Als ich HARD CANDY zum ersten Mal sehen durfte, wusste ich nicht so recht worauf ich mich einlasse. Die Story war mir mehr oder weniger bekannt, aber eigentlich hab ich mir den Film alleine aufgrund der Empfehlung eines Freundes angesehen. Zu dieser Zeit war Ellen Page noch ein unbeschriebenes Blatt für mich und auch Patrick Wilson war zu diesem Zeitpunkt bei weitem nicht so bekannt wie er es heute ist. Möglicherweise haben sich diese praktisch nicht vorhandenen Erwartungen zusätzlich auf mein Erleben des Films ausgewirkt, denn der traf mich überraschend - und zwar so richtig.
Kaum zu glauben, aber selbst nach der gut 5. Sichtung gelingt ihm das nach wie vor. Woran das liegt ist an einigen wenigen Faktoren festzumachen: Einerseits ist es die Alltäglichkeit der Situation die einem den Film so nahe bringt. Es wird, zumindest im Grunde, ein Problem thematisiert das heute wohl so existent ist wie noch nie zuvor - in diesem Fall allerdings wird der Spieß umgedreht. Andererseits lebt der Film einfach von seinen beiden Darstellern - ja, bis auf den ein oder anderen Statisten sind nur die beiden (Ellen Page und Patrick Wilson) zu sehen. Dass das nicht in Langeweile ausartet wird durch ihre beeindruckenden Darbietungen verhindert. Ellen Page hat mir zwar auch schon in anderen Filmen gefallen, doch in HARD CANDY spielt sie meiner Meinung nach die Rolle ihres (bisherigen) Lebens - souverän, überzeugend und für ihr Alter unglaublich glaubhaft. Für manche mag das Handeln ihres Charakters vielleicht etwas weit hergeholt sein, doch ich selbst habe schon einige Erfahrungen mit Jugendlichen gemacht und halte das bei weitem nicht so abwegig wie es auf den ein oder anderen vielleicht wirken mag - und genau das packt mich ja auch am Film. Auch Patrick Wilson spielt grandios, auch wenn er über lange Zeit nicht viel zu tun hat als "hilflos" zu spielen, gerade in den kleinen Feinheiten in Mimik, Gestik und schlichtweg der Verkörperung merkt man was er damit bewirken kann.
Wie der Inhalt seinen Lauf nimmt ist genial, denn es gelingt bravourös den Spannungsbogen immer intensiver werden zu lassen, bis am Ende der große Höhepunkt erreicht wird - das übrigens gehört zu den wenigen Enden, die ich sicher nicht mehr vergessen werde. Auch die Optik des Films trägt wohl maßgeblich zu seiner Atmosphäre bei. Sehr kalt, steril und mit durchdachter Farbwahl hat man hier genau das Richtige gemacht.
HARD CANDY ist ein mitreißender und authentischer Thriller mit genialen Darstellern - modernes Thrillerkino at its Best!
9/10 datierte Fotos
David Slade ein frischer Name in der Filmkunst. Aber er dürfte wohl auch zu einem gängigerem werden. Sein Debüt Film Hard Candy hat für grosses Aufsehen gesorgt, aber nicht zuletzt wegen Ellen Page’s Darstellung. Danach folgten 30 Days of Night, eine prima Idee, aber eine etwas schwache Umsetzung meiner Meinung nach, aber darüber lässt sich streiten. Nun Drehte der gerade Eclipse, der dritte Teil der Twilight Saga. Somit dürfte er einen Durchbruch geschafft haben, mit welchem er Geld für weiterführende Projekte erhalten sollte.
Jeff Kohlver (Patrick Wilson) ist ein Alleinstehender Fotograf. 32 Jahre alt, gut aussehend und begnadeter Fotograf. Doch nicht nur Fotos von Landschaften oder schönen Models inspirieren seine Arbeit, sonder auch andere Dinge.
In einem Internetchat Forum trifft er Hayley Stark (Ellen Page). Sie hat im Chat gelogen was ihr alter betrifft. Als nun der 32 Jährige nach 3 Wochen chatten sich erstmals Life begegnen ist der Fotograf von der Jungen und attraktiven Teenagerin angetan. Schnell bemerkt er, dass sie sehr intelligent und ein offener Mensch ist.
Nun fordert Hayley Jeff auf sie zu sich nach Hause zu nehmen. Nach einem Drink bei ihm zuhause muss Jeff nun mit einer Matscheibe den nächsten Morgen begrüssen. Er bemerkt, dass er von ihr betäubt wurde und anschliessend an einen Stuhl gefesselt.
Hayley konfrontiert Jeff nun damit, dass er ein pädophiler Kinderschänder sei. Um zu verhindern, dass er weitere Kinder misshandeln sollte will sie ihn nun Kastrieren. Jeff findet diese Idee oder diese Art spielchen gar nicht lustig. Er probiert sich nun mit Lügen und Wahrheiten zu retten, also vielmehr seine Männlichkeit zu retten.
