Ich würde mich generell als großer Fan der Coen-Brüder bezeichnen - von "Fargo" bis hin zu "Burn After Reading" wurde ich von den Brüdern noch nie enttäuscht. Ihre Filme waren intelligent, wortgewandt und überzeugten vor allem durch ihre oft von sehr bekannten Schauspielern verkörperten, skurrilen und schrulligen Charaktere. Filme der Coen-Brüder hatten immer eine eigene Handschrift, die eben jenes Skurrile, jenes Abgefahrene und jenes zwar Realistische aber dennoch irgendwie Fremdes verkörpert.
"A Serious Man" ist ein klarer Stilbruch für die beiden Regisseure. Weder die Charaktere noch die Erzählstruktur des Films sind auch nur im Ansatz mit ihren früheren Werken vergleichbar. Wer also - wie ich - einen neuen Film der Coen-Brüder im gewohnten Stil erwartet und hofft, eine Krimihandlung mit vielen skurrilen Szenen und Persönlichkeiten zu sehen wird schlicht und ergreifend enttäuscht. Bitter enttäuscht!
Nach einer acht Minuten langen Eröffnungsszene, deren Zusammenhang mit der eigentlichen Geschichte des Films nur schwer zu erkennen ist lernen wir Larry kennen und können an seinem Leben teilhaben. Das ist allerdings nicht gerade erfreulich, da er sowohl in der Familie als auch im Beruf einige Probleme hat. "A Serious Man" kann in erster Linie als ernstes Familiendrama bezeichnet werden. Zwar sind einige Charaktere wie Larrys Nachbar oder auch der neue Freund seiner Frau durchaus skurril, können dieses Potential den Film hindurch nicht entfalten. Humor ist in diesem Film durchaus vorhanden, muss aber mit der Lupe gesucht werden. Zu lachen hat man während diesem Film eigentlich nicht. Genau darin lag bis dato aber die Stärke der Coen-Brüder - die Charaktere in misslichen Lagen zu präsentieren, dies aber so stark zu überzeichnen, dass der Zuschauer zwar einerseits das Mitgefühl nicht verliert aber andererseits auch in extremen Situationen zumindest schmunzeln wenn nicht sogar laut loslachen kann. All das sind Qualitäten, die "A Serious Man" einfach nicht zu bieten hat.
Allerdings muss auch die Frage, ob "A Serious Man" ein schlechter Film sei, mit einem klaren nein beantwortet werden. Der Film legt einen sehr emotionalen Zugang zu seinem Hauptcharakter und bietet einen tiefen Einblick in dessen Leben, Umgebung, Religion und Einstellungen. Der Film philosophiert über generelle Mysterien des Lebens. Wer sich auf genau das einstellt und genau das sehen will, der wird mit "A Serious Man" einen emotionalen und gelungenen Film sehen - wer allerdings einen Film im Stil der bisherigen Coen-Brüder Werke erwartet, sollte hiervon besser die Finger lassen. Trotzdem schaffen die beiden es, "A Serious Man" in großartige, ausdrucksstarke Bilder zu verpassen und ihre Charaktere mehrdimensional zu zeichnen. Die Emotionalität kann sich (bei entsprechender Einstellung des Zuschauers) durchaus übertragen - bleibt nur bei all jenen aus, die auf gewohnte "Coen-Momente" warten und diese bis zum Ende des Films schlicht und ergreifend nicht bekommen.
Sowohl inhaltlich als auch stilistisch komplett anders als bisherige Werke der Coen Brüder. Wer sich nicht vorher darauf einstellt, ein fast philosophisches Werk über Familie, Religion und das Leben in einer Gesellschaft zu sehen wird den Film von der ersten bis zur letzten Minute als langweilig und enttäuschend empfinden.
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Hinweis: Bei der hier vergebenen Wertung handelt es sich um meinen persönlichen Eindruck des Films, geprägt von den im Review erläuterten Erwartungen. Die Wertung soll keinesfalls den künstlerischen Aspekt des Films und den Erfolg der Regisseure in der Erfüllung des selbst gesetzten Stils herabwürdigen!
Für den Abschlußfilm der diesjährigen ViENNALE gibt es wieder eine Fassungsänderung zu vermelden. Es handelt sich dabei um A SERIOUS MAN von Joel & Ethan Coen, aus dem Jahre 2009.
03.11.2009 | mehr...
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