Regisseur Xavier Beauvois setzt in seinem Spielfilm EINE FATALE ENTSCHEIDUNG auf die Trumpfkarte “ Realität “. Sein Thriller soll sich weitgehend mit einer existenten Situation im täglichen Polizeileben gleichen. Es bedurfte daher großer Sorgfalt, nicht viel Spektakuläres in das Werk einzubauen. Schließlich besteht eine Polizeiarbeit hauptsächlich aus Büroarbeit. Daher bietet LE PETIT LIEUTENANT, so der Originaltitel, keine wilden Verfolgungsjagden oder andere spannende Elemente, die ein Film dieses Genres eigentlich benötigt. Viel mehr zeigt dieser Spielfilm den tristen Alltag der Protagonisten und setzt jene Geschehnisse in ein nüchternes Licht. Durch die langatmigen Passagen verliert das Werk an Kraft und mit Fortdauer leider auch an Substanz. Was bleibt ist ein Thriller in seiner zurückhaltenden Form.
Die Darsteller bemühen sich allesamt redlich um ihr Können unter Beweis zu stellen. Aber bis auf Caroline, ( Natalie Baye ), die für ihre Leistung einen Cäsar erhielt, blieb die restliche Besetzung matt und beinahe farblos. Die Zurückhaltung schien wohl das Gesamtkonzept des Projektes zu sein. Auch die Struktur der Geschichte zeigt nur in Ansätzen ihr Talent. Zwar gelingt es teilweise seine kritischen Aspekte erkennbar zu gestalten, aber eine Milieustudie über den Berufsalltag einer Sparte konnte auch mit etwas mehr Dynamik erzählt werden. Verlustängste, Verfall, Konsummissbrauch, Abhängigkeit werden thematisch nur am Rande berührt anstatt sie voll in die Story zu integrieren. Von jedem ein bisschen war in diesem Falle nicht die beste Wahl und daher eine fatale Entscheidung.
Die Szenen gestalten sich länger, daher gibt es vergleichsweise wenig Schnitte. Die Bilder bleiben, bis auf wenige Ausnahmen, dezent und unscheinbar. Das Licht jedoch vermag ohne weiteres zu überzeugen. Des öfteren gibt es wirklich gelungene Licht / Schatten Einstellungen zu genießen. Nur dann weist der Film darauf hin ein Französischer zu sein und erinnert ein wenig an das große Zeitalter des Film Noir. Die Musik verhält sich gemäß dem Gesamtbild und bleibt dezent im Hintergrund. Die Dialogszenen beschränken sich auf das Wesentliche und vereinzelt verstummt die Leinwand in eine tiefe Stille.
Fazit:
Durch die langsame Entwicklung die der Film übermittelt, ergeht es dem Zuseher konträr. Eine nicht zu erklärende innere Unruhe entsteht und lässt erst nach dem Einsetzen der End Credits wieder nach. Das könnte bedeuten das ein tieferer Sinn in der Handhabe der Regisseurs steckt das noch entdeckt werden will. Oder nur der Drang / Freude, diesen Pseudo-Dokumentarfilm hinter sich gebracht zu haben. Gute Ansätze sind im jeden Fall zu erkennen, obgleich es noch einen weiten Weg zum guten Film benötigt.
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