Serpents over the Rainbow -----
Filme deren pointierte Titel gleichsam als Inhaltsangabe taugen, lösen bestimmt ein verschmitztes, wohlwollendes Lächeln bei jenen Filmfreaks und Moviebuffs aus, die irgendwann einmal voller Leidenschaft in filmische Subkulturen vergangener Tage abgetaucht sind und dabei haarsträubende B-Movies wie PLAN 9 FROM OUTER SPACE (1959), SOMETHING WEIRD (1967), THE WORM EATERS (1977), oder BASKET CASE (1982) zu Tage gefördert haben. Wer jetzt mit nostalgisch verklärtem Blick an die muffigen, kleinen Kinosäale und die schlechten VHS-Kopien diverser Trash- und B-Movies seiner / ihrer Teenagerjahre denkt, hat den Film(titel) SNAKES ON A PLANE intuitiv richtig eingeordnet und eine entsprechende Erwartungshaltung aufgebaut. Doch selbst an offenkundigen B-Movies geht die Zeit nicht spurlos vorbei. Während das klassische B-Movie vor ein paar Jahrzehnten noch von unbekannten Regisseuren und Darstellern bevölkert wurde und sich die Budgets dafür oftmals im Rahmen eines besseren, mehrwöchigen Familienurlaubs bewegten, ist selbst diese Art Film mittlerweile von Hollywood annektiert worden. Die B-Movies des neuen Millenniums werden mit zweistelligen Millionenbeträgen finanziert, mit zumindest einem Star (Samuel L. Jackson) besetzt und bedienen sich der gleichen Marketingpropaganda wie großbudgetierte Blockbuster. Ist ihr naiver Charme damit für alle Zeiten dahin, oder schafft es auch Hollywood mit einem Augenzwinkern so dermaßen schlecht zu sein, dass es schon wieder Spaß macht? Betrachten wir also gemeinsam SNAKES ON A PLANE als aktuelles Fallbeispiel...
Call me Snake -----
In der ersten Filmhälfte macht SNAKES ON A PLANE fast alles richtig. Die simple Story wird innerhalb von ein paar Minuten aufgebaut und gibt sich gar nicht erst Mühe die mannigfaltigen Plotholes zu kaschieren. Mit Affentempo ins Flugzeug zu den Schlangen, das ist hier die klare Devise. Immerhin ist bereits nach den ersten 15 Minuten offensichtlich, dass selbst ein 10-jähriger die Logik des Films mit nur einer einzigen, kritisch gestellten Frage zum Einsturz bringen kann. Recht so! Durch die temporeiche Erzählweise, den fast schon köstlich schlechten Humor und die klar erkennbare Tatsache, dass sich der Film selbst nicht ernst nimmt, liegt die erste Hälfte von SNAKES ON A PLANE absolut auf Kurs. Das Gesamtbild wird durch eine, beinahe schon akribische Anhäufung billiger Genreklischees und die Unzahl haarsträubender Dialoge entsprechend ergänzt. Damit penetriert SNAKES ON A PLANE im Stakkato die Grenzen des schlechten Geschmacks und ist dabei sogar meist kurzweilig und unterhaltsam. Als dann auch noch die Schlangen im Flugzeug in Erscheinung treten und pfeilschnell die Passagiere attackieren, schwingt sich der Film zu einem logisch zwar desaströsen, deshalb aber nicht minder liebenswerten und unterhaltsamen Höhepunkt auf, den er mit fortlaufender Spieldauer nie mehr erreichen wird können. Pikantes Details am Rande: Während andere Filme in Punkto Gewaltdarstellungen für den Endschnitt oftmals abgespeckt werden, wurde SNAKES ON A PLANE nachträglich aufgefettet und mit nachgedrehten Szenen von "PG13" (US-Freigabe "ab 13") auf ein "R-Rating" (US-Freigabe "ab 17") getrimmt. Das macht SNAKES ON A PLANE keinesfalls zum Splatter-Epos, aber für ein paar hübsch widerwärtige Details nimmt sich der Film durchaus Zeit. Die Qualität der Spezialeffekte ist dabei jedoch sehr unterschiedlich. Während die optischen bzw. mechanischen Effekte überwiegend gut funktionieren, lassen die teilweise furchtbaren CGI-FX doch einiges zu wünschen übrig. Ob man dieses Faktum als Zuseher wohlwollend dem immanenten B-Movie Flair von SNAKES ON A PLANE zurechnet, oder im Kontext ähnlich schlechter Effektszenen im gut sieben Mal so teuren Blockbuster PIRATES OF THE CARIBBEAN: DEAD MAN'S CHEST sieht, ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Ansichtssache...
Schlangenlinien -----
Leider vermag es SNAKES ON A PLANE nicht, speziell im letzten Drittel, an jenen Charme anzuknüpfen, der den Film über weite Strecken getragen hat. Irgendwann kommt dem Film sein Tempo abhanden, und der vormals bewusst lakonische Dialogwitz gerät ins Stocken. Er orientiert sich im Finale zu sehr an gängigen Mustern des Mainstream Kinos, verspielt dadurch einen guten Teil seiner B-Movie Menthalität und kippt letztendlich allzu sehr in den Bereich eines schlechten Hollywood Films. Die Figuren und auch die Story werden so grenzenlos übertrieben, dass sie sich damit nur allzu offenkundig in ein typisches Muster gängiger Blockbuster einreihen. Ein wirkliches B-Movie hätte sich an dieser Stelle ziemlich sicher nicht auf die "Alles-wird-gut-Menthalität" verdaulicher Massenkost eingelassen, sondern mit Pauken und Trompeten ein Ende inszeniert, dass dem Zuseher - in welcher Form auch immer - im Halse stecken bleibt. Spätestens hier verläuft die Trennlinie zwischen klassischen B-Movies, welche sich manche von uns in ihren Teenagerjahren angesehen haben, und dem Hollywood B-Movie von heute. Trotz vieler guter Ansätze verfällt SNAKES ON A PLANE leider allzu offensichtlich in eine Darstellung, die nur mehr wenig mit seiner eigentlichen Intention gemein hat. Die Frage warum man sich über 70 Minuten hinweg soviel Mühe gibt ein Hochglanz B-Movie zu inszenieren, nur um sich in den letzten 30 Minuten den Sehgewohnheiten des Massenpublikums an den Hals zu werfen, prägt letztendlich den Gesamteindruck des Films. Damit begeht SNAKES ON A PLANE einen nicht wieder gut zu machenden Fehler - es setzt sich exakt zwischen die Stühle! Wirklichen B-Movie Liebhabern wird der Film letztendlich deutlich zu kommerziell orientiert sein, wohingegen selbst Mainstream Fans vermutlich eine weitaus zu einfältige Story konstatieren werden, und damit wohl kaum zu großen Begeisterungsstürme zu bewegen sind...
Fazit: Das Experiment "B-Movie à la Hollywood" ist einmal mehr gescheitert. SNAKES ON A PLANE ist bestenfalls ganz nett...
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