Querschläger -----
Ohne Zweifel ist die Story von SHOOTER ebensowenig neu wie innovativ. Letztendlich kann man sie bequem auf bekannte Komplottgeschichten und altbewährte "Einer-gegen-Alle" Muster reduzieren. Dennoch erstaunt Antoine Fuqua's neuer Actionthriller, inmitten typischer Genremuster, durch überaus direkte, durchgängige und gezielte Kritik am politischen Amerika seit 9/11. Es scheint so als ob selbstkritische Blicke in den Spiegel nicht mehr nur dem anspruchsvollen Hollywoodfilm (SYRIANA, GOOD NIGHT AND GOOD LUCK) vorbehalten bleiben. Mittlerweile, und das ist das eigentliche Novum des Films, senken sich Unmut und Selbstzweifel am American Way of Life selbst in die inhaltlichen Niederungen des Mainstream Actionkinos. Durchaus bemerkenswert für ein Genre, das üblicherweise dem Kinobesucher jedweden zusammenhängenden Gedankengang zugunsten des Entertainmentgehalts verbietet. Einerseits ist SHOOTER ein Mainstream Actionthriller, der sich in typischen Genremustern bewegt und demnach kaum mit handlungstechnischen Innovationen aufwarten kann. Andererseits ist der Film jedoch ein direkter, überaus gezielter Blattschuss auf die Bush Administration. Diese Inhalte machen SHOOTER zweifelsfrei zum erfrischenden Querschläger im amerikanischen Actionkino.
Enemy mine -----
Handwerklich ist SHOOTER überaus solide inszeniert. Die Kamera fängt einige gute Bilder ein, der Schnitt ist dem Genre angemessen, ohne mit aufgesetzten Stakkatos über die Stränge zu schlagen. Der Film ist, trotz einiger genrebedingten Übertreibungen, meist bodenständig und überzieht seinen Actionhero nicht zum völlig unglaubwürdigen Superman. Obwohl sich Antoine Fuqua bemüht eine konstante Spannungskurve beizubehalten, schleichen sich ab und zu kleine Durchhänger ein. Manche davon kann das Drehbuch durchaus mit subversiven Dialogzeilen über den American Way of Life kaschieren, andere bleiben jedoch als solche stehen. Der Unterhaltungswert von SHOOTER bleibt aber meist ungefährdet, selbst wenn man als Zuseher einige Leerläufe in Kauf nehmen muss. Dafür entschädigen die Performances von Mark Wahlberg und der Riege der hervorragenden Bösewichter Danny Glover, Elias Koteas und Ned Beatty. Ungeachtet seiner politischen Querschläger ist SHOOTER ein Film, der zwar Altbekannte Handlungsmuster wieder aufwärmt, aber solide genug inszeniert ist um über zwei Stunden hinweg unterhalten zu können. Speziell dann, wenn der Betrachter an den richtigen Stellen etwas Geduld und Nachsicht mitbringt. Inhaltlich hingegen ist SHOOTER ein sehr offensichtlicher Frontalangriff auf die Bush Regierung. Für ein europäisches Publikum dürfte der Film somit zweifellos eines der wenigen inhaltlichen Highlights im Sumpf des meist debil-patriotischen Mainstream Actionkinos made in Hollywood darstellen.
Shoot your government! -----
SHOOTER bohrt ganz offensichtlich und gezielt in jenen Wunden, welche die Bush Regierung in den letzten Jahren hinterlassen hat. Die Hauptfigur wird mit patriotischen Slogans geködert und letztendlich genau damit zum leicht manipulierbaren Lemming gemacht. Als sich Bob Lee Swagger dagegen zu wehren beginnt, ist es bereits zu spät. Betrogen, verfolgt und hinters Licht geführt wird er immer weiter in die Enge getrieben. Drahtzieher ist der mächtige Senator Charles F. Meachum, der mit selbstbewusster Impertinenz verkündet, dass die Rechte Einzelner keine Rolle mehr spielen in einem Land, dessen Verteidigungsminister sich ungestraft ins Fernsehen stellen kann und mit Hilfe einer hörigen Medienlandschaft den Irak Krieg als quasi-humanitäre Befreiungsaktion darstellen kann. Dem Genre angemessen geht SHOOTER hierbei nicht unbedingt sehr subtil vor, die Aussagen und politischen Zeitbezüge springen einem nahezu von der Leindwand her an und lassen keinen Zweifel am gestörten Verhältnis, das der Drehbuchautor offensichtlich mit seinem Government pflegt. Die Simplifikation des Actionmovie Plots erreicht im Finale einen überaus köstlichen Höhepunkt, als der Film de facto den Rachemord an Senator Meachum legitimiert. Manchmal sollte es demnach legitim sein, unliebsame Polit-Verbrecher erschießen zu dürfen. Mit etwas Humor betrachtet ist SHOOTER damit endlich einmal ein Actionmovie, das inhaltlich auch Sinn macht. *fg*
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