Clint Eastwood beweist Film für Film welches Talent er tatsächlich besitzt. Er trifft für jedes Werk, das er in Angriff nimmt, die richtige Stimmung. Ein kurzer Auszug beweist diese Anmerkung. Unvorgiven, Firefox, Bird, Mystic River und auch Million Dollar Baby sind von der Seelenlage grundverschieden, aber dennoch unverkennbar im Eastwood Style. Flags of our Fathers und Letters from Iwo Jima nennen sich die nächsten Projekte des Großmeisters. Während der Erste die Sichtweise der Amerikaner um die Schlacht im zweiten Weltkrieg erzählt, wendet Letters from Iwo Jima jene aus japanische Augen an. Eastwood nannte sein erstes Epos als genauer erzählt, da es dafür viel mehr Hintergrundmaterial gibt. Und dieses Projekt gilt es näher zu betrachten.
Flags of our Fathers, stellt sich zum Leidwesen nicht als Kriegepos dar. Vielmehr erzählt seine Geschichte eine Andere. Nämlich eine selbstherrliche , kritische Story, aus amerikanischen Augen. Propaganda über alles nur um seinen Staat im Glauben zu lassen, es sei das einzig wahre Land. Die Zivilisten, Väter und Mütter sollen Kriegsanleihen kaufen und so Geld für den Staat zu scheffeln. Dabei sollen jene Überlebenden dienen die auf diesen besagten und berühmt gewordenen Bild abgelichtet wurden. Helden sind tot und auf der Insel, so ein Zitat aus dem Film. Aber diese Aussage das jene Momentaufnahme wiederspiegelt, entscheidet über die Zukunft des Landes. Alles nötige wird hierfür aufgebracht um die vorherrschende Situation zu verbessern. Auch wenn es erforderlich ist ein Berg voller Lügen aufzubauen und darauf die Flagge zu hissen.
Leider verbraucht diese Struktur, mal Drama mal Krieg, zuviel Fahrt um 132 Minuten interessant zu bleiben. Die Handlungsebenen werden nicht chronologisch, sondern regellos mitgeteilt. Die Charaktere sind durch den chaotischen Schnitt nicht unverschleiert zu betrachten. Clint Eastwood verstand es zwar schöne Bilder zu schaffen, aber nicht den Film als Ganzes veranschaulichen zu lassen. Es entseht eine ruppige Fahrweise auf holprigen Boden, das mit Vordauer zu einer gewissen Ablehnung stößt. Oft erscheint es nicht klar, ob man sich in einer der tausend Rückblenden, oder vielleicht zufällig in der Gegenwart bewegt. Auch die brutalen Kriegsszenen werden durcheinander und nicht einfach verständlich dargestellt. Obwohl diese durch ihre matten Farben und ihren dokumentarischen Stils ergreifend anzusehen sind. Aber, und das kann sehr wohl ebenfalls als Manko angesehen werden, gelten diese Actionszenen nicht als neu. Stanley Kubrick ( Full Metal Jacket ) und nicht zuletzt Steven Spielberg ( Soldat James Ryan ) standen Pate bei derartigen Momenten. Da passt es auch gut wieder einmal erkennen zu lassen das ein Krieg brutal sein kann und unverblümt abgerissene Körperglieder und blutende Gedärme zu zeigen. Alles wie gehabt, nichts Neues Mr. Eastwood !
Auch das Drehbuch lässt nicht zu die filmische Qualität anzuheben und durch etwaige schauspielerische Fähigkeiten glänzen zu lassen. Die Charaktere wirken im höchsten Fall als Beiwerk zum Grundthema. Sie erhalten nicht die geringste Chance und sind im besten Fall als notwendiges Übel anzusehen. Ryan Phillippe und Jesse Bradfords Leistung und deren Talent wird der Zuseher hier vergeblich suchen, obwohl die Beiden aus besagten Gründen von jeder Schuld befreit werden. Warum David Rasche, Robert Patrick und Paul Walker mit Sekundenauftritten bedacht wurden, wird wohl auch ein Geheimnis der verantwortlichen Produzenten bleiben. Nicht zuletzt als klares Defizit erkennbar gilt der minimalistische Score der aus Clint Eastwoods Feder stammt. Was bei Million Dollar Baby noch fantastisch funktionierte, nämlich das Gesamtpaket stimmungsvoll zu unterstützen, schlägt bei dieser Produktion fehl. Fast keine Melodie, wenig Töne mit Klavier oder Gitarre ist für epochale Bilder bei weitem zu wenig.
Dennoch ist bei Flags of our Fathers nicht alles schlecht. Neben der soliden Regieleistung kann das Licht als großes Plus verzeichnet werden. Sehr viele Schattierungen geben mancher Sequenz ein stimmungsvolles Bild. Oft ergibt sich dadurch eine finstere Atmosphäre die sich mit der oft kalten und matten Kameraaufnahmen ansehnlich ergänzt. Die Location, gedreht wurde an Originalschauplätzen, darf ebenfalls als Zusagend abgehakt werden. Clint Eastwood ist insgesamt gesehen kein weiterer Meilenstein auf seiner filmischen Laufbahn gelungen. Aber als gehobener Durchschnitt geht Flags of our Fathers durch. Bleibt zu hoffen das die asiatische Sicht der Dinge, sprich Letters from Iwo Jima, der bessere Film wird und so Eastwood seine Rehabilitation widerfährt.
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