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Das Leben der Anderen

  • Informationen zum Film
  • Das Leben der Anderen

  • Originaltitel:
    Das Leben der Anderen
    Genre:
    Thriller, Drama
    Produktionsland:
    Deutschland
    Produktionsjahr:
    2006
    Kinostart Österreich:
    17.08.2006
    Kinostart Deutschland:
    23.03.2006
    Verleiher Österreich:
    Buena Vista Home Entertainment
    Verleiher Deutschland:
    Buena Vista Home Entertainment
  • Inhalt
  • Ost-Berlin (DDR), 1984: Der Schriftsteller und Bühnenautor Georg Dreyman (Sebastian Koch) gilt als linientreu, außerdem ist er sehr erfolgreich. So erfolgreich sogar, dass er selbst "im Westen" Beachtung findet und das, obwohl er in seinen Stücken keine Systemkritik übt, wie Oberstleutnant Anton Grubitz (Ulrich Tukur) sarkastisch feststellt. Dennoch ist der Dramatiker Minister Bruno Hempf (Thomas Thieme) ein Dorn im Auge. Die Gründe dafür sind allerdings nicht politischer, sondern vielmehr persönlicher Natur. Hempf pflegt nämlich ein heimliches Verhältnis zur Schauspielerin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck), der Lebensgefährtin von Dreyman. Minister Hempf nützt seine Machtposition und setzt Oberstleutnant Grubitz auf Dreyman an, um belastendes Material über den Künstler zu beschaffen. Grubitz beautragt in dieser Angelegenheit den Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe), mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verbindet. Durch Hauptmann Wiesler hält der gesamte Überwachungsapparat der Staatssicherheit Einzug in Dreymans Wohnung. Seine Telefonate werden abgehört, Videoüberwachung wird installiert, die gesamte Wohnung mit "Wanzen" ausgestattet und jede noch so unbedeutend erscheinende Aussage des Autors wird von Wiesler im penibel geführten Überwachungsprotokoll schriftlich festgehalten. Doch Fehlanzeige! Dreyman ist offenbar wirklich linientreu, wie der Stasi-Spitzel Wiesler im Zuge seiner Überwachungen feststellen muss. Während der Druck von Oberstleutnant Grubitz, der sich von der gezielten Demontage des Künstlers einen Karrieresprung erwartet, auf Wiesler größer wird, entwickelt der Stasi-Überwacher langsam Symphatien für Dreyman. Als er dann auch noch dahinterkommt, dass Dreyman nur deshalb unter Beobachtung steht weil sich Minister Hempf seinen unliebsamen Nebenbuhler vom Hals schaffen will, beginnt er die Überwachungsprotokolle zu Gunsten des Autors zu fälschen. Die Situation spitzt sich zu als Dreyman, nach dem Selbstmord eines befreundeten Regisseurs, der ein Opfer des DDR-Regimes wurde, beginnt sich gegen das politische System aufzulehnen. Für den Stasi-Mann Wiesler beginnt eine Gratwanderung, bei der nicht nur das Leben von Dreyman und seiner Lebensgefährtin, sondern auch sein eigenes auf dem Spiel steht...
  • Filmkritik
  • DAS LEBEN DER ANDEREN besticht hauptsächlich durch drei Dinge: Das hervorragendes Drehbuch, die einfühlsame Regie und die mehr als nur sehenswerten Darbietungen der SchauspielerInnen. Regisseur und Drehbuchautor Florian Henckel-Donnersmarck macht es sich inhaltlich nicht einfach. Sein Script verzichtet in geradezu wohltuender Art und Weise auf plumpe Schwarz- / Weißmalerei, seine Figuren - ganz besonders der Stasi-Hauptmann Wiesler - stellen einen tiefgründigen Exkurs in die unterschiedlichsten Grauzonen dar. Vorweg wird Wiesler als kaltschnäuziger, gewissen- und gefühlloser "Systemzombie" dargestellt, der in Verhören keine Skrupel kennt und der Überwachungsaufträge mit pedantischer Genauigkeit ausführt. Durch die Observation von Dreyman wird Wiesler jedoch all das vor Augen geführt was er selbst nicht hat. Sein armseeliges Leben besteht primär darin andere zu verhören, zu überwachen und zu verfolgen. Sein Leben ist das titelgebende "Leben der Anderen". Er hat keine echten Freunde, keine Hobbies und darf es schon als Highlight betrachten wenn er Abends Besuch von einer Nutte bekommt, die gerade noch genug Zeit hat ihn zwischen zwei anderen Kunden zu bedienen. Im Verlauf des Films wird immer deutlicher, dass es hinter der scheinbar kühlen und emotionslosen Mimik von Wiesler zu brodeln beginnt. Die emotionelle Reise der Figur wird von Ulrich Mühe mit beeindruckender Intensität auf den Punkt gebracht. Obwohl er in seiner Darstellung äußerst sparsam mit Gefühlsregungen jedweder Art umgeht, erlaubt er dem Zuseher genug Einblick in seine inneren Konflikte und trägt maßgeblich dazu bei den Film in jenen existenzialistischen Grauzonen anzusiedeln, die das Drehbuch gekonnt thematisiert.

