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This Film Is Not Yet Rated

  • Informationen zum Film
  • This Film Is Not Yet Rated

  • Originaltitel:
    This Film Is Not Yet Rated
    Genre:
    Dokumentation
    Produktionsländer:
    UK, USA
    Produktionsjahr:
    2006
  • Inhalt
  • Die MPAA (Motion Picture Association of America) ist eine amerikanische Organisation, die (u. a. ) auch für die Klassifizierung von Filmen in bestimmte Altersfreigaben verantwortlich ist. Folgende Freigaben ("Ratings") stehen zur Verfügung:

    G - General Audiences (freigegeben für alle Altersstufen)
    PG - Parental guidance suggested (Begleitung eines Erwachsenen empfohlen)
    PG-13 - Parents strongly cautioned (nicht geeignet für Kinder unter 13 Jahre)
    R - Restricted (unter 17 Jahren nur in Begleitung eines Erwachsenen)
    NC-17 - No one under 17 admitted (Jugendverbot unter 17 Jahren)

    Die Altersfreigabe der MPAA kann über den finanziellen Erfolg, bzw. Misserfolg, eines Films entscheiden. So dürfen Filme mit einem NC-17 Rating beispielsweise nicht im Fernsehen beworben werden, viele Kinos weigern sich solche Filme ins Programm zu nehmen und die größte Videothekenkette der USA ("Blockbuster") nimmt diese Filme grundsätzlich nicht ins Verleihprogramm auf. Einfach gesagt gilt ein NC-17 Rating gemeinhin als Kassengift, weswegen die großen Filmstudios ihre Regisseure im Regelfall vertraglich verpflichten eine Schnittfassung abzuliefern, die ein R Rating erhält. Um ihre kommerziellen Interessen zu wahren machen die Studios fast alles für ein R Rating, die Filme werden dafür meist entscheidend gekürzt bzw. entschärft. Das betrifft gleichsam die Kunstwerke renommierter Regisseure wie z. B. Stanley Kubrick (EYES WIDE SHUT), den Hollywood Mainstream (BASIC INSTINCT) sowie unzählige Horrorfilme.

    Der Dokumentarfilm THIS FILM IS NOT YET RATED beleuchtet die Vorgehensweise der MPAA, hinterfrägt auf kritische Weise ihre Urteile (Altersfreigaben) und versucht herauszufinden, warum die MPAA die Namen ihrer Filmbewerter geheim hält. Weiters beschäftigt sich der Film mit dem Thema Filmzensur und gibt Einblick in die (für Europäer manchmal etwas seltsam anmutenden) moralischen Wertvorstellungen der Amerikaner.
  • Filmkritik
  • Sittenbilder -----
    THIS FILM IS NOT YET RATED beginnt mit Filmausschnitten, welche von der MPAA ausschlaggebend für ein NC-17 Rating waren. Wer jetzt glaubt hier derbe Sex oder Gewaltszenen vorgesetzt zu bekommen ist am Holzweg. Es handelt sich primär um erotische Szenen aus Filmen wie THE COOLER (Wayne Kramer, 2003), Stanley Kubrick's EYES WIDE SHUT (1999), WHERE THE TRUTH LIES (Atom Egoyan, 2005), Paul Verhoeven's BASIC INSTINCT (1992), sowie Trey Parker's skurriler Puppenfilm TEAM AMERICA: WORLD POLICE (2004), wie wir sie in Europa ohne Probleme im TV-Hauptabendprogramm sehen können. Alle erwähnten Filme wurden übrigens für die US-Kinoauswertung gekürzt bzw. optisch zensiert (EYES WIDE SHUT). Die Dokumentation beschäftigt sich mit der Frage warum Sexszenen üblicherweise von der MPAA weitaus strikter behandelt werden als Gewaltszenen. Während Maria Bello's Schamhaare, die ca. 1-2 Sekunden im Film THE COOLER gezeigt werden, Grund genug für ein NC-17 Rating darstellen, sind Dutzende Tote in diversen Actionmovie Shoot-Outs offenbar kein Problem für die MPAA. Sie erhalten meist ohne große Schwierigkeiten das begehrte R Rating. In die gleiche Kerbe schlagen auch einige RegisseurInnen, welche in vielen Interviews nicht verstehen können warum eine erotische Liebesszene "schlimmer" sein soll als Mord und Totschlag. "What are we train our children for?" fragt Regisseur Darren Aronofsky (REQUIEM FOR A DREAM) fassungslos. THIS FILM IS NOT YET RATED nimmt sich viel Zeit um ein zutiefst konservatives Verhältnis der Amerikaner zur Sexualität zu dokumentieren und mit Statistiken sowie vielen Interviews zu untermauern. Das Problem scheint sich noch weiter zu potenzieren, wenn es sich dabei um gleichgeschlechtlichen Sex handelt. Auch diesen Faktor illustriert Regisseur Kirby Dick eindrucksvoll, indem er heterosexuelle Szenen mittels Split-Screen homosexuellen Filmausschnitten gegenüberstellt. Im wesentlichen sprechen die Bilder dieselbe Sprache, oftmals sind auch die Kameraeinstellungen ähnlich. Der Unterschied, der jedoch daraus seitens der MPAA gemacht wird ist freilich immens...

