Das fünfte Jahr für Harry, Hermine und Ron bricht auf der Zauberschule Hogwarts an. Doch zunächst heißt es noch: Sommerferien. Die sind für Harry alles andere als erfreulich, muss er sich doch mit seinen ungeliebten Verwandten, den Dursleys herumschlagen. Und nicht nur mit denen, denn eines Nachmittags werden Harry und Dudley Dursley von zwei Dementoren, furchtbare Dämonen, angegriffen. Um sich und seinen Cousin zu verteidigen, zaubert Harry – und begeht damit einen fatalen Fehler. Denn es ist Zauberschülern unter 17 Jahren verboten, in Gegenwart von Muggles (=Normalsterblichen) zu zaubern. Unter dem Zaubereiminister Cornelius Fudge (Robert Hardy) kommt es zum Schauprozess, Harry soll aus der Zunft ausgeschlossen werden. Nur dem Einsatz von Direktor Albus Dumbledore (Michael Gambon) hat er es zu verdanken, dass dies nicht geschieht. Eins ist klar: Der dunkle Lord Voldemort ist erneut erstarkt und auf Konfrontationskurs. Doch zunächst droht der Schule ein ganz anderes Übel: Professor Dolores Umbridge (Imelda Staunton) hat nicht nur eine zuckersüße Art und eine hohe Affinität zur Farbe pink, sondern ist von Fudge eingeschleust worden, der befürchtet, Dumbledore würde seine Autorität untergraben. Schon bald macht sich Umbridge bei allen unbeliebt: Sie will eine Schulreform und kann sie, dank der Unterstützung von „ganz oben“ auch durchsetzen. Der Unterricht verkommt zur Theoriestunde und in der großen Halle häufen sich die Anschläge, die Hausmeister Filch auf Drängen der bald schon neuen Direktorin von Hogwarts aufhängen darf. Harry und seine Freunde formieren indessen schon heimlich „Dumbledores Armee“ – in einem Geheimraum bereiten sie sich auf den Ernstfall vor.
Von der Fröhlichkeit und der bisweilen auch Naivität der ersten Teile ist im neuesten Harry Potter nicht mehr viel zu spüren. Stattdessen herrscht eine düstere Atmosphäre vor. Teil 5 bleibt aber vor allem frei von „aha“-Momenten. Er regt nicht zum Staunen an, sondern spult lediglich seine Geschichte ab. Ein mehrere hundert Seiten dickes Buch in etwas über zwei Stunden Filmlaufzeit unterzubringen ist dabei natürlich eine undankbare Aufgabe und so bleiben auch einige Fragen offen, die Entwicklung mancher Charaktere ist sprunghaft. Als Beispiel soll hier nur die wohl berühmteste Szene aus dem Film genannt werden, welche bereits im Vorfeld durch alle Medien huschte: Die Kussszene zwischen Harry und Cho (Katie Leung) – ach wie süß und ach wie niedlich, aber danach lässt er sie doch einfach fallen und spricht kaum mehr mit ihr. So als wäre nichts gewesen. Nicht sehr jovial, der junge Mann.
Mit David Yates wurde zudem ein Regisseur verpflichtet, der zwar über reichlich prämierte TV- Erfahrung verfügt, aber die Vorzüge der großen Leinwand nicht besonders für sich einschätzen kann. Über weite Strecken ist Harry Potter und der Orden des Phönix sehr „fernsehmäßig“ inszeniert. Er vermag es auch nicht, aus den Schauspielern glanzvolle Leistungen herauszuholen, worunter natürlich die Kinderdarsteller am meisten zu leiden haben. Emma Watson, für den ersten Teil noch mit Preisen überhäuft, bietet eine sehr blasse Performance, was besonders zu Beginn auffällt, wenn sie und Rupert Grint (alias Ron) beide mit aufgesetzt nervösem Blick mit Harry sprechen und sich ständig ansehen, als wollten sie sich die Einsätze geben. Auch Daniel Radcliffe in der Titelrolle ist zwar „gewachsen“, verfügt aber über ein nicht gerade breites Spektrum an Emotionswandlugen.
Schulreform light heißt das eigentliche Thema des Films, der so auch etwas politische Themen anspricht. Zur „Revolution“ kommt es in Hogwarts freilich erst am Schluss, wenn die beiden Weasley Zwillinge ein Feuerwerk in der großen Halle veranstalten. Zuerst kommt es zur Diktatur in pink: Imelda Staunton (die vor drei Jahren als Vera Drake verblüffte) spielt die zuckersüße und doch eiskalte neue Professorin, die keinen Hehl daraus macht, dass sie auf Geheiß des Ministers in Hogwarts ist und sämtliche Lehr- und Umgangsformen für nicht besonders orthodox empfindet. Wer nicht hören will muss fühlen, das bekommt Harry gleich in der ersten Stunde schmerzhaft zu spüren.
Um die Special Effects ist es einigermaßen gut bestellt: Zwar sieht der Flug durch London bei Nacht zu Beginn des Films extrem gekünstelt aus, doch der fulminante Showdown vermag optisch einiges rauszureißen, wenngleich er sowohl in Setting als auch in Aufmachung etwas stark an ein Lichtschwertduell in Star Wars erinnert. Die Musik von Nicholas Hooper bleibt unauffällig im Hintergrund und kann mit den pompösen John Williams Melodien der ersten Teile (ja, Soundtrack Nr. 4 ist von Patrick Doyle) nicht mithalten.
FAZIT: Düster, düsterer, Harry Potter. Der fünfte Teil hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck und läuft nach wenig überraschenden Mustern ab. Schauwerte sind großteils nicht vorhanden, vor allem die Jungdarsteller scheinen etwas im Stich gelassen. Trotzdem: Die Geschichte ist einigermaßen spannend, es passiert immer etwas neues, man fühlt sich selten gelangweilt. Von Harry Potter und der Halbblutprinz, der nächstes Jahr erscheinen soll, und wieder von David Yates inszeniert wird, erwarte ich mir jedoch nicht besonders viel.
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