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James Bond 007 - Im Geheimdienst Ihrer Majestät

  • Inhalt
  • James Bond (George Lazenby) fährt eine Küstenstraße entlang, als er von einem anderen Wagen überholt wird. Kurz darauf sieht er das Auto am Straßenrand wieder, die Lenkerin ist auf dem Weg ins Meer. Bond vereitelt den Selbstmordversuch und rettet die hübsche Frau, wird aber bald darauf von bewaffneten Männern angegriffen. Während er seine Gegner besiegt, flüchtet die Frau und Bond bemerkt ironisch: "Das wäre dem Anderen nie passiert." Am Abend trifft Bond im Hotelcasino wieder auf die geheimnisvolle Dame, es ist die Contessa Teresa "Tracy" di Vicenzo (Diana Rigg). Am nächsten Morgen ist sie abermals verschwunden, dafür lernt Bond ihren Vater Marc Ange Draco (Gabriele Ferzetti) kennen. Er leitet ein Firmenimperium, sowie eine Verbrecherorganisation. Draco bedankt sich bei Bond, dass er seiner Tochter das Leben gerettet hat und schlägt ihm eine Heirat mit ihr vor. Mit einem Mann wie James Bond an ihrer Seite erhofft er sich dass Tracy ihre emotionellen Probleme überwinden kann. Er bietet James Bond eine Million Pfund an, zahlbar am Hochzeitstag. Der lehnt zunächst ab, doch als sich Draco bereiterklärt Informationen über den Verbleib von Ernst Stavro Blofeld (Telly Savalas) preiszugeben, willigt 007 ein. Der Deal fliegt jedoch bald auf, Tracy zwingt ihren Vater die Informationen ohne entsprechende Gegenleistung preiszugeben. Womit sie allerdings nicht gerechnet hat ist, dass Bond sie wirklich liebt...

    Blofelds Spur führt 007 zunächst in eine Anwaltskanzlei in Bern, die mit einem britischen Heraldik Institut in Kontakt getreten ist und sich im Auftrag ihres Klienten um die Anerkennung des Adelstitels Comte de Bleuchamp bemüht. Um an Blofeld heranzukommen, gibt sich Bond als Heraldiker Sir Hillary Bray aus, der im Auftrag des Instituts den Antrag vor Ort verifizieren soll. Auf der Spitze des Piz Gloria hat Blofeld ein Forschungs- und Therapiezentrum für Allergien eingerichtet, in dem Sir Hillary auf die vielen jungen, hübschen Patientinnen trifft. Doch bald fliegt Bonds Tarnung auf, genauso wie Blofelds teuflischer Plan. Der Kopf der Verbrecherorganisation S.P.E.C.T.R.E. will mit Hilfe seiner unwissenden Patientinnen weltweite Anschläge mit eigens hergestellten Krankheitserregern durchführen, welche die gesamte Landwirtschaft zunichte machen sollen. Es sei denn die internationale Gemeinschaft bezahlt innerhalb einer knapp gesetzten Frist ein einsprechendes Lösegeld. Die Lage spitzt sich zu, 007 kann zwar mit knapper Not entkommen, aber Blofelds Häscher bringen Tracy in ihre Gewalt und verschleppen sie in sein Versteck. James Bond bleibt nicht mehr viel Zeit um Blofelds Plan zu vereiteln und Tracy zu retten...
  • Filmkritik
  • This never happened to the other fellow -----
    Nachdem Sean Connery bei der Weltpremiere von YOU ONLY LIVE TWICE am 12. Juni 1967 öffentlich klarstellte, dass er für die Rolle des James Bond in Hinkunft nicht mehr zur Verfügung stehen werde und auch alle Bemühungen der Produzenten ihn doch noch umzustimmen scheiterten, mussten sich Harry Saltzman und Albert R. Broccoli auf die Suche nach einem neuen Hauptdarsteller begeben. Unzählige Schauspieler bewarben sich um die begehrte Rolle, fündig wurde Albert R. Broccoli jedoch beim Friseur, wo er auf den Australier George Lazenby traf, den er kurzerhand zum Casting einlud. Lazenbys schauspielerische Erfahrungen beschränkten sich auf ein paar TV-Werbespots, weiters arbeitete er als Model in der Werbebranche. Als er während der umfangreichen Proben versehentlich einem Stuntman einen kräftigen Schlag versetzte, meinte Broccoli knapp: "Wir nehmen dich.". Lazenbys Unerfahrenheit wurde mit speziellen Trainingsprogrammen kompensiert. Er erhielt Sprachcoachings um seinen australischen Akzent abzubauen und es fanden umfangreiche Stunt-Trainings statt. George Lazenby war nicht die einzige Neuerung in ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE, auch der Regiestuhl war mit Peter Hunt neu besetzt. Hunt hatte zwar noch nie Regie geführt, gehörte aber zur ständigen Bond-Crew. Bereits in den Filmen THUNDERBALL und YOU ONLY LIVE TWICE war er Second Unit Director, weiters zeichnete er bei bislang allen Filmen der Serie für den Schnitt verantwortlich. Auch die Rolle von Bonds Erzrivalen Ernst Stavro Blofeld wurde mit Telly Savalas neu besetzt, der damals hauptsächlich durch Fernsehserien bekannt war. Einen ungleich höheren Bekanntheitsgrad hatte jedoch Diana Rigg, die nach dem Abschluss der erfolgreichen britischen TV-Serie THE AVENGERS (Mit Schirm, Charme und Melone, 1961-1968) am Höhepunkt ihrer Populariät war. Diana Rigg war übrigens bereits die zweite Darstellerin der TV-Serie, die in einem Bond-Film mitwirkte. Honor Blackman, ihre Vorgängerin aus THE AVENGERS, spielte in GOLDFINGER mit. Die internationale Besetzung wurde durch die deutsche Theater- und Filmschauspielerin Ilse Steppat, als Blofelds Gehilfin Irma Bunt, abgerundet. Es sollte ihre einzige englischsprachige Filmrolle bleiben, sie verstarb nur wenige Tage nach der Weltpremiere. ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE spielte zwar in kurzer Zeit ein Vielfaches seines Produktionsbugdets ein - weltweit rund $87 Mio. - blieb aber dennoch deutlich hinter den finanziellen Erwartungen, sowie den Einspielergebnissen seiner Vorgänger zurück. Ob diese Tatsache auf die (für damalige Verhältnisse) exorbitant hohe Laufzeit von 140 Min, den neuen Hauptdarsteller, oder auf den Bruch mit vielen Bond-Traditionen zurückzuführen ist, bleibt offen. Für George Lazenby blieb es jedenfalls der einzige Bond-Film, er zog sich nach ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE aus der Serie zurück.

    Actionhero und/oder Ehemann? -----
    Mit ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE vollzieht die Bond-Serie eine radikale Kehrtwende vom aufgeblasenen und humorvollen Actionmovie zurück zum bodenständigen Agententhriller. Regisseur Peter Hunt setzt primär auf Realismus. Die Actionszenen orientieren sich weniger an technischen Spielereien und bombastischen Materialschlachten, sondern bestehen meist aus waghalsigen Stunts, die zwar nicht minder spektakulär aber deutlich bodenständiger wirken. Als klares Highlight sei an dieser Stelle die aufregenden Verfolgungsjagden auf Skiern erwähnt, die vom ehemaligen deutschen Skirennläufer Willy Bogner mit revolutionärer Kameratechnik und unglaublichen Geschick in Szene gesetzt wurden. Das Ergebnis seiner waghalsigen Manöver mit der Kamera versetzte nicht nur die Produzenten ins Staunen, die ihn später noch für die drei weiteren Filme THE SPY WHO LOVED ME (1977), FOR YOUR EYES ONLY (1981) und A VIEW TO A KILL (1985) als Aufnahmeleiter der Skiszenen verpflichteten. Anders als bei den Filmen zuvor liegt der Fokus von ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE jedoch nicht auf halsbrecherischer Action und verspielter Technik-Gadgets. Im Mittelpunkt der Story steht die Liebesgeschichte zwischen dem Geheimagenten und Tracy Di Vicenzo, die er letztendlich sogar heiratet. Der Film wendet nahzu die gesamten ersten 45 Minuten für die Lovestory zwischen den beiden auf und gibt sich dabei alle Mühe den Playboy James Bond innerhalb ernsthafter Gefühlswelten funktionieren zu lassen. Viele Bond-Fans sehen darin eine langweilige Demontage "ihres" Actionhelden, andere betrachten die Vermenschlichung des Superagenten als längst überfällige Charaktertiefe und zählen ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE nicht zuletzt deshalb zu den besten Bond-Filmen aller Zeiten. Wie auch immer, jedenfalls gibt der noch unerfahrene Neuling George Lazenby eine durchaus balancierte Performance, die ihm sogar eine Golden Globe Nominierung als vielversprechendster Newcomer einbrachte. Außerdem harmoniert Lazenby großartig mit der wunderbar agierenden Diana Rigg, die wesentlichen Anteil daran hat, dass ihre Figur nicht nur als eindimensionales Bond-Girl gesehen wird. Tracy wird im Laufe des Films als gleichberechtigte Partnerin etabliert, selbst wenn sie der Superagent am Ende aus Blofelds Fängen befreien muss. Diese emotionelle Lovestory spiegelt sich auch in der Auswahl des Songs wieder. Louis Armstrongs hervorragend einfühlsamer Titelsong "We have all the time in the world" wurde zwar kein kommerzieller Erfolg, unterstreicht das Flair des Films jedoch exzellent und zählt neben Shirley Basseys "Goldfinger" sicher zu den besten Bond-Songs überhaupt. Auch Ian Flemings Romanvorlage gilt unter Kennern als einer der besten. Der Film jedoch ist aufgrund des eher unpopulären Hauptdarstellers, der Abkehr von reiner Action Unterhaltung zugunsten einer Lovestory und vor allem wegen des traurigen Endes letztendlich umstritten und gilt eher als Geheimtipp für Fleming Puristen. Eines kann man aber mit Sicherheit sagen, ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE hält sich sehr präzise an die Romanvorlage und ist damit als Fleming-Verfilmung weitaus authentischer als jeder andere Film der gesamten Serie.

