-Schatten der Vergangenheit
Verhoeven war stets fasziniert von der düsteren Vergangenheit seiner Heimat. So durchleuchtete er diese mit kritischem Blick schon in Filmen wie etwa Die weiße Rose. In dieser Dokumentation geht er äußerst feinfühlig und geschickt mit dem Thema um: Denn während in vielen anderen Filmen das Problem sehr polemisch und subjektiv „untersucht“ wird, versucht Verhoeven es tatsächlich das komplexe Thema von verschiedenen Seiten zu analysieren. Hierzu dürfen sowohl Historiker und Verwandte als auch Zeitzeugen und rechtsextreme Personen zu Wort kommen – obwohl es bei der letzten Gruppe leichte Probleme gab, da sie vor ihrer Führung das Schweigegelübde abgelegt hatten. Besonders interessant war der Bericht, den der damalige Unteroffizier Rudolf Mössner abgeben hat. Dieser be(r)ichtet von den Gräueltaten, die die Wehrmacht wirklich betrieben hatte. Dank solch einer Vielfalt an verschiedenen Personen lässt sich das Ergebnis, das Verhoeven hier auf die Leinwand zaubert, mehr als nur sehen: Endlich ist eine Dokumentation entstanden, die diesem äußerst dramatische und auch komplexen Thema gerecht wird.
-Ungeschminkte Wahrheit
Verhoeven komponiert seine Filme in einer schönen Art und Weise, spielt sich gerne mit den Farben und benützt wohltuende Einstellungen. Doch hier hält er sich gänzlich zurück. Er versucht die Wahrheit so zu zeigen, wie sie ist, ohne dabei auf verspielte Kompositionen zu setzen. Die Gesichter stehen bei den Gesprächen fast immer im Vordergrund, wodurch sich der Zuseher gänzlich auf diese konzentrieren muss. Besonders die Augen sind hervorgestochen, denn man weiß ja: Die Augen sind der Spiegel der Seele.
Aber Verhoeven beweist auch so seine Regiequalitäten. Er schafft es auf sehr einer feinfühligen und subtilen – manchmal gar sarkastischen – Art das Archivmaterial mit seinen gefilmten Szenen zu kombinieren. Ein roter Faden zieht sich deutlich durch den Film. Dieser beginnt bei der Opferrolle des „unbekannten Soldaten“, schlängelt sich langsam durch die grausamen Jahre des Krieges und endet schließlich bei dem Geständnis des Unteroffiziers.
Neben der Regie ist auch die Musik eher gering eingesetzt worden. Sie soll den Interessierten nicht beim Sehen und Verstehen der Fakten stören. Deshalb besitzen nur einige kleinere Szenen – meist Archivaufnahmen – eine dezente musikalische Untermalung, und selbst dann ist sie stark in den Hintergrund getrieben.
An diesem Ansatzpunkt hat sich leider auch ein Kritikpunkt eingeschlichen: Denn wenn das Geschehen langsam vor sich hin plätschert, und weder Regie noch Musik das zu verhindern versucht, muss der Zuseher doch manchmal gar ein müdes Gähnen unterdrücken.
-Adaption
Dieser Film ist eindeutig eine sehr gute Abhandlung des Themas, doch man fragt sich ab und zu doch, ob er wirklich notwendig gewesen wäre. Denn er scheint bei dem Impuls der Ausstellung Verbrechen der Wehrmacht zu beginnen, versucht stets aus dem Schatten dieses Monumentes sowohl in östliche als auch in westliche Gefilde zu fliehen, doch kann er sich nicht losreißen. Dadurch ist und bleibt er ein Film zu einer Ausstellung, und man scheint besser beraten sich die Vorlage anzuschauen.
Fazit:
Eine sehr gute Abhandlung des polarisierenden und kritisierten Themas, die leider aber teilweise etwas langsam wird.
EDIT (21.04.2007): DVD-Forum.at präsentiert euch ein exklusives Interview mit Michael Verhoeven - nachzulesen unter obigem Link! Viel Spaß dabei!
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