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James Bond 007 - Liebesgrüße aus Moskau

  • Informationen zum Film
  • James Bond 007 - Liebesgrüße aus Moskau

  • Originaltitel:
    From Russia with Love
    Genre:
    Action, Thriller, Abenteuer
    Produktionsland:
    UK
    Produktionsjahr:
    1963
    Kinostart Österreich:
    03.04.1964
    Kinostart USA:
    27.05.1964
  • Inhalt
  • Der britische Secret Service MI6 wird kontaktiert, weil die russische Agentin Tatiana Romanova (Daniela Bianchi) offenbar die Seiten wechseln will. Sie verspricht die Beschaffung der sowjetischen Dechiffriermaschine "Lector", ein Gerät, an dem der britische Geheimdienst seit langem höchstes Interesse hat. Im Gegenzug soll sie ein MI6-Agent in Istanbul treffen und sicher nach England bringen. Doch es soll nicht irgendein Agent sein, für diese Mission will sie Bond... James Bond! Obwohl MI6 die offensichtliche Falle wittert, entsendet "M" (Bernard Lee) seinen Top-Agenten 007 (Sean Connery) in die Höhle des Löwen. In Istanbul angekommen macht James Bond die Bekanntschaft des hilfsbereiten türkischen Geheimdienstmitarbeiters Ali Kerim Bey (Pedro Armendáriz). Während 007 intimen Kontakt mit Tatiana Romanova aufnimmt, werden mehrere Mordanschläge auf seinen Freund Ali Kerim Bey verübt hinter denen sie zunächst den sowjetischen Geheimdienst vermuten. Noch wissen sie nicht, dass die Verbrecherorganisation S.P.E.C.T.R.E. (in der dt. Filmfassung "Phantom") im Hintergrund die Fäden zieht mit dem Ziel 007 zur Strecke zu bringen...
  • Filmkritik
  • Probleme, Mr. Bond? -----
    Bereits während der Dreharbeiten zu DR. NO wurde FROM RUSSIA WITH LOVE von den Produzenten Harry Saltzman und Albert R. Broccoli als nächstes Filmprojekt ausgewählt und mit einem doppelt so hohen Budget wie sein Vorgänger ausgestattet. Das wurde auch benötigt, denn die Dreharbeiten zum zweiten James Bond Abenteuer gestalteten sich äußerst schwierig. Der hohe Wellengang und die Seekrankheit mancher Crew-Mitglieder verzögerten die Dreharbeiten im Golf von Venedig. Auch in Schottland, wo die in Jugoslawien spielenden Szenen gedreht wurden, gab es vielfältige Probleme. Regisseur Terence Young stürzte mit einem Helikopter ins Wasser und wäre beinahe ertrunken, Hauptdarstellerin Daniela Bianchi verletzte sich bei einem schweren Autounfall und die aufwändige Pyrotechnik für das explosive Finale der Bootsverfolgungsjagd wurde versehentlich bereits bei einer Szenenprobe ausgelöst. Das hatte zur Folge, dass die komplexe, teure und nicht gerade ungefährliche Sequenz ein zweites Mal vorbereitet werden musste. Zu allem Unglück erfuhr der mexikanische Darsteller Pedro Armendáriz etwa bei Halbzeit der Dreharbeiten, dass er an Krebs erkrankt war und nicht mehr lange zu leben hatte. Er wollte den Film jedoch ungeachtet seiner schweren Krankheit fertigstellen. Der Zeitplan wurde kurzerhand geändert und Pedro Armendáriz direkt nach England geflogen, wo er innerhalb von nur drei Wochen alle noch fehlenden Szenen in den Pinewood Studios abdrehen und den Film damit fertigstellen konnte. Seine Gage hinterließ er seiner Familie, er selbst nahm sich kurz darauf im UCLA Medical Center in Los Angeles das Leben. Trotz des immensen und verbissenen Einsatzes der Filmcrew schlugen sich diese Vielzahl von Problemen letztendlich im Resultat nieder. Sowohl der Zeitplan, als auch das Budget von FROM RUSSIA WITH LOVE waren bereits deutlich überzogen und es fehlten immer noch viele Szenen. Filmeditor Peter Hunt warf sein gesamtes Können, sowie seinen unglaublichen Einfallsreichtum in die Waagschale und schaffte es letztendlich, allen widrigen Umständen zum Trotz, einen fertigen Film vorzulegen. Fehlende Aufnahmen der Darsteller an Originalschauplätzen wurden mittels Hintergrundprojektionen ergänzt, nicht vorhandene Anschlußstellen durch rückwärtiges Abspielen bereits vorhandener Szenen hergestellt und dramaturgische Probleme durch neu arrangierte Szenenabfolgen gelöst. Unterm Strich sieht man FROM RUSSIA WITH LOVE die vielfältigen Probleme der Produktion kaum an und somit hat sich der verbissene Einsatz aller Beteiligten am Ende doch noch gelohnt.