    Geheimnisse -----
    THIS FILM IS NOT YET RATED versucht die Geheimnisse der MPAA zu ergründen und derer gibt es offenbar viele. So sind z. B. die Namen der Filmebewerter streng vertraulich und werden unter keinen Umständen preisgegeben. Lt. Aussagen von Jack Valenti, langjährigen Vorsitzenden der MPAA, deshalb damit kein Druck auf die Kommission ausgeübt werden kann. Eine bemerkenswerte Position, vergleicht man eine Entscheidung hinsichtlich eines Filmratings z. B. mit den weitreichenderen Urteilen eines Justizbeamten oder Richters... Regisseur Kirby Dick scheut keine Mühen und heuert kurzerhand die Privatdetektivin Becky Altringer an um die anonymen Filmebewerter namentlich zu identifizieren. Die Recherchen von Becky durchziehen den Film wie ein roter Faden. Der Zuseher liegt mit ihr gemeinsam auf der Lauer, registriert Autokennzeichen und darf den Müll der Filmebewerter durchstöbern. Der Ansatz ist zwar durchwegs interessant und spannend subversiv, die Darstellung der Ermittlungen im Film aber vielleicht an manchen Stellen etwas zu sehr strapaziert. Weitaus interessanter wird es, als Regisseur Kirby Dick seine Doku bei der MPAA einreicht um ein Rating zu erhalten. Es folgen einige Telefonate mit Vertretern der Organisation, die dem Zuseher durchaus seltsam erscheinen. Es gibt zwar Begründungen für das zunächst ausgesprochene NC-17 Rating, es mangelt allerdings an spezifischen Richtlinien was für diese Einstufung ausschlaggebend war. Im Berufungsverfahren bemüht sich die MPAA wiederum um strikte Geheimhaltung der Namen der Kommissionsmitglieder und verbietet dem Regisseur in seiner Anhörung Vergleiche mit anderen Filmen anzustellen. Was die Kommissionsmitglieder freilicht nicht wissen ist, dass Privatdetektivin Becky ganze Arbeit leistet und insgesamt 14 der 15 Mitglieder namentlich identifiziert. Primär handelt es sich dabei um hochrangige Persönlichkeiten aus der Branche (Betreiber von Kinoketten, Vertretern namhafter Filmstudios, sowie klerikalen Repräsentanten)...

    The Corporation -----
    Ein weiterer Aspekt der Doku beschäftigt sich mit der Organisation MPAA und deren politischen Einfluss. Ihr langjähriger Vorsitzender Jack Valenti kommt aus der Politik, war langjähriger Lobbyist in Washington und versteht es die Prioritäten der MPAA am politischen Parkett entsprechend zu positionieren. Das reicht vom Rating-System bis hin zum umstrittenen Thema Copyrights, eine Gesetzgebung die in den USA primär den Interessen der großen Filmstudios (Fox, Paramount, Disney, Sony, Warner und Universal) gerecht wird und kaum die Bedürfnisse der Konsumenten berücksichtigt. Weiters illustriert THIS FILM IS NOT YET RATED eine Bevorzugung der genannten Studios im Vergleich zu den Independents. Matt Stone (SOUTH PARK) beschreibt im Interview völlig unterschiedliche Erfahrungen im Umgang mit der MPAA. Während er mit dem Studiofilm TEAM AMERICA: WORLD POLICE (Paramount) spezifische Angaben erhielt, welche Szenen für ein R Rating zu kürzen wären, wurde er mit dem Independent Film ORGAZMO gänzlich im Dunklen darüber gelassen. Hierbei wurde ihm lediglich das Rating, ohne weiteres Kommentar mitgeteilt... Weiters begründet THIS FILM IS NOT YET RATED die Ungleichbehandlung zwischen Major Studios und Independents damit, dass die MPAA die Filmstudios damals bei ihrer Entstehung (1968) durch ihr Ratingsystem von staatlicher Filmzensur bewahrt hat, ein Faktor der heute allerdings nicht mehr zutrifft...

    Fazit: In Summe ist THIS FILM IS NOT YET RATED eine sehr informative Dokumentation, die themenreiche Facetten (Filmzensur, Moralvorstellungen, politische Macht, sowie wirtschaftliche Aspekte) behandelt und dabei meist eine äußerst kritische Betrachtungsweise an den Tag legt. Einzig die Rolle der großen Filmstudios bleibt letztendlich leicht unterbelichtet, einerseits unterstützen sie die MPAA, andererseits leiden sie unter deren Urteilen. Warum eine Organisation, deren Konsultation letztlich unverbindlich bleibt so große Macht über die Filmindustrie ausüben kann, bleibt leider etwas unterthematisiert. Bezeichnend ist aber gerade in dem Zusammenhang die Absenz von Interviewpartnern großer Hollywood Studios, und das lag nicht einmal an den Bemühungen von Doku-Regisseur Kirby Dick....
  • Wertungen
  • Story
    4,5
    Musik:
    1,0
    Unterhaltung:
    3,0
    Anspruch:
    3,5
    Spannung:
    3,5
    Gesamt:
    4,0
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