Was hat uns das Subgenre des Backwoods-Horror nicht schon für unterhaltsame Abende beschert.Das Spiel mit der Angst vor der Natur (Wüste,Wald,Berge) und deren skurriler Bevölkerung geistert schon Jahrzehnte durch die Welt des Horrorfilms und bescherte uns Perlen wie: The Hills Have Eyes (Original und Remake),2000 Maniacs (H.G. Lewis) und natürlich die Mutter aller Terror/Backwoodsstreifen, den unerreichten The Texas Chainsaw Massacre.Aber auch neuere Filme wie der unterhaltsame Wrong Turn, australische Produktionen a la Wolf Creek und Storm Warning oder französische Beiträge wie Frontier(s) und Calvaire konnten durchaus überzeugen.Meist zeichnen sich Backwoods-Filme durch einen hohen Anteil an Terror sowie Gore aus und der Plot spielt sich meistens so ab: Eine Famile (oder Freunde,Pärchen usw.) begeben sich in eine ländliche Gegend, in der meist keine Menschenseele zu leben scheint,dringen also in fremdes Gebiet vor und werden dort nach und nach von Kannibalen/Mutanten/Rednecks dezimiert.Genau an dieses Sujet und angelehnt an die grossen Vorbilder hält sich der norwegische Backwoodsreisser Manhunt.
Da fragt sich der Rezensent unweigerlich:Braucht die Horrorfilmwelt einen Backwoodsflick aus Norwegen ? Die Antwort lautet definitiv yes ! Aus dem simplen Grund weil Norwegen sich mit seiner phantastischen Natur geradezu anbietet einen Film dieser Gattung auf die Welt loszulassen.Und wenn man den grandiosen Cold Prey gesehen hat, auch deshalb weil die Skandinavier ihr Handwerk einfach verstehen.Neue Impulse kann man bei ausgetretenen Backwoodsfaden sicher nicht erwarten aber der raue und dreckige Look sowie unverbrauchte authentische Darsteller heben Manhunt deutlich vor ähnlich gearteter US-Massenware ab.Hier regiert die grobe Keule,hier gibt es keine unfreiwillige Komik sondern nur den blanken ungeschönten Terror.Genauso sollte Genrekost ausschauen.Quasi Back to the Roots als Terrorkino noch Terrorkino war und man keine ausgeglügelten High-Tech-Fallensysteme oder hundert Schnitte in der Minute brauchte um kranke Atmosphäre zu erzeugen.Ein minimalitischer Plot, heftige Goreszenen und glaubwürdige Schauspieler reichen hier aus um einen Terrorflick par exellence zu erschaffen.Hier waren echte Fans der 70er Terrorstreifen am Werk.
Eine Gruppe junger Leute unterwegs in einem kleinen Bus,die später noch eine Anhalterin mitnehmen (o.k. in diesem Fall hatte die Frau eine Autopanne),wer denkt da nicht sofort an The Texas Chainsaw Massacre.Im eng gestrickten Backwoods-Korsett kann das natürlich auch Zufall gewesen sein oder aber eine Hommage an Tobe Hooper's Klassiker.Wie dem auch sei,Manhunt nimmt sich gut 20 Minuten Zeit uns die Charaktere näherzubringen.Bei diesen gibt es Beziehungsprobleme und Streitereien,also die üblichen Probleme mit denen man sich bei einem Gruppenausflug auseinandersetzen muss.Bei einer Laufzeit von nur 75 Min kann die Charakterzeichnung natürlich nur spärlich ausfallen,das fällt bei einem Backwoodsstreifen ab naturgemäß nicht so in's Gewicht und wir können uns wichtigeren Dingen witmen.Diese beginnen kurz nach dem Zwischenstopp als die Gruppe mit den Hinterwäldlern konfrontiert wird.Nach dem die Ersten der Protagonisten das Zeitliche segnen mussten,findet sich der Rest der Gruppe gefesselt im Wald wieder und der blutige Terror kann beginnen.
