Gegensätzlicher können Stilrichtungen nicht sein. In Francois Ozons 5 x 2 oder Die Zeit die bleibt, lässt der Regisseur die Geschichte für sich sprechen und hält seine handwerklichen Fähigkeiten in einer zurückhaltenden Form. In ANGEL jedoch setzt er auf ein prunkvolles Szenario, grelle bunte Farben und jede Menge Kitsch. Die Anfangs Credits erstrahlen in süßen Rosa und Außenaufnahmen werden fast zur Gänze vor auffallenden Montagen gedreht so das der Zuseher sofort diese Absonderlichkeit für sich entdeckt. Diese Tatsache könnte als Hommage an frühere Werke dieses Genre zu werten sein. Eventuell versteht es Francois auch als eine übertrieben wirkende persönliche Technik, denn er verfolgt dieses Ziel konsequent. Seine Charakter spielen ihre Rollen in einem leicht übertriebenen Stil. Seine Liebenden küssen sich unter Regenbögen und der orchestrale Score übertrifft dieses Spektakel mit seinen Geigen. Fast ist man geneigt auf kleine rote Herzchen zu warten die es langsam vom Himmel regnen könnte.
Trotzdem regiert in diesem Drama nicht der Kitsch sondern wartet gleichzeitig mit einer sehr zeitgemäßen Geschichte auf. Denn im Hintergrund verbirgt sich wohl bewusst die Situation das es sich bei der Titelheldin um eine Figur handelt, die nichts besonderes kann. Jedoch ist etwas in ihr das sie bei ihrem Umfeld und in der Öffentlichkeit Interessant macht. Die Parallele zu heutigen Nichtskönnerinnen, die trotzdem berühmter und, vor allem vermögender sind, als Personen die in ihrem Leben etwas vollbracht, geleistet oder geschaffen haben. Der Hype der sie unverdient aber dennoch an die Spitze der Popularität treibt, diesen Eindruck vermittelt auch ANGEL die frühreife aber selbstsichere Göre dieses Werkes. Der Ansatzpunkt, diese Aspekte in Zusammenhang dieser Geschichte zu verbinden ist eine gewagte aber gelungene Komponente.
Sam Neill spielt Theo den Verleger mit einer gewissen Zurückhaltung. Scheinbar ist sein Charakter in ANGEL verliebt, aber mit dem Wissen sie nie bekommen zu können. Dennoch versucht er sie mit seinem Engagement zu beschützen. Charlotte Rampling mimt die Gattin des Verlegers. Sie weiß über die geheime Leidenschaft ihres Mannes ohne jedoch einzugreifen. Leider wird ihr Part ihrer Persönlichkeit in keiner Weise gerecht. Die Entdeckung des Filmes ist die 25 jährige Romola Garai, die als ANGEL eine Jugendliche perfekt in Szene setzt. Ihre Kunst ist mit ihren Gesten und ihren frechen Ausdruck zu überzeugen. ANGEL ist keine sympathische Person. Sie ist überheblich, fordernd und besserwisserisch. Diese Zerrissenheit zwischen dem Guten in ihr und ihrer besagten Nachteile glaubhaft zu spielen stellte sie vor einer großen Herausforderung. Aber der Versuch gelang und sie passt durchaus in das von Francois Ozon vorgegebene Ambiente. Ein großer Pluspunkt ist die prachtvolle Dekoration, Ausstattung und Kostüme. Auch die Sets und die überaus melodiösen Kompositionen.
Fazit.
Für Liebhaber von Sinn und Sinnlichkeit oder Stolz und Vorurteil wird ANGEL ebenfalls für sich entdecken. Es könnte sich bei diesem Film durchaus um einen typischen “ Frauenfilm “ handeln, der aber auch für das männliche Geschlecht schöne optische Bilder bietet.
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