David Finchers Verfilmung der beispiellosen Mordserie, welche die USA Ende der 60er Jahre erschütterte, ist nicht die erste Adaption des brisanten Stoffes: Bereits DIRTY HARRY (1971), aus dem auch ein kurzer Filmausschnitt in einer Kinoszene gezeigt wird, verweist indirekt auf die „Zodiac“-Morde. Auch in Fernsehserien wie NASH BRIDGES oder MILLENNIUM haben sich durch die Verbrechen inspirieren lassen. Und 2005 erschien Alexander Bulkleys Verfilmung des Stoffes. Finchers Film hält sich dabei ziemlich penibel an das Buch, welches Robert Graysmith, der auch mit Shane Salerno am Drehbuch arbeitete, zu Beginn der 90er Jahre veröffentlichte. ZODIAC hat somit fast schon den Charakter einer Dokumentation – was dem Film nicht unbedingt gut tut: In seiner nüchternen Erzählweise haucht er seinen Charakteren kaum so etwas wie eine Seele ein. Die darstellerischen Leistungen sind zwar in Summe okay (wobei Robert Downey Jr. natürlich sämtliche Sympathien für sich gewinnt, einfach nur weil er ist, wie er ist), bewirken aber kein nachhaltiges Gefühl.
Überhaupt – Stichwort Erzählweise – vermittelt der Film eher den Eindruck, in einer Fernsehserie a la AKTE X oder 24 zu sitzen: Anstrengend sind vor allem die Unterbrechungen und Texteinblendungen: „Sieben Stunden später“, „Acht Tage später“, „Vier Jahre später“ – Finchers Film lässt eigentlich nur selten die Unterschiede, die er mit diesen Zeitsprüngen macht, erkennbar werden (dass sich Gyllenhaal nach vier Jahren mit einem drei Tage Bart wachsen hermumläuft, sei mal ausgenommen). Virtuos lässt er lediglich in bester KOYAANISQATSI- Manier ein Jahr verstreichen, indem er den Bau eines Wolkenkratzers in Zeitraffer darstellt – einer der wenigen Aha-Momente des Films. Die sind zwar vorhanden, lassen sich aber an einer Hand abzählen. Dass jedem einigermaßen geübten Zuschauer klar sein sollte, dass ein Teenagerpärchen allein an einem See in einem Serienkillerfilm die Szene nicht überleben sollte, stellt zwar kein echtes Problem dar, ist aber der Spannung nicht weiter zuträglich. Auf die verzichtet der Film, der sich doch eigentlich dem Thriller Genre zuordnet, leider viel zu oft. Es überwiegt eine kühle und trockene Schilderung der Fakten.
Auf der „Haben“-Seite kann ZODIAC durchaus die Tatsache verbuchen, den Charme der 70er Jahre perfekt eingefangen zu haben: Ob das Großraumbüro des Chronicle, die Musik aus den Autoradios, die Kinos, die Straßen – alles das erzeugt ein audiovisuell stimmungsvolles Gesamtbild. Schön ist auch die handlungsbedingte Bezugnahme auf GRAF ZAROFF – GENIE DES BÖSEN.
Ob dies allerdings die beinahe schon exorbitante Länge des Films (158 Min) fesseln kann, sei leider ebenfalls wieder dahingestellt. Insgesamt ist ZODIAC nämlich viel zu seelen- und spannungslos. Denn der Film bietet wohl nur dem informierten Publikum entsprechende „Unterhaltung“ – vermag aber Menschen, die von der Materie keine oder nur wenig Ahnung haben, nicht in den Bann zu ziehen. Entsprechendes Vorwissen können sich Interessenten anhand der oben bereitgestellten Links aneignen.
FAZIT: Von David Finchers neuem Meisterstück abzuraten, wäre wohl etwas zu viel des „Guten“, jedoch sollte man einiges an Sitzfleisch und Vorwissen in den Kinosaal mitbringen und sich mit der nüchternen Erzählweise anfreunden können!
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