• Informationen zum Film
  • Antichrist

  • Originaltitel:
    Antichrist
    Genre:
    Thriller, Drama
    Produktionsländer:
    Frankreich, Deutschland, Italien, Dänemark, Schweden, Polen
    Produktionsjahr:
    2009
    Studios:
    Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF), Canal+, ARTE, Zentropa Entertainments, Det Danske Filminstitut, Danmarks Radio (DR), Sveriges Television (SVT), Liberator Productions, Lucky Red, Memfis Film, Svenska Filminstitutet (SFI), Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, ZDF/Arte, CNC, Slot Machine, Zentropa International Köln, Zentropa International Poland, Polski Instytut Sztuki Filmowej
    Kinostart Österreich:
    06.11.2009
    Verleih Österreich:
    Polyfilm
    Kinostart Deutschland:
    10.09.2009
    Verleih Deutschland:
    MFA Filmdistribution
  • Cast & Crew
  • Regie:
    Lars von Trier
    Drehbuch:
    Lars von Trier
    Musik:
    Kristian Eidnes Andersen
    Darsteller:
    Willem Dafoe
     
    Lars von Trier
     
    Charlotte Gainsbourg
     
    Storm Acheche Sahlstrøm
     
  • Inhalt
  • Inhalt:
    Im Film geht es um ein Paar, dass sich in eine alte Hütte im Wald zurückgezogen hat, damit die gebrochenen Herzen vielleicht wieder heilen und ihre Ehe wieder etwas glücklicher wird. Doch die Natur nimmt ihren Lauf ...

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Sieht man mal vom höchst umstrittenen "A Serbian Film" ab, so ist wohl ANTICHRIST der am meisten diskutierte Film der letzten Jahre. Mit einer bizarren Spirale aus Sex und Gewalt hat Lars von Trier ein kontroverses Werk geschaffen, das von vielen als Meisterwerk tituliert wird, oft aber auch nur schlichtweg als verstörend - nicht im positiven Sinne - bezeichnet wird. Dieser Ruf eilt dem Film zumindest voraus, heute aber wollte ich mich selbst davon überzeugen. Zwar hatte ich schon einmal das Vergnügen ihn zu sehen, damals konnte ich mich aber überhaupt nicht auf den Film einlassen, dementsprechend blieben mir nur 1-2 Ausschnitte in Erinnerung. Heute, und da bin ich mir sicher, wird der Film sicher einen bleibenderen Eindruck hinterlassen - ob das nun gut oder schlecht ist sei dahingestellt...

Der Plot: Ein trauerndes Ehepaar zieht sich in ihre Hütte in den Wäldern zurück. Sie kämpft nach dem Tod des kleinen Sohnes mit Trauer und Schuldgefühlen. Er ist Psychiater und will sie dort im Wald, vor dem sie sich so sehr fürchtet, therapieren. Doch er muss bald erkennen, dass sehr viel mehr hinter dem Verhalten seiner Frau steckt, und beide stürzen in der Abgeschiedenheit der Hütte in ein Spirale von Sex und Gewalt.

Der Film beginnt eindrucksvoll wie kein anderer. Stilistisch makellos zeigt von Trier gleich zu Beginn und ohne Worte warum der Film eine Kunstform ist und liefert eine der schönsten Sequenzen ab die ich jemals gesehen habe. Fünf Minuten die ohne Worte verlaufen, denen aber auf andere Art und Weise unglaublicher Ausdruck verliehen wird. Lediglich in Schwarz/Weiß und in Zeitlupentempo werden die tragischen Ereignisse welche den Film eigentlich begründen mit fabelhafter, klassischer Musik untermalt - Filmkunst pur, ein wahrer Genuss! Leider allerdings war der Anfang für mich gleichzeitig auch das Highlight des Films...

Ich werde auch beim zweiten Anlauf nicht warm mit dem Film und finde nur eine Lösung für diese Tatsache. Von Trier verlagert die Geschehnisse auf eine Ebene zu der ich einfach keinen Zugang finde. Die Komposition von Traum und Realität, von Schein und Sein hat er zweifels ohne einzigartig inszeniert, doch leider auch für mich persönlich zu unklar. Dem Film selbst möchte ich hier überhaupt keinen Vorwurf machen, womöglich fände ich ihn besser wenn es mir gelingen würde mich auf ihn und seine individuelle Ausdrucksweise einzulassen - doch genau daran scheitert's bei mir. Somit sind die Handlungen der (beiden) Charaktere für mich nur schwer nachvollziehbar, ebenso wie der Verlauf der Geschichte. Warum jetzt etwas genau so vollzogen wird wie es nun mal gemacht wird erschließt sich mir einfach zu oft nicht. Dass Sex und Gewalt schwer in Einklang zu bringen sind weiß man bzw. sehe zumindest ich so, und mit seiner Weise das anzugehen kann von Trier bei mir leider nicht landen.