    DAS LEBEN DER ANDEREN beschreibt das politische Regime der ehemaligen DDR als hochgradig paranoides Spitzel- und Kontrollsystem, in dem kaum Luft zum Atmen bleibt und der Staat sich mit effizient strukturierter Machtausübung bis ins kleinste Detail des Privatlebens seiner Bürger pirscht. Nur allzu leicht wäre es gewesen die Figuren des Films in Gut und Böse einzuteilen, strikt zwischen Täter und Opfer zu trennen und die Symphatien des Publikums trotzdem mit Leichtigkeit für sich zu vereinnamen. Florian Henckel-Donnersmarck geht jedoch weitaus subtiler, überlegter und vielschichtiger an den Film heran und lässt sowohl Täter als auch Opfer langsam miteinander verschmelzen. DAS LEBEN DER ANDEREN macht überdeutlich sichtbar, dass selbst Leute wie der Stasi-Mann Wiesler in gewisser Weise zu den Opfern eines Regimes zählen können, welches sich gar nicht erst die Mühe solcher Differenzierungen macht und dadurch am Ende auch nur dazu in der Lage ist Opfer zu produzieren und Tätern einen umfangreichen Machtbereich zur Verfügung zu stellen. Der Film etabliert damit eine ambivalente und vielschichtige Sichtweise, ohne sich dabei aus der Verantwortung seines Themas gegenüber zu stehlen. Mit dieser Herangehensweise gelingt Florian Henckel-Donnersmarck ein präzise ausgelotetes, ehrliches und intensives Psychogramm eines gesamten Staates vor dem Fall der Berliner Mauer.

    DAS LEBEN DER ANDEREN ist visuell durchgängig inszeniert. Kostüme, Ausleuchtung und vor allem die Farbdramaturgie des Films bewegen sich im engen Spannungsfeld zwischen konzeptioniertem Design und naturalistischen Bildern. Einerseits saugt die konsequente Farbgebung mit trostlosen grauen, unterkühlten blauen, und düster schwarzen Tönen jedwede Wärme aus den Bildern, andererseits wirken die Images aber dennoch weitgehend naturalistisch und sind fernab von gekünstelter Über-Stilisierung einzuordnen. Ein überaus sehenswerter Drahtseilakt, welcher die Handlungsebene des Films effizient unterstreicht, die Gefühlswelt seiner Figuren visuell umsetzt, ohne dabei allzuviel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen um vom Thema abzulenken. Obwohl sich der Film ziemlich langsam aufbaut, sich mit einer üppigen Laufzeit von 137 Min. präsentiert, und dabei oftmals zu Gunsten seiner Charaktere auf vordergründige Effekthascherei verzichtet, ist der Film dramaturgisch einwandfrei erzählt, sodass keine Längen entstehen. Formal ist DAS LEBEN DER ANDEREN eine hervorragende Regieleistung, inhaltlich eine intelligent angelegte, ambivalente und wunderschön dramatisierte Auseinandersetzung mit seinem Thema.

    Kurzum: DAS LEBEN DER ANDEREN ist deutsche Vergangenheitsaufarbeitung mit Herz und Hirn, und ganz nebenbei einer der besten Filme des Jahres!
  • Wertungen
  • Story
    5,0
    Musik:
    2,5
    Unterhaltung:
    3,5
    Anspruch:
    4,5
    Spannung:
    4,0
    Darsteller:
    5,0
    Gesamt:
    4,5
    Verfasst von:
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