Das sich die Gefesselten so leicht aus ihrer misslichen Lage befreien können,scheint von den Hinterwäldlern absolut gewollt zu sein.Sie scheinen sich einen Spass aus der Jagd auf Menschen zu machen.Man fragt sich unweigerlich welche Intention hinter den Taten steht.Hass auf Städter oder vielleicht ein krankes Hobby? Sind es vielleicht Kannibalen ? Diese Fragen werden in Manhunt nicht beantwortet und der Zuschauer muss sich seine eigenen Gedanken über das Warum ? machen.Das macht den Film umso schwerer verdaulich.Auch wenn z.B. ab und an ein Jagdhorn ertönt weiß man als Zuseher sofort das die kranken Hinterwäldler die Fährte des menschlichen Jagdgutes aufgenommen haben und die Hetzjagd weitergeht.Neben der ständigen Bedrohung durch die Menschenjäger,ist auch das Setting wie es sich für lupenreinen Backwoods-Horror gehört wichtig.Der dunkle Wald aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint,wo sich die Einheimischen natürlich besser auskennen als die Touristen trägt enorm zur beklemmenden Atmosphäre des Films bei.Ähnlich wie in Wrong Turn zeigt die Kamera in einer Einstellung den Wald von oben und der Zuschauer bekommt so einen Eindruck von der schier endlosen Weite.So erscheint das Entkommen der Protagonisten noch unwahrscheinlicher.
Unwahrscheinlich ist es auch das bei einer solch blutigen Jagd durch die grünen Wälder niemand verletzt wird.Mit dieser genialen Überleitung komme ich zum Goregehalt von Manhunt.Ein übermäßiges Schlachtfest wird nicht geboten aber oberes Mittelfeld was blutige Effekte angeht erreicht der Streifen schon.Es gibt eine zerschossene Ferse,Stacheldrahtaction,Messer in Genick und Unterleib sowie eine geöffnete Bauchdecke samt Eingeweideentnahme.Dabei werden keine übertriebenen Blutfontänen auf die Leinwand gespritzt sondern das Ganze kommt sehr realistisch daher und wirkt so um einiges heftiger.Ebenso heftig wird uns in dieser blutverkrusteten Genrekost auch das Ende vor den Latz geknallt,daß einigen Raum für Interpretationen bietet.
Im Übrigen spielt Manhunt in den 70ern und schafft es gekonnt Retrofeeling aufkommen zulassen.Das ist natürlich nicht besonders schwer wenn der gesamte Film im Wald spielt und nur drei Autos vorkommen.Die Klamotten der Darsteller sahen auf jeden fall aus wie aus den 70ern was dem Streifen irgendwie eine besondere Note verliehen hat.Aber das sei nur am Rande erwähnt.
Die rezensierte Fassung von Manhunt kommt in einem schicken Digipak von Dragon daher.Enthalten sind neben den üblichen Trailern noch Outtakes sowie Behind-the-Scenes Material sodass man wie von Dragon gewohnt von einer gelungenen VÖ sprechen darf.
Manhunt ist ein dreckiger,brutaler Backwoodsstreifen geworden.Hier regiert der blanke, blutige Terror.Der Film hebt sich erfrischend von US-Produktionen ab,setzt er doch auf authentische und unverbrauchte Schauspieler die zusammen mit den gekonnt umgesetzten Goreszenen für ordentlich Realismus sorgen.Der Plot bietet zwar nicht viel Raum für grosse Innovationen,aber das fällt bei einem Backwoodsflick nicht weiter in's Gewicht.Die für einen solchen Film wichtigen Kriterien wie ordentlich Gore und reichlich Terrorfeeling werden auf jeden Fall erfüllt.Deshalb gibt es von mir:
8/10 GEÖFFNETEN BAUCHDECKEN
Inhalt: Vier junge Erwachsene (Camilla und ihr Freund, Jorgen und seine Schwester) wollen einen Ausflug in die Berge und Wälder machen. Auf dem Weg dorthin gabeln sie wenig später eine junge, völlig verängstigte Frau auf, die vorgibt, eine Autopanne gehabt zu haben. Bald schon verwandelt sich der Ausflug in den blanken Terror, denn man wird in der Wildnis von einigen gnadenlosen Jägern überfallen. Deren bevorzugtes Jagdgut sind Menschen und als es die ersten Toten zu beklagen gibt, muss der Rest der Gruppe einen verbitterten Kampf ums nackte Überleben schlagen...
