Regisseur Antonin Svoboda erzählt in seinem Film IMMER NIE AM MEER ein völlig abgedrehtes groteskes Kuriosum. Aber genau solch ungeheure absurden kleinen Geschichten braucht der Endverbraucher um sich erfolgreich vom Mainstream befreien zu können. Dieses kleines österreichisches Werk hebt sich wohltuend vom Blockbuster ab und beweist das viel Geld nicht von Nöten ist. Drei Männer in einem Auto; kann das einen Abendspielfilm füllen ? Ja es kann funktionieren, vorausgesetzt das Drehbuch bietet interessante Kost für 90 Minuten. Und die gebuchten Darsteller zeigen durchgängig Charakter und bieten trotz Platzmangel ihre Intelligenzen. Dieser zuletzt genannte Umstand entwickelt sich mit Fortdauer des Film als enorm wichtige Eigenschaft. Denn wird die gespielte Person langweilig funktioniert der ganze Film als solches nicht mehr. Das würde Stillstand bedeuten und für das Werk den Tod. Das Leerlauf nicht zum Thema wurde, dafür sorgte Antonin Svoboda. Er vermischt seine kuriose Geschichte mit einem ganz anderen Materie, nämlich mit Tierversuche. Nur das seine Protagonisten keine Hamster, Mäuse oder Ratten sind, sondern unsere drei Hauptdarsteller die in ihren Käfig gefangen gehalten werden. Sie wirken wie Versuchskaninchen die gedenken am Leben zu bleiben. Ihr Instinkt verleitet sie im richtigen Moment genau das Falsche zu tun. Das Drehbuch verlangt das unsere Helden im Gegensatz zur Tierwelt nicht über das richtige Näschen verfügen um schneller ihr Hindernis zu überwinden. Eine Maus die durch das Labyrinth den exakt richtigen Weg einschlägt und ihr Ziel auf schnellsten Weg findet. Davon sind unsere Haudegen meilenweit entfernt.
Wie funktioniert IMMER NIE IM HIMMEL ? Nun ja, beginnend würde der Zuseher auf eine Komödie tippen mit satirischen Einschlag. Aber je länger der Film dauert um so mehr bleibt der Witz auf der Strecke und das Lachen im Halse. Die gehobenen Mundwinkel rasen mit schneller werdenden Geschwindigkeit nach unten und noch kurzem vernommene Gekicher wird zu geräuschlosen Schlucken. Die Komödie weicht dem Drama mit einem nicht zu übersehenden Sarkasmus. Zwar gibt es noch dank der wirklich geglückten Besetzung der eine oder andere Wortwitz, dennoch ist die Tiefe der Tragödie greifbar. Auch die gespielte Unbeholfenheit wirkt nur zu Beginn komisch. Danach bleibt nur noch die Selbstironie der Figuren die alles andere als witzig endet.
Christoph Grissemann, Dirk Stermann und Heinz Strunk stellen die Antihelden auf genüssliche Weise dar. Sie verlassen sich auf ihr Gespür mit ihrer wahren Stärke zu punkten. Ihr Wortwahl und ihr richtiges Timing, das Richtige im bestimmten Moment wieder zu geben. Sie lassen die Körpersprache völlig außer acht und agieren fast ausschließlich Hals aufwärts. Dabei ist Mimik und Wortwitz von enormer Bedeutung und trifft dadurch ins Schwarze. Ihre Verzweiflung, die sie erst langsam selbst begreifen, ist realistisch wenn auch etwas fragwürdig. Denn ihr Worte prägen von Intelligenz, ihre Handlungsweisen nicht. Die wirken im Gegensatz naiv und schlecht durchdacht. Das deckt die Schwächen des Films geringfügig auf. Der Zuseher könnte beginnen nachzufragen und nach und nach Fehler in der Konstruierung der Geschichte entdecken. Dieser Umstand und nachweislich kleinem Manko tut der instruktiven Darstellung aber keinen Abbruch.
Abschließend stellt sich natürlich die Frage für welches Publikum IMMER NIE AM MEER gemacht wird. Dem Liebhaber der Komödien könnte er zu seriös erscheinen. Dem Fan des Dramas wiederstrebt seine Witzigkeit. Vielleicht findet sich das richtige Publikum im Kreise der Kabarettszene ? Unbestritten sei dennoch erwähnt das sich eine Eintrittskarte zu kaufen für diesen kleinen österreichischen Film tatsächlich lohnt!
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