Zuerst kommt ein Scherzanruf, dann der wahnsinnige Killer, der eine klischeehafte Meute dezimiert klingt bekannt? Wes Craven’s „Scream“ werden wohl alle Genrefreunde gesehen haben. Allerdings, während dieser Film das Genre, in dem er sich bewegt und dessen Klischees auf die Schaufel nimmt, tut „7eventy 5ive“ eigentlich genau das gleiche, meint es allerdings ernst.
Gehen wir mal die Formal für B-Movie Slasher durch:
Ein oder zwei bekannte Schauspieler, die gut auf dem Cover beworben werden können, aber im Film kaum vorkommen -> Check
Eindimensionale Charaktere ohne Persönlichkeit -> Check
Lange Einführung der uninteressanten Charaktere -> Check
Charaktere, die durch pure Dummheit für ihr Schicksal selbst verantwortlich sind -> Check
Vereinzelte harte Morde, allerdings auch diverse Off-Screen Kills -> Check
Forcierte Plot-Twists am Ende des Films -> Check
Noch mehr forciertes offenes Ende -> Check
Diese Formel könnte man noch Kilometerlang fortsetzen und jedes einzelne Genreklischee durchkauen. Hier wird man so gut wie alle finden. Aber ist „7eventy 5ive“ dadurch ein schlechter Film? Nein! Genreveteranen können sich an diesem Back-to-the-Roots Genrevertreter durchaus erfreuen und vor allem mit den letzten 20 Minuten des Films ihren Spaß haben.
Aber der Reihe nach: Das Ziel des Telefonstreich-Spiels „7eventy 5ive“ ist es, dem Gesprächspartner eine Geschichte vorzulügen, die er 75 Sekunden lange glauben muss. Blöd, wenn man versehentlich einen wahnsinnigen Killer anruft und der den Spieß dann umdreht. Nach einer seltsam geschnittenen Eröffnungssequenz, die den Zuschauer mit dem Spiel vertraut machen soll, werden die neuen Charaktere vorgestellt – schier unendlich lang. Bis die geplante Party in die Gänge kommt und das Spiel erneut gespielt wird zeigt der Timer bereits ca. 40 Minuten an. Detaillierte Einführung der Charaktere ist keinesfalls etwas schlechtes. Im Gegenteil, diese ist für jeden Film sogar wichtig. Allerdings brauchen die Charaktere dazu Persönlichkeit, die man aufbauen kann. Wenn man so wie hier zweidimensionale Schnittmusterbögen vor sich hat ist es nicht notwendig, diese ihre „coolen“ Sprüche sagen und Freundinnen nageln zu lassen nur, damit auch der letzte Zuschauer ihnen nach ihrem Leinwandableben keine Sekunde nachweint.
Die schauspielerischen Leistungen sind zwar nicht besonders gut aber trotzdem zumeist auf annehmbaren Niveau. Auch die Inszenierung weiß zu überzeugen. Wie der Killer im letzten Akt des Films Jagd auf die Hauptcharaktere macht ist sogar für kurze Momente spannend und unterhaltsam. Die Twists am Ende erinnern wieder an Wes Cravens „Scream“, der hier ohne Zweifel eine große Inspirationsquelle darstelle, wirken allerdings im Gegensatz zum Genre-Klassiker schlichtweg forciert.
„7eventy 5ive“ ist ein B-Movie-Slasher mit all seinen Vor- und Nachteilen. Zudem lassen sich Einflüsse von Wes Cravens „Scream“ nicht verleugnen, die hier allerdings ernst und ohne die notwendige Ironie eingesetzt werden und den Film dadurch mehr oder weniger unfreiwillig komisch machen. Allerdings gelingt dies auch nicht in einem Ausmaß, das den Film wirklich unterhaltsam werden lässt.
„7eventy 5ive“ bietet einige Längen, eindimensionale Charaktere und klischeehafte Inszenierung. Slasher-Fans können einen Blick riskieren, sollten sich aber keinesfalls viel erwarten.
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