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Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders

  • Informationen zum Film
  • Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders

  • Originaltitel:
    Perfume: The Story of a Murderer
    Genre:
    Fantasy, Drama
    Produktionsländer:
    Deutschland, Frankreich, Spanien, USA
    Produktionsjahr:
    2006
    Kinostart Österreich:
    15.09.2006
    Kinostart Deutschland:
    14.09.2006
    Kinostart USA:
    05.01.2007
    Verleiher Österreich:
    Constantin Film
    Verleiher Deutschland:
    Constantin Film
  • Inhalt
  • Jean-Baptiste Grenouille (Ben Whishaw) wird auf dem schmutzigen Boden eines Fischmarkts im Paris des 18. Jahrhunderts geboren. Seine Mutter (Birgit Minichmayr) wollte das Kind einfach liegen lassen, doch Passanten bemerken den Vorfall und das Neugeborene wird vorerst gerettet. Grenouille wächst im Waisenhaus auf, wobei sein außerordentlich ausgeprägter Geruchsinn immer mehr zum Vorschein kommt. Später wird er an den finsteren Gerber Grimal (Sam Douglas) verkauft, der Kinder und Jugendliche als Arbeitskräfte benützt um sein Geschäft zu betreiben. Eines Tages liefert Grenouille gegerbte Felle an den Parfumhersteller Guiseppe Baldini (Dustin Hoffman), dessen Geschäft auch schon bessere Zeiten erlebt hat. Als Grenouille den Duft eines überaus populären Parfums der Konkurrenz vor den verduzten Augen von Baldini herstellt, beschließt er ihn bei sich einzustellen. Grenouilles unglaublich präziser Geruchsinn läßt eine Vielzahl neuer Duftkreationen entstehen, welche Baldinis Geschäft wieder in ungeahnte Höhen bringen. Im Gegenzug erklärt er sich dazu bereit dem jungen Assistenten die Geheimnisse der Duftgewinnung durch Destillation nahezubringen. Baldini ahnt nicht, dass sein gelehriger Schüler ganz andere Intentionen hegt...

    Grenouille zieht es nach Grasse, eine Hochburg der Parfumherstellung. Dort verdingt er sich als Gehilfe und nützt gleichzeitig die erlernten Techniken um sein eigenes, düsteres Ziel zu verfolgen. Grenouille möchte das ultimative Parfum kreieren, indem er junge Mädchen ermordet und deren Geruch in flüssigen Essenzen konserviert. Nachdem er ein Dutzend Morde begangen hat, trennt ihn nur noch die dreizehnte "Zutat" vom perfekten Duft. Doch die hübsche Kaufmannstochter Laura (Rachel Hurd-Wood), welche er dafür im Sinn hat, wird von ihrem besorgten Vater (Alan Rickman) aus der Stadt gebracht. Grenouille nimmt die Verfolgung auf - ohne Laura ist seine makabre Parfumkreation nicht vollständig...
  • Filmkritik
  • DAS PARFUM gibt sich alle Mühe die unterschiedlichsten Gerüche visuell umzusetzen, vom schmutzigen Fischmarkt, über dampfende Abfälle bis hin zu frischen Früchten, Unmengen von Rosen und natürlich das eindrucksvolle Duftinventar des Parfumherstellers Baldini. Der Film zeigt fast permanent Bilder, welche bestimmte Geruchsassoziationen beim Betrachter hervorrufen sollen. Darüber hinaus folgt die Kamera unsichtbaren Duftströmungen, schleicht den Gerüchen von Personen oder Objekten sanft nach, schwebt über imaginären Duftwolken, oder fliegt rasant von Geruchsquellen direkt auf extreme Close-Ups der Nase zu, wobei tiefes Einatmen langsam aber stetig die Tonspur für sich vereinnahmt. Regisseur Tom Tykwer (LOLA RENNT, DER KRIEGER UND DIE KAISERIN) knüpft mit akribischer Präzision ein dichtes Netz aus optischen Suggestionen, die eine in sich geschlossene, kinematographische Geruchswelt transportieren, welche für den Betrachter erschließbar ist. Der Film ist ein intensives Experiment in Geruchsvisualisierung, welches die Grenzen des Mediums gekonnt vom scheinbar Möglichen auf das vermeintlich Unmögliche ausdehnt. DAS PARFUM ist der Film, mit dem das Kino riechen lernt!