    Schachspiel zu Dritt -----
    Speziell die erste Hälfte von FROM RUSSIA WITH LOVE wirkt weit weniger dynamisch als sein Vorgänger. Vielmehr funktioniert der Film als Schachspiel zwischen den Geheimdiensten, die von S.P.E.C.T.R.E. gekonnt gegeneinander ausgespielt werden. Zunächst geht es eher um Züge, Gegenzüge und Strategien und weniger um hastige Sprünge aus dem Fenster. Dieses Grundmotiv wird gleich am Beginn des Films, in der Nachstellung einer der populärsten Partien der Schachgeschichte (Boris Spasski gegen David Bronstein, UdSSR-Meisterschaft 1960), eingeflochten. In FROM RUSSIA WITH LOVE wird viel Zeit für gegenseitige Beobachtung und Planung der weiteren Vorgehensweise geopfert, was der Spannungskurve des Films nicht immer nur förderlich ist. Auch der Humor wurde im zweiten 007 Abenteuer etwas zurückgeschraubt, der Film wirkt ernster, der Unterhaltungswert ist um einen Tick geringer. Dagegen halten jedoch einige Actionszenen, die deutlich aufwändiger ausgefallen sind als das in DR. NO der Fall war. So wird der zu Fuß flüchtende 007 von einem Helikopter im Tiefflug angegriffen, eine Szene für die offenkundig Alfred Hitchcocks NORTH BY NORTHWEST (Der unsichtbare Dritte, 1959) Pate stand. Auch das explosive Finale der Bootsverfolgungsjagd, sowie Bonds verbissener Kampf mit dem S.P.E.C.T.R.E. Agenten Red Grant im klaustophobisch engen Zugsabteil des Orient Express ist überaus gelungen und bietet hohen Schauwert. Genauso verhält es sich übrigens mit der Besetzung von Aliza Gur, Martine Beswick und Daniela Bianchi, allesamt Finalistinnen von Schönheitswettbewerben, vom Miss Jamaica bis zum Miss Universe Contest. Sie bieten durchwegs sehenswerte Performances, genauso wie die österreichische Schauspielerin Lotte Lenya, die ihre Rolle als sinistre S.P.E.C.T.R.E. Agentin mit Authorität und Selbstbewusstsein direkt ins Langzeitgedächtnis aller Bond-Fans gräbt. Ähnlich gut agiert Edelmime Robert Shaw als ihr kaltblütiger Handlanger, der später in Filmen wie THE STING (Der Clou, 1973) und JAWS (Der weiße Hai, 1975) weitere unvergessliche Performances ablieferte. Der leider kurz nach Fertigstellung des Films verstorbene Darsteller Pedro Armendáriz stiehlt mit seiner entwaffnend liebenswerten Art und seinem verschmitzen Humor Sean Connery manchmal fast ein klein wenig die Show. Ein absolutes Highlight des Films ist der erste Auftritt von Bonds väterlichen Weggefährten "Q", im Laufe der weiteren Serie insgesamt 17 Mal grandios gespielt von Desmond Llewelyn. Insgesamt kann man dieser hervorragenden, internationalen Besetzung des Films ohne Zweifel attestieren, dass sie zu jeder Zeit hält was sie verspricht. Mit der Filmmusik verhält sich das leider nicht ganz so. Speziell in der ersten Filmhälfte setzt Komponist John Barry das "James Bond Thema" deutlich zu oft und vielfach völlig unpassend ein. Dadurch entsteht nicht gerade sehr oft der Eindruck, dass die Musik das Geschehen auf der Kinoleinwand zu unterstützen vermag. Die zweite Filmhälfte ist deutlich besser gelungen, aber trotz des an sich passablen Songs "From Russia With Love" reicht die Qualität der Musik beiweitem nicht an viele andere Filme heran. Aller Mankos zum Trotz ist FROM RUSSIA WITH LOVE insgesamt aber durchaus ein weitgehend gelungenes Sequel geworden, dass sich letztendlich durch seine Eigenheiten von anderen Filmen der Serie abzuheben vermag.