Was er aber nicht weiss, ist, das Hayley nicht mit sich Diskutieren lässt. Nun redet er sich um seine Eier und sein Leben.
Der Film ist sehr stark aufgebaut. Beginnt sehr ruhig und lässt dann den Zuschauer mit Jeff leiden. Man selbst ist gerade zu anfangs sehr hin und hergerissen, wer nun der Böse und wer der Gute im Spiel ist.
Wenig Drehorte machte den Film zu einer billigen Produktion, was man aber nicht merkt, denn was gedreht wurde, ist einfach Top. Alle geben ihre 120% und sind voll dabei aus der Geschichte aller herauszuholen. Und dies tun sie meiner Meinung nach auch vollkommen.
Grundsätzlich besitzt Slades Werk alles, was man von einem guten Psycho-Thriller erwartet: Eine kleine Anzahl an Kulissen sorgt für eine dichte Atmosphäre, die wenigen Darsteller lassen eine tiefe Charakterzeichnung zu und die leicht sterile Optik gibt dem Ganzen einen etwas abweisenden, dennoch hervorragend passenden Touch. Der für eine solche Handlung nahezu klischeehafte Einstieg mit einem Chatfenster lässt noch nicht erahnen, was bereits 20 Minuten später auf den geneigten Zuschauer wartet - wenn man das Wort "Lionsgate" im Vorspann ließt, kommt zwangsläufig der Gedanke an "Saw". Und tatsächlich, als sich der männliche Protagonist an einen Stuhl gefesselt wiederfindet, lassen sich, wie auch im weiteren Verlauf, einzelne Einflüsse definitiv nicht leugnen. Bereits das Grundprinzip der Selbstbestrafung durch den Täter kennen wir aus dem Siebenteiler bereits zur Genüge. Dennoch kann man hier keine weitreichenden Vergleiche ziehen - Blut fließt nahezu keines, fast alles baut auf der psychologischen Wirkung der angedeuteten Aufnahmen auf, welche den Zuschauer auch gerne mal auf eine böse Art und Weise veräppeln.
Die wirklich budgetfreundliche Kulisse wird mit einer sehr schönen, nahezu Argento-mäßigen Beleuchtung präsentiert - ganze Räume inkl. Ausstattung in ein und derselben Farbe, wechselnde Farbfilter im Bild selbst, alles Elemente, welche einst den italienischen Großmeister berühmt machten und auch heute und hier in ihrer etwas dezenteren Ausführung absout zu überzeugen wissen. An den darstellerischen Leistungen gibt es ebenfalls nichts auszusetzen - Ellen Page nimmt man die berechnende Psychopathin auf jeden Fall ab und Patrick Wilson weiß in seiner häufig eher passiven Opferrolle trotz eingeschränkter Möglichkeiten dennoch zu brillieren, wenn auch seine Handlungen nicht immer gänzlich nachvollziehbar scheinen.
Den einzigen Wehrmutstropfen bildet dagegen das Ende. Ich bin zwar allgemein nicht der größte Fan von offenen Enden (passt nur bei wenigen Filmen), doch hier kommt dieses zudem noch viel zu schnell. Erst über 1,5h ein schleppender Aufbau mit konstanter Spannung, dann ein knapper, finaler Dialog mit angedeutetem Selbstmord und ZACK - Ende. Diesen über die gesamte Spielzeit aufgebauten Spannungsbogen hätte man gerne etwas langsamer entladen dürfen - wenn alle Vorgänge teilweise über 5 Minuten hinweg ablaufen und dann plötzlich 4 Szenen in der selben Zeit untergebracht werden, so wirkt das im Gesamtbild ein Wenig überstürzt.
Insgesamt gibt es an "Hard Candy" also wenig zu kritisieren, dennoch aufgrund des sehr abgekürzten Endes einige Abzüge.
7,5 (8)/10
Der selbständige Fotograf Jeff lernt im Chat die 14jährige Hayley kennen. Bei ihrem ersten Treffen ist er sofort fasziniert von dem intelligenten und schlagfertigen Teenager. Gemeinsam fahren sie in Jeffs Wohnung, um ein wenig Musik zu hören und über die Fotografie zu plaudern. Doch als sich Jeff auf einem Stuhl gefesselt wiederfindet, ändert sich alles…
Meine Kritik:
David Slade hätte bei seinem Regiedebut kein heißeres Eisen anfassen können: Pädophilie und Selbstjustiz. Das eine solche Kombination oft das Aus für jeden ernstzunehmenden Film darstellt, liegt auf der Hand. Doch Slade geht das Thema extrem sensibel an und verzichtet hierbei auf jegliche Formen der exploitativen Darstellung.
