Verwaschene Grüntöne, ein blassblaues Gesicht, düstere Schatten... eingehüllt in verschwimmende, unscharfe Konturen im feinen Sprühregen der Rasensprenger. Die Bilder von LADY IN THE WATER wirken geheimnisvoll verschleiert und lassen dem Betrachter Raum für Vermutungen und Erwartungen. Scharfe Farbkontraste finden sich eher selten, statt dessen wird gekonnt mit Unschärfen gespielt und das Wasser zum durchgängigen, visuellen Thema des Films stilisiert. In wohl dosiertem Maß lässt der renommierte Kameramann Christopher Doyle (2046, RABBIT-PROOF FENCE, HERO) Images regelrecht verschwimmen, oder durch feinsten Sprühregen atmosphärisch vernebeln. Viele Bilder wirken mysteriös, die Konturen sind ungefestigt, fragil und scheinen ineinander überzugehen. Die eigentliche Spannung von LADY IN THE WATER liegt in seiner exquisiten Bildersprache, die maßgeblich für die geheimnisvolle Stimmung des gesamten Films verantwortlich zeichnet, ohne sich dabei aufdringlich im Mittelpunkt zu positionieren. Die ästhetische Bilderwelt des Films wird, wie alle anderen Filme des Regisseurs auch, von einem subtilen, einfühlsamen und wunderschönen Score von Komponist James-Newton Howard begleitet. Zusammen ergibt das einen stimmungsvollen Film, der sowohl optisch, als auch akustisch sehr gut komponiert wirkt.
LADY IN THE WATER hätte ohne Zweifel das Potenzial gehabt, sich mit anderen Werken des Regisseurs, wie z. B. THE SIXTH SENSE, oder THE VILLAGE gleichzusetzen, doch leider kann die Handlungsebene von LADY IN THE WATER hier nicht ganz mithalten. Der Film gibt bereits im Prolog etwas zu viel Informationen preis, ein Faktor, der sich bereits kurze Zeit später rächt. Es dauert etwas zu lang, bis die handelnden Figuren den Informationsvorsprung des Zusehers eingeholt haben. Doch selbst dann leistet sich der, sonst überaus geschickte Erzähler Shyamalan, den einen oder anderen Schnitzer. Die Sinnhaftigkeit so mancher, handlungstechnisch aufwändiger Szenen, kann vom aufmerksamen Rezipienten durch ein paar simple Details ins Wanken gebracht werden. Kleine, aber beharrlich auftretende, dramaturgische Inkonsistenzen torpedieren die Glaubwürdigkeit der Geschichte und letztendlich ist es dem Film auch nicht sehr förderlich wenn das titelgebende "Mädchen auf dem Wasser" kaum spricht und meist den Eindruck vermittelt, dass sie absolut keine Ahnung davon hat was um sie herum vorgeht. Das ist auch in der eher unspektakulären Performance von Bryce Dallas Howard (THE VILLAGE, MANDERLAY) zu erkennen. Sie ist nach wie vor eine sehr gute Schauspielerin, doch ist die Rolle der "Lady in the Water" nicht unbedingt eine Figur mit der sie glänzen und ihr Potenzial ausschöpfen kann. Paul Giamatti kommt hier um einiges besser zur Geltung und Regisseur Shyamalan, der diesmal eine größere Rolle spielt als zuletzt in THE VILLAGE, ist als Regisseur offenkundig beeindruckender, denn als Schauspieler...
LADY IN THE WATER ist ein Märchen, eine Gute-Nacht-Geschichte mit etwas naivem Charme und ein paar gruselig inszenierten Bedrohungen. Inhaltlich und stilistisch fügt er sich aber nahtlos in das Gesamtwerk von M. Night Shyamalan ein, obwohl er im direkten Vergleich mit seinen anderen Filmen insgesamt am schwächsten abschneidet. Wer den Regisseur primär aufgrund seines unverkennbaren Stils schätzt, ist auch mit LADY IN THE WATER gut bedient, wenn auch mit kleinen Abstrichen. Wer hauptsächlich eine gut erzählte Geschichte sehen will, könnte ob der teilweise gekünstelt wirkenden Dramaturgie etwas enttäuscht sein. In beiden Fällen zählt LADY IN THE WATER aufgrund seiner insgesamt immer noch soliden Inszenierung durchaus zu den sehenswerten Filmen, der große Wurf ist es jedoch mit Sicherheit nicht.
Kommentare
Um einen Kommentar verfassen zu können müssen Sie sich einloggen. Sollten Sie noch keinen DVD-Forum.at Account haben, registrieren Sie sich bitte hier.