    Kontinuität und Weiterentwicklung -----
    Obwohl die James Bond Filme (bzw. Romane) grundsätzlich in sich abgeschlossene Geschichten darstellen, setzt FROM RUSSIA WITH LOVE auch sehr gezielt auf Kontinuität. So tauchen einige Randfiguren aus DR. NO wieder auf, wie zum Beispiel Silvia Trench (Eunice Gayson), Bonds Vorgesetzter "M" (Bernard Lee) und natürlich Miss Moneypenny (Lois Maxwell). Auch die international agierende Verbrecherorganisation S.P.E.C.T.R.E., der auch Dr. No angehörte, ist wieder Bestandteil der Story. In Ian Flemings Roman ist es jedoch der russische Spionageabwehrdienst SMERSH, der hinter dem Komplott gegen 007 steckt. Für den Film wurde die russische Organisation SMERSH allerdings gegen die private Organisation S.P.E.C.T.R.E. ausgetauscht um den Film politisch nicht allzu sehr zu belasten. Diese Änderung ergibt darüber hinaus einen dramaturgischen Bogen, der weit über einzelne Filme hinausgeht. Der Kampf von 007 gegen S.P.E.C.T.R.E. und ihren sinistren Boss, Ernst Stavro Blofeld, funktioniert als übergeordnete Handlungsebene in vier weiteren James Bond Abenteuern. In FROM RUSSIA WITH LOVE ist Ernst Stavro Blofeld zwar kurz zu sehen, allerdings nicht sein Gesicht. Es werden lediglich seine Hände gezeigt, die eine weiße Katze streicheln. Auch hier findet sich wieder Kontinuität, Blofelds Hände gehören dem Schauspieler Anthony Dawson, der in DR. NO Professor Dent spielte. Der österreichische Schauspieler Eric Pohlmann verlieh Blofeld seine Stimme, womit gleich zwei Darsteller mit der Rolle betraut waren. Die schrittweise Enthüllung von Bonds Erzfeind entspricht einem dramaturgischen Aufbau, der sich über mehrere Filme zieht. Während Blofeld in FROM RUSSIA WITH LOVE lediglich mit "Nummer 1" angesprochen, sein Name jedoch nie erwähnt wird, ist sein Gesicht erstmals in YOU ONLY LIVE TWICE (1967) zu sehen. Als erster Film der Serie beginnt FROM RUSSIA WITH LOVE mit einer Pre-Title-Sequence, in welcher James Bond scheinbar getötet wird. Diese Eröffnungsszene war eine Idee von Harry Saltzman und findet sich in inhaltlich leicht abgewandelter Form auch in den späteren Filmen THUNDERBALL (1965), YOU ONLY LIVE TWICE (1967) und THE MAN WITH THE GOLDEN GUN (1974) wieder. Neben der Verwendung von Pre-Title-Sequences, die fortan jeden neuen James Bond Film eröffnen werden, steht auch der Vorspann ganz im Zeichen von Kontinuität und Weiterentwicklung. Die Title Credits des Films werden auf den sich rhythmisch bewegenden Körper einer Bauchtänzerin projeziert. Diese Sequenz von Title Designer Robert Brownjohn wirkt um einiges eleganter als die Credits von DR. NO, selbst wenn der sogenannte "Titelsong", gesungen von Matt Munro, erst am Filmende erklingt. Apropos Kontinuität - im Abspann von FROM RUSSIA WITH LOVE sind erstmals die berühmten Worte "James Bond will return" zu lesen...
  • Wertungen
  • Story
    4,0
    Musik:
    1,5
    Unterhaltung:
    3,0
    Anspruch:
    3,5
    Spannung:
    3,5
    Darsteller:
    4,5
    Gesamt:
    4,0
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