In kalten, sterilen Bildern inszeniert er ein perfektes Katz- und Mausspiel zwischen Page und Wilson. Beide Hauptdarsteller glänzen durch ihre intensive Darstellung.
Die Kamera ist immer ganz nah bei den Charakteren, was das Kammerspiel umso intensiver macht. Slade begeht hier nicht den Fehler die Rollen sofort eindeutig zu verteilen, was bei der Thematik sehr schnell passieren kann. Es gibt immer wieder Phasen im Film, indem man sich fragt: Wie krank ist Jeff? Wie verrückt ist Hayley?
Zu Beginn des Films hat man eine ganz klare Meinung: Jeff ist ein Perverser, der sich mit einem Mädchen trifft, dass sich im Chat Thongrrrl14 nenn. WTF? Dann dieses süffisante Flirten mit dem Mädchen. Der Zuschauer hasst Jeff und es wäre ein Leichtes ihn nun jetzt als den Bösewicht darzustellen und ihn so richtig leiden zu lassen. Jedoch würde dies dann eher in die unliebsame Richtung eines x-beliebigen Torture-Porns gehen.
Aber Slade verunsichert clever den Zuschauer, indem er ihn zweifeln lässt, nur um dann wieder mit neuen „Beweisen“ zu kommen: ein Wechselbad der Gefühle. Geht Hayley hier zu weit? Haben wir Jeff richtig eingeschätzt?
Das Ende begräbt jedoch jegliche Fragen nach Jeffs Unschuld, denn diese ist nicht existent.
Was dem Film leider die etwas die Intensität nimmt.
Anstatt dem Zuschauer mit der Frage nach der Legitimation alleine zu lassen und die Frage zu stellen, ob Schuld vielleicht auch immer eine subjektive Komponente besitzt und dies eine Selbstjustiz problematisch erscheinen lässt, beseitig Slade durch Jeffs Geständnis alle Fragen und damit jegliches Potential der Auseinandersetzung.
Dennoch bleibt Hard Candy ein überaus intensives Kammerspiel mit tollen Darstellern, vergibt durch das Ende aber etwas von seinem enormen Potential
8 / 10
Manche Themen sind so brisant das eine Verfilmung dazu wirklich schwer ist. Doch wir kennen das alle, es ist ständig in den Medien, doch wirklich damit befasst wird sich nie. Es wird immer nur billig und extrem reißerisch gezeigt. Es geht um das Thema das Älter Männer sich im Internet Junge Mädchen angeln und sich dann auch mit ihnen treffen. Nun in „Hard Candy“ geht es eigentlich um genau das. Doch der Film ist anders, er beginnt wirklich so als ob wir erleben wie die beiden sich anfreunden. Dabei wirkt das Mädchen sogar ganz klar auf den Typen zu stehen, doch schon in seiner Wohnung schlägt die Stimmung um, sie will mehr als er will. Doch dabei will er dominieren. Doch dann passiert die 1. Wendung und wir fragen uns, wer von den beiden ist eigentlich der Böse.
David Slade hat mit „Hard Candy“ einen Film geschaffen, der ein Kammerspiel ist, der Film spielt zum größten Teil in einem Haus und besteht nur aus den 2 Personen Ellen Page und Patrick Wilson liefern sich hier ein Psychoduell ab was unglaublich intensiv ist. Denn Ellen Page liefert hier ein 14 Jähriges Mädchen ab was total verrückt zu seinen scheint, doch dann kommen immer wieder Wendungen und die Meinungen schwanken. Ist der Charakter den Patrick Willson hier spielt wirklich so ein Kranker Perversling oder doch nicht? Wir erleben Gespräche und erleben mit wie hier das Junge Mädchen den Mann an Rande des Wahnsinn treibt. Dann kommt es zu Szenen die wirklich weh tun wenn man ein Mann ist. Das tut beim zuschauen wirklich zu, dort tut einem der Mann sogar etwas leid, weil man halt nie sicher ist, ob er wirklich der ist, für den wir ihn halten sollen. Das alles Gipfelt in einem Finale was schockierend ist und doch offen, wir werden mit Fragen zurück gelassen und müssen nachdenken, man kann nicht einfach so den Film abhaken und gut ist. Nein wir müssen drüber nach denken.
Auch kommt eines vor als ob wir hier erleben wie Rotkäppchen mit dem bösen Wolf kämpft, denn Ellen Page trägt ja nicht um sonst immer die Rotekappe auf dem Poster oder auch im Film. Doch ist der böse Wolf wirklich so Böse?
„Hard Candy“ ist wirklicher harter Realistischer Stoff, ein Psychothriller der spannend und beklemmend ist. Vor allem die Leistung von Ellen Page muss hervorgehoben werden.
Kommentare
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