Severin fristet ihr Dasein als Domina. Ihr Freier ejakuliert über ein Pollock Gemälde und das Sperma verliert sich im farblichen Durcheinander. Desinteressiert und auf der Suche nach der zwischenmenschlichen Beziehung fotografiert sie Gesichter mit einem bestimmten Ausdruck. Ihre Verlorenheit findet sie in den Mimiken jener Menschen wieder. Ist ihr Weg vorgezeichnet und ein Weg in die Normalität greifbar, und ist ihre Freiheit nur eine Illusion und lebt deshalb in den Zwängen ihrer Randgruppe ?
Jamie und James leben seit fünf Jahren in einer homosexuellen Beziehung. Während Jamie mit seinem Leben rundum Zufriedenheit ausstrahlt, hegen James enorme Selbstzweifel. Er dokumentiert alles mit einer Videokamera und scheut sich auch nicht beim Masturbieren mit zu filmen. James Ungewissheit treiben ihn in eine Depression, die ihn nicht wissen lässt wie sich seine Zukunft gestalten soll. Auch ist er sich nicht sicher ob eine lebenslange Bekanntschaft mit Jamie sinnvoll erscheint. Dieser Frage nachgegangen besucht das Paar eine Sexualtherapeutin.
Sofia verdient mit ihrem Beruf gutes Geld. Sie ist Sexualtherapeutin und ihre Klientel sind Ehepaare mit sexuellen Problemen. Sofia hütet ebenfalls ein kleines Geheimnis. Sie hatte noch nie einen Orgasmus. Selbst ihr Freund ist sehr bemüht dieses zu ändern, doch hat Sophia ihre Erleuchtung bis dato nicht gefunden. Auf Anraten der “ Jamies “ besucht sie ein spezielles Lokal das sich SHORTBUS nennt.
Justin Bond ist ein Transvestit und Besitzer des SHORTBUS. Hier kann in bunter Gesellschaft gegessen, getrunken, philosophiert, Musik gelauscht, Filme geguckt und Orgien aller Art gefeiert werden. Alles ist erlaubt was Spaß bringt und Justin Bond ist ein famoser Gastgeber. Seine Gäste stellen ein Querbeet der New Yorker Gesellschaft dar. Vom ehemaligen Bürgermeister bis zum Stalker, der sein bestimmtes Ziel verfolgt, sind alle Gruppierungen vorhanden. Für ein buntes Treiben ist gesorgt.
Seit Hedwig and the Angry Inch ( 2001 ) ist Regisseur John Cameron Mitchell kein unbeschriebenes Blatt. Mit diesem Film ist es in Amerika wieder möglich geworden das mit dem Thema Sexualität offener und freizügiger umgegangen werden kann. In SHORTBUS legt John Cameron noch eine Schippe nach und intensiviert diese Materie. Getrost kann der Besucher von einem Pornofilm sprechen. Und, obwohl der Akt in jeder erdenklichen Art drastisch gezeigt wird, und das Grundthema des Films bloß Sex darstellt, ist das “ Geschlechtsausleben “ nicht das Wichtigste. Viel mehr versucht SHORTBUS sich auf einer zwischenmenschlicher Ebene zu verständigen. Es dreht sich die Erde um diverse Randgruppen, sogenannte normale Spezielle, die ihre Freizügigkeit in aller Öffentlichkeit austragen wollen und können. Für Heteros, Homos, Masochisten, Voyeure, Transvestiten bietet sich die Möglichkeit, ihre Vorlieben auf natürliche Art wieder zu geben. Der Regisseur führt behutsam den Betrachter in seine Welt, in ein für unsereins entferntes Milieu. Doch die Seelen der Protagonisten wirken trotz Befremdlichkeit sympathisch, fast rührend. Obwohl sich bei manchen Szenen ein gewisses Unbehagen einstellt, gewöhnt sich Geist und Körper in kürzester Zeit an das Gebotene und konzentriert sich auf die existenziellen Dinge. Der Akt selbst bleibt zwar unentwegt vorhanden, jedoch spielt er mit Fortdauer eine untergeordnete Rolle. Viel mehr vermittelt SHORTBUS ein feines Gespür für diese Welt.
SHORTBUS beginnt mit einer Betrachtung einer animierten Freiheitsstatue. Danach fliegt die Kamera über ein New York aus Pappe mit vielen bunten Fenstern. Einige sind beleuchtet und genau durch jene hellen Öffnungen finden wir Eintritt und sehen Episoden aus Severins, Sophias, James und Jamies Leben. John Cameron Mitchell tätigt in seinem Werk einige Aussagen. Die Sicht auf diese Menschen mit Einwirkung der Freiheitsstatue symbolisiert wohl einen gewissen Freiraum den jeder unter uns braucht, benötigt und auch verdient. Auch die Stromstörungen im Verlauf birgt jene Darlegung das jedes Individuum es wert wäre, seine Erleuchtung zu erlangen, auf die eine oder andere Art. John legt viel wert auf Kleinigkeiten und beweist Liebe zum Detail. Die Geschichte, die er mit den Schauspielern während der Dreharbeiten konzipiert hat, beweist sich als großartig bewegendes Stück.
Die Darsteller sind bis auf wenige Gastauftritte in TV Serien unbekannt. Teilweise handelt es sich um Laiendarsteller. Und diese Protagonisten, insbesondere Severin ( Lindsay Beamish ) und Sophia ( Sook Yin - Lee ) agieren als wären sie schon jahrelang im Film Business. John Cameron Mitchell verlangt nicht viel von seiner Besetzung. Alles geschieht im ausdrücklichen Einverständnis der gesamten Crew. Bloß ihre Natürlichkeit war die einzige Vorraussetzung die sie zum Film Set mitbringen sollten. Und dieses vollbrachten sie mit Leidenschaft, Intensität und unglaubliche Wärme. Bleibt zu hoffen das von nun an ihr Berufleben durch diesen offenenherzigen Film nicht geprägt wird und speziell den oben Genannten noch viele weitere Jobs angeboten werden.
Neben dem selbst geschriebenen Skript war auch die Songauswahl sehr wohl überlegt. Text und Tempo passten sich getreu der jeweiligen Szene an und vermag auf diese Weise zu unterstützen. Auch der Score war einfach gehalten und passte sich dem Stil des Films an. Insgesamt gesehen ist dieser kleine Film SHORTBUS ohne Schwächen, abgesehen vom vielleicht zu lange geratenen Ende.
Fazit:
SHORTBUS stellt den besten pornographischen Film aller Zeiten dar, wenn man ihn als Solchen bezeichnen will. So oder So bleibt er im Gedächtnis und regt zum intensiven Nachdenken an. Ein kleiner Film ganz Groß !
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