Story:
Olga, eine junge Krankenschwester aus der Ukraine versucht der Trostlosigkeit und Armut zu entfliehen, indem sie nach Österreich auswandert.
Paul, ein junger Österreicher, verliert seinen Job in einer Securityfirma und geht mit seinem Stiefvater in die Ukraine um dort ausrangierte Spielautomaten aufzustellen. Auch er erhofft sich in der Ukraine einen Neuanfang. Sowohl für Olga als auch für Paul gilt "vom Regen in die Traufe", oder besser: "vom bitteren Winter des einen Landes in den nicht besseren Winter des anderen Landes"
Fazit:
Nie zuvor hat mich ein Film so angewidert und deprimiert. Das liegt zunächst an den grandiosen Darstellern, denen man ihre Rollen einfach 100% abkauft.
Zu keiner Zeit hatte ich das Gefühl einen Film anzusehen, es war viel mehr als würde die Kamera sich einfach nur ein paar Winkel in der Ukraine und in Österreich suchen, die ich niemals sehen wollte und dort völlig unkommentiert drauf halten. Obwohl man in Import Export wenig Gewalt hat, keine wüsten Ghettoschießereien, keine Drogendeals oder andere Szenen, die die Schattenseiten des Lebens darstellen, ist das Gezeigte einfach nur unglaublich pessimistisch. Ob man nun Olga sieht, die sich vor der Webcam für irgendwelche Österreicher den Finger in den Arsch stecken soll, da sie vom Krankenschwesterngehalt alleine nicht leben kann, oder ob man später sieht wie sie in Österreich nahezu willkürlich behandelt wird, oder ob man umgekehrt die beiden österreichischen Unterschichtler sieht, wie sie versuchen in der Ukraine Fuß zu fassen und sich dort ebenfalls unglaublich überlegen vorkommen, Österreich kommt in diesem Film nicht gut weg. Und ich übertreibe wirklich nicht, wenn ich sage, dass ich richtig angewidert war, mich fast geschämt habe ebenfalls Österreicher zu sein. Depressiv, pessimistisch und grausam, weil alles so realistisch dargestellt wird.
Mir drängt sich ein (etwas ungerechtfertigter) Vergleich mit City of God auf.
Obwohl City of God in einem sehr viel härteren Milieu spielt, Mord, Waffen und Drogen eine Rolle spielen, so ist City of God dennoch positiver, man kann den Charakteren soetwas wie Lebensfreude zugestehen. Obgleich Import Export in einem friedlicheren Teil der Welt spielt, unterbindet der Film jegliches Positives und lässt nur noch grausame Willkür (beispielsweise auch der Altenpfleger), Machtverhältnisse und Bitterkeit. Dieser Film ist kein Genuss, vergeht nicht schnell und hinterlässt einen wirklich bitteren Nachgeschmack. Obwohl zugeben muss, dass er mich höchst nachdenklich gestimmt hat, ist es nicht das, was ich von einem Film normalerweise erwarte und mir erhoffe. Es ist Vorschlaghammer, auf dem groß "Das Leben ist Scheisse" steht und der weit ausgeholt ins Gesicht des Zuschauers donnert.
Grandios grausamer Film, nur will ich soetwas sehen? Die Antwort ist ganz klar nein. Zweifellos ein Meisterwerk der Filmgeschichte, weit über den österreichischen Film hinaus.
9/10
Anmerkungen? Gegendarstellungen? Aufbauende Worte für einen zutiefst verstörten Hasen? hier gehts zu meinem Diskussionsthread.
P.S.: Ich hab auch einige andere Kritiken gelesen, wo oft von ironischem, Humor und Hoffnung die Rede ist, schön für die Verfasser jener Kritiken für mich ist Import Export das depressivste, traurigste und pessimistischste Machwerk, dass ich je gesehen hab.
Import/Export erhitzt – wie alle Filme des österreichischen Ausnahmeregisseurs Ulrich Seidl – die Gemüter. Einig ist man sich nur darüber, was der Film portraitiert: Genaue Beobachtungen, Kälte, Tristesse, Traurigkeit. Mit Seidl (S) trafen sich Tina Goebel (T), Jelena Cavar (J) (beide chilli.cc) ...
22.10.2007 | mehr...
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