    Gebrochene Kontinuität -----
    Mit ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE bricht die James Bond Serie erstmals jedwede Kontinuität. Bis Dato kann man die Bond Filme durchaus als lineare Fortsetzungen betrachten. Es handelt sich zwar grundsätzlich um abgeschlossene Geschichten, die aber manchmal auch Bezüge auf frühere Abenteuer hergestellen. Die Figur der Silvia Trench (Eunice Gayson) zum Beispiel verknüpft die beiden Filme DR. NO und FROM RUSSIA WITH LOVE nahtlos miteinander, weiters finden sich auch Randbemerkungen in THUNDERBALL wieder, aus denen hervorgeht, dass James Bond bereits mehrmals die Pläne von S.P.E.C.T.R.E. durchkreuzt hat. ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE stellt ebenfalls Zeitbezüge zu früheren 007-Abenteuern her. Gleich die Title Credits von Maurice Binder beinhalten Bilder und Motive früherer Filme und bilden somit quasi ein "Best of Bond" zum Einstieg. Als James Bond dann seine Schreibtischschublade ausräumt, finden sich darin einige vertraute Gegenstände, wie z. B. Honey Ryders Tauchermesser aus DR. NO, die Uhr mit der ausziehbaren Nylonschnur aus FROM RUSSIA WITH LOVE und eines der kleinen Unterwasseratmungsgeräte aus THUNDERBALL. Soweit kann also auch ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE Kontinuität und linearen Aufbau suggerieren. Der logische Bruch entsteht jedoch durch die Tatsache, dass 007 versucht sich inkognito bei Blofeld einzuschleichen, wohl wissend dass er seinem Gastgeber von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen wird. Würde die Serie linear betrachtet schlüssig sein, wäre dieser Plan gar nicht möglich weil sich die Beiden bereits im Film YOU ONLY LIVE TWICE gegenüberstanden. Blofeld weiß also wie Bond aussieht und hätte ihn demnach sofort erkennen und enttarnen müssen. Das passiert aber nicht, die Tarnung des Geheimagenten fliegt erst weitaus später auf und es wird im Film auch anders begründet. Auch die Tatsache, dass sowohl Bond, als auch Blofeld von anderen Schauspielern als zuletzt dargestellt werden, bietet keine logische Erklärung. Erstens wird im Film mit keinem Wort darauf eingegangen, dass der Superagent und sein Erzfeind anders aussehen als früher und zweitens ist es in der Bond-Serie durchaus üblich gewesen dieselben Rollen mit unterschiedlichen Darstellern zu besetzen. Bestes Beispiel ist der befreundete CIA-Agent Felix Leiter, der bis Dato von drei verschiedenen Schauspielern darstellt wurde (Jack Lord in DR. NO, Cec Linder in GOLDFINGER und Rik Van Nutter in THUNDERBALL). Ob man diesen Bruch der Kontinuität nun als unlogische Schwäche, oder als, früher oder später notwendiges Übel zur Aufrechterhaltung der Serie sieht, beibt selbst zu entscheiden. Es ist jedenfalls nicht der einzige Bruch in ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE, auch stilistisch bietet der Film einige Abweichungen von etablierten Bond-Traditionen. So ist beispielsweise erstmals seit FROM RUSSIA WITH LOVE der Titelsong nicht während des Vorspanns zu hören und zum ersten Mal seit DR. NO beinhaltet er nicht den Filmtitel. Erwähnenswert ist außerdem, dass ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE ganze 37 Jahre lang der einzige Film der gesamten Serie bleiben wird, der kein Happy End hat. Selbst wenn ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE in vielen wesentlichen Punkten etwas gewöhnungsbedürftig erscheint, nimmt er genau dadurch auf fast allen Linien eine nahezu einzigartige Sonderstellung ein, die den Film nachhaltig interessant macht und dabei die James Bond Serie auf erfrischende Weise belebt.
  • Wertungen
  • Story
    5,0
    Musik:
    4,0
    Unterhaltung:
    3,5
    Anspruch:
    3,5
    Spannung:
    3,0
    Darsteller:
    4,0
    Gesamt:
    4,0
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