Dennoch kann ich dem Film etwas abgewinnen. Er ist zum Einen sehr gut gespielt, Willem Dafoe und Charlotte Gainsbourg machen ihren Job souverän und können mit ihrem Schauspiel wirklich fesseln. Absolutes Highlight und Aushängeschild für den Film ist aber die Inszenierung des Regisseurs, denn sein Spiel mit Licht Schatten, mit Gut und Böse, mit Sex und Gewalt hat er dermaßen eindrucksvoll umgesetzt, sodass einige Szenen wie ein Kunstwerk wirken - atemberaubend schöne Aufnahmen! Man möchte gar nicht, dass diese wieder vorübergehen und versinkt regelrecht in ihnen. Das ist es was den Film für mich so besonders macht, denn etwas Vergleichbares habe ich noch nie gesehen.

Aufgrund der Barrieren fällt es mir schwer eine objektive Meinung über den Film abzugeben, doch es gelingt mir einfach nicht über den Tellerrand hinaus zu schauen und mich auf eine Ebene mit dem Film zu bringen (womöglich würde mir der Film unter diesen Umständen besser gefallen). Fakt ist, dass ANTICHRIST als filmisches Kunstwerk bezeichnet werden muss, das es so sicher kein zweites Mal gibt - wunderschön und bizarr. Ein außergewöhnlicher und schwerverdaulicher Film, fernab von Mainstreamunterhaltung.

6,5/10 Waldhütten

geschrieben am 20.08.2011 um 04:02

Achtung - enthält SPOILER

Viel hat man letztes Jahr über Lars von Triers "Antichrist" gehört - unfairerweise allerdings immer nur über die selbe Handvoll Szenen, die allerdings nur einen kleinen Teil des Films ausmachen. "Er" und "Sie", großartig gespielt von Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe, verlieren durch ihre Hingabe zur fleischlichen Liebe ihren Sohn in einer Szene, die wohl eine der großartigsten, poetischsten und bildgewaltigsten Sexszenen, die je auf Film gebannt wurde. Die komplette Szene läuft in Zeitlupe ab mit großartiger Musik im Hintergrund, ein phantastischer Opener und ein visuelles Prachtstück, dass den Zuschauer schnell in seinen Bann zieht.

Recht früh im Film stellt "Er" fest, dass ein Therapeut seine eigene Familie nicht therapieren sollte und vor allem keinen Sex mit seinen Patienten haben soll - es bleibt bei der Theorie, da beides in der Abgeschiedenheit der Waldhütte, in die "Er" und "Sie" sich zurückziehen, geschieht. "Sie" hat allerdings große Schwierigkeiten, den Tod ihres Sohnes zu verkraften, was in einem kompletten Nervenzusammenbruch gipfelt. Nachdem sie seinem besten Stück Dinge angetan hat, von denen jeder wohl schon gehört hat, durchbohrt sie sein Bein und fixiert es mit einer schweren Eisenscheibe. Danach versucht "Er" zu flüchten. Ihr Wahnsinn und seine Verzweiflung sind das perfekte Fundament für die zweitbeste Szene des Films. Ein extrem starkes, intensiv gefilmtes und fesselndes Duell mit klar unfairer Stärke- und Machtverteilung.

Worüber wenig gesprochen wird ist die Tatsache, dass der Film in zwei verschiedenen Welten spielt. Neben der Realität flüchten "Er" und "Sie" zu Therapiezwecken oft in eine andere Welt, die Von Trier bildgewaltig darstellt. In diesem Mittelteil des Films kommen gelegentlich leichte Längen auf, trotzdem bleibt der Film vor allem durch die hervorragende schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarsteller mit einem Wort faszinierend.

Lars von Triers "Antichrist" ist ein bildgewaltiges Meisterwerk, das von Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe phantastisch gespielt wurde. Auch zwischen dem groaßrtigen Anfang und dem brutalen, intensiven Finale bleibt der Film faszinierend und sehenswert - wenngleich gelegentlich leichte Längen auftreten. Trotzdem bleibt Von Triers Fähigkeit, aus wenig viel zu machen, bemerkenswert.

geschrieben am 24.07.2011 um 21:05

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