    Die filmische Adaption des Romans von Patrick Süskind glänzt durch wunderschöne Bilder, die es einerseits verstehen ein konsistentes, thematisches Konzept zu etablieren, andererseits jedoch auch das Umfeld der handelnden Figuren einzufangen vermögen. Das beklemmend inszenierte Paris des 18. Jahrhunderts ist voll düsterer Schatten, die von den schmutzigen Straßen Besitz ergreifen zu scheinen. Inmitten von Blut, Schleim und Gedärm eines ekelhafen Fischmarktes wird Grenouilles geboren, Jahre später begeht er in der Nähe seinen ersten Mord. Bereits das erste Bild des Films, als Grenouilles Gesicht sich langsam aus der ihn umgebenden Dunkelheit schält, positioniert seine abgründige Düsterkeit. Zunächst wird seine Gesichte aus der dritten Person erzählt, bald wird diese Erzählweise jedoch durch wiederkehrende, subjektive Erzählmechanismen untergraben. Daraus ergibt sich eine deutlich erkennbare Ambivalenz, die einerseits Sympathien für Grenouilles erzeugt, aber seine Figur gleichsam abstoßend erscheinen läßt. Eine Balance, die Ben Whishaw in seiner Teils unschuldigen, Teils bedrohlichen Darstellung gekonnt zur Geltung bringt und damit weiter instensiviert. Grenouilles wird nicht zum platten Filmbösewicht dämonisiert, sondern wandelt eher am schmalen Grat zwischen weltfremden Genie im Reich der Gerüche und dem systematisch destruktiven Wahn eines Mörders, den er sowohl auslebt, als auch auf eine Umwelt projeziert. In beiden Sichtweisen bietet der Film reichhaltige und vielschichtige Charakterisierungen, für die auch entsprechend viel Zeit aufwendet wird. DAS PARFUM liefert sich zu keiner Zeit typischen Genremustern eines Killer-Thrillers aus, sondern inszeniert die titelgebende "Geschichte eines Mörders" als substanzielles Drama, das vordergründig spannende Effekthascherei großteils negiert.

    Einer der wenigen nachhaltigen Störfaktoren des Films ist zweifellos der Off-Erzähler (in der englischen OV gesprochen von John Hurt), dessen Kommentare oftmals so unpassend sind, dass er seine Existenzberechtigung bereits sehr früh verliert. Als beispielsweise ein Haus zusammenbricht, werden die Bilder vom Erzähler mit den Worten "das Haus stürzt ein" kommentiert. Angesichts der sonst hervorragenden Umsetzung ein handwerklicher Schnitzer gröberen Ausmaßes. Glücklicher Weise werden diese Erzähler-Sequenzen jedoch nur sehr spärlich eingesetzt, sodass der Film insgesamt nicht wirklich darunter leidet. Die hervorragende Ausstattung, die Vielzahl vorzüglich gestalteter Kostüme, die überaus durchdachte Kameraführung, der eloquente Schnitt und die hervorragende Filmmusik bieten genug Substanz um kleine Unzulänglichkeiten, wie z. B. ein allzu offensichtliches Matte Painting (gemalter Bildhintergrund), vergessen zu machen. Insgesamt gesehen ist der Film ohne Zweifel eine herausragende Regiearbeit, die sich in zwar in opulente Bilder hüllt, diese aber nicht visuell überfrachtet, sondern genug Zwischenräume für den Zuseher offen läßt, um darin eigene Phantasien spielen zu lassen. DAS PARFUM ist ein wunderbar ausgeführter Spagat, es ist Arthouse-Kino mit kommerziellen Appeal. Es bleibt einerseits narrativ und thematisch nachvollziehbar, bietet jedoch andererseits genügend inhaltlichen und formalen (Sub)Text um auch komplexere Sichtweisen einzuladen. In beiden Fällen befindet sich der Zuseher in einem einzigartigen Reich der Sinne...
  • Wertungen
  • Story
    5,0
    Musik:
    4,5
    Unterhaltung:
    4,0
    Anspruch:
    4,5
    Spannung:
    3,5
    Darsteller:
    4,0
    Gesamt:
    4,5
    Verfasst von:
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