Kritik: Feiner, nur etwas zu kurzer, Backwood Slasher aus Norwegen.
Der Film spielt im Jahre 1974, was dem Zuschauer Filmtechnisch durch sehr blasse Farben suggeriert werden soll. Man soll sich quasi in diese Zeit zurückversetzt fühlen.
Nach etwa 20 Minuten beginnt die Atmosphäre äußerst bedrohlich zu werden. Diese Bedrohung hält dann auch bis zum (recht typischen) Ende an. Die Hinterwäldler sind von der ersten Sekunde an extrem brutal, machen aber auch viele Fehler. Unterstützt wird die Atmosphäre durch die Kommunikation der Hinterwäldler untereinander. Sie verständigen sich durch Pfeiftöne und Klopfzeichen. Besonders sarkastisch ist das Jagdhorn, welches oftmals zu hören ist. Durch diese Geräusche erscheint der Wald besonders bedrohlich. Das recht hohe Tempo der Handlung verdichtet die Atmosphäre noch um einiges.
Die Spannung ist auf einem guten Level, jedoch nicht wirklich überragend. Was eindeutig fehlt, sind echte Schockmomente. Es passiert einfach zu viel im Off, wodurch die Spannung immer wieder abfällt. Man sieht meistens nur die Opfer durch den Wald rennen, ohne großartig etwas von den Aktionen der Verfolger mitzubekommen. Die Opfer wachen gefesselt auf oder man sieht plötzlich jemanden an einen Baum gefesselt stehen. Viele Schritte der Killer werden einfach nicht gezeigt.
Der Härtegrad ist ganz anständig, sehr gute Aktionen sind allerdings recht selten. Viele Szenen sind nur angedeutet oder finden eben im Off statt. Hier wurde sicher einiges an Potential verschenkt, da wäre mehr drin gewesen! Zwei bis drei Szenen sind richtig gut, der Rest ist Durchschnitt.
Die Story ist, wie üblich, äußerst minimal. Es ist vor allem sehr schade, daß man absolut nichts über Killer erfährt. Herkunft und Motivation bleiben völlig ungeklärt. Eine Sprechrolle hat auch keiner von ihnen, man hört höchstens mal einen Schrei.
Auch die Zusammensetzung der Opfer-Gruppe ist urtypisch: Ein Naivchen, ein Cooler, ein Ruhepol, ... usw.
Wie in fast jedem (mittelmäßigem) Horror-Film, so gibt es auch hier ein paar dicke Klopse in der Story.
SPOILER!!!
- Das erste Opfer ist eine Anhalterin, die auf der Strasse erschossen wird. Während die 3 Killer ihre Freunde in der Gewalt haben, schreit das Naivchen die Killer an, daß sie die Anhalterin jetzt ins Krankenhaus bringt. Eben dieses Naivchen tötet im weiteren Verlauf dann alle 3 Killer...
Wie ich oben schon erwähnte, machen auch die 3 sonst so kalten und grausamen Killer erschreckend viele Fehler.
Na ja, vielleicht waren sie gerade erst am Beginn ihrer Hinterwäldler-Karriere.
Leider gibt es durch die dünne und manchmal dämliche Story, einige Minuspunkte.
Bewertung: Ein atmosphärisch guter Backwood Horror, dem es etwas an Spannung, Härte und Story fehlt. Das Gesamtbild ist noch positiv, hätte aber deutlich besser ausfallen können!
6,5-7/10 Punkte
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