnisch als auch visuell absolut perfekt mit dem hervorragenden Titelsong von Paul McCartney & Wings harmoniert. Überaus passend ist überhaupt der gesamte Score, der diesmal zum ersten Mal nicht vom Haus und Hof Komponisten der Serie, John Barry, sondern von George Martin bestritten wird und damit etwas frischen Wind auf die Tonspur bringt. In Summe gesehen hat LIVE AND LET DIE genug Eigenständigkeit um sich gegenüber anderen Filmen der Serie zu positionieren, genug actionreiches Tempo um entsprechende Spannung zu bieten und genug (dosierten) Humor um kurzweilige Unterhaltung zu gewährleisten. Ein rundum gelungener Einstieg von Roger Moore in die James Bond Serie und nach dem ziemlich missglückten DIAMONDS ARE FOREVER ein ebenso gelungenes Comeback von Regisseur Guy Hamilton.
  • Wertungen
  • Story
    3,5
    Musik:
    4,0
    Unterhaltung:
    4,5
    Anspruch:
    2,0
    Spannung:
    3,5
    Darsteller:
    4,0
    Gesamt:
    4,0
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