Der Pfarrer Ivan weiß ganz genau, dass in jedem Menschen etwas Gutes steckt. Böses ist einfach nur die Versuchung des Teufels. Diese Grundsätze versucht er auch all seinen Schäfchen in der Kirche beizubringen – meist Kriminelle auf Bewährung. Ivan gelingt es, alle zu knacken und sie zum Guten zu führen. Khalid war früher ein Tankstellenräuber, Gunnar war ein Alkoholiker, schon seit Jahren sind die beiden unter den Fittichen des Pfarrers und führen ein Leben des Guten. Adam heißt sein neuer Schützling. Ein Neonazi, der diesen Fakt auch nicht vertuschenswert findet. So nimmt er gleich am ersten Tag das Kreuz in seinem Zimmer runter, hängt ein Abbild Hitlers stattdessen hin und der Einzug des Teufels beginnt. Adam will Ivan beweisen, dass es auch Böses gibt. Doch der Pfarrer lässt sich nicht verwirren. Im festen Glauben verankert fragt er, was Adams Ziel ist: Einen Apfelkuchen backen…
- Der Teufel im Psychodrama
Es gibt hunderte filmische Werke und mindestens doppelt so viele literarische Texte, die sich diesem Thema gewidmet haben, aber keiner hat es geschafft in einer solch witzigen Art und Weise den Teufel sowohl aus der christlichen Sicht als auch aus der psychologischen zu zeigen wie dieses Filmchen aus der Dänemark. Zunächst treibt sich der Film auf den Spuren der Geschichte um Hiob herum. Durch den Charakter Ivan wird uns ein Mensch gezeigt, der nie einen glücklichen Moment erlebte und doch stets glücklich lebt. Genau hier versucht Adam einzuharken, der den Gesandten des Bösen darstellt, den Vernunftmenschen. Dieser sieht so offensichtlich wie auch die Zuseher in welchen Übel Ivan eigentlich lebt. Im Laufe des Films lernt dieser die Umgebung Ivans kennen: Alkoholiker, Triebtäter, Räuber, ehemalige Nazis – kurzum das Gesindel des Gesellschaft. Diese Kombination lässt uns sofort rund 500 Seiten in der Bibel weiterblättern: Wir finden Jesus. Interessante Fragen kommen auf: War der Messias doch nur ein kleiner Gutmensch, der alles durch die rosaroten Brille betrachtete? Sind wir geblendet durch das Eigenbild, das uns in einzelnen Büchern beschrieben wird, dass wir das wahre Fremdbild dieser Person nicht mehr sehen können? Wenn wir den Film weiterbetrachten, wird auch die Relation des Paradieses in Frage gestellt. Aber mindestens ebenso interessant sind die Charakterentwicklungen der beiden Protagonisten, die bei beiden zu einer immer dichter werdenden Klimax verlaufen.
So verlässt man das Kino mit dem Kopf voller Fragen: Was ist gut? Was ist schlecht? Was ist das Paradies?
- Symbolisch, diabolisch und rabenschwarz
Um solche Themen zu bearbeiten führt der Regisseur hier alle Register des Teufels an: Von Raben über den Apfel bis hin zum Kreuz. So spielt sich Regisseur Jensen auf gekonnte Art mit Übergangsblenden und Wiederholungen. Er lässt den Apfelbaum gekonnt zum Kreuz umwandeln, die Würmer symbolisch zur Schlange werden und täglich den Teufel durch die Glocken austreiben - das Bildnis Hitlers, das jeden Morgen herunterfällt. Durch derlei zeigt der Regisseur die Welt Ivans, der hinter jedem Schatten den Teufel vermutet – wobei auch der Zuschauer zunehmend durch die symbolhaltige Regie auf diese Spur verleitet wird. Das I-Tüpfelchen setzt aber Autor und Regisseur Jensen dem Film durch den abartig guten Humor auf. Er setzt Himmel und Hölle in Bewegung um die tiefsten menschlichen Bedürfnisse bösartig und doch liebenswert zu persiflieren.
- Ein himmlischer Cast
Neben dem Autor / Regisseur legt aber auch fast die gänzlich überbleibende Crew eine sehr gute Figur hin. Die Musik ist sehr eindringlich und untermalt schön die düsteren Bilder – aber manchmal wirkt der Score doch etwas redundant. Die Darsteller sind größtenteils sehr gut gewählt und besonders die beiden Hauptdarsteller passen wie (Dr.)Faust(us) aufs Auge. Ihr Spiel spielt wirkt sogar bei den Stellen, die etwas überdreht sind, natürlich und realistisch. Sie bilden neben dem ausgezeichneten Drehbuch das Herzstück des Films.
Fazit:
Ein grandioser Film über Versuchung, Paradiese und Apfelkuchen.
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