Mel Gibson war für mich immer an ganz eigenes Thema. Seine Filme mochte ich nie besonders, egal ob es nun die Lethal Weapon-Reihe ist oder andere seiner Streifen. Lediglich Braveheart gefällt mir sehr gut und wurde so zu einem meiner Lieblings-Epen. Und hier komme ich auch schon zum entscheidenden Punkt: Mel Gibson hat hier Regie geführt. Braveheart gefiel mir nun mit Sicherheit nicht, weil Mel Gibson sich selbst mit der Hauptrolle besetzt hat, denn als Schauspieler mag ich ihn einfach nicht. Seine Arbeit hinter der Kamera schätze ich hingegen sehr, denn auch sein unumstrittener Die Passion Christi hat die erhoffte Wirkung bei mir erzielt. Der letzte Streifen, den ich von ihm gesehen habe war nun der hier besprochene APOCALYPTO. Die Erwartungen waren ursprünglich sehr hoch, doch als ich erfuhr, dass der Film grundsätzlich nicht synchronisiert wird und nur in Maya zu sehen sein würde. Einen über 2-stündigen Film sehen ohne die Sprache zu kennen und dafür ständig Untertitel mitlesen? Das ist jetzt nicht gerade das, was ich Filmvergnügen nenne...
Der Film zeigt zu Beginn das Zusammenleben eines Mayastamms, was eine irsinnig wichtige Einleitung ist. Hier lernt man die Charaktere nicht nur kennen, sondern kann sich auch mit ihnen identifizieren. Das ist für den weiteren Verlauf des Films von größter Bedeutung, denn ohne dieser guten und authentischen Inszenierung könnte ich den Film niemals so intensiv erleben wie es tatsächlich der Fall war. Niemals hätte ich es für möglich gehalten, dass mich ein Film auf diese Weise packen und mitreißen kann, den es nur in einer Sprache gibt die ich nicht verstehe. Zu keinem Zeitpunkt war es für mich störend die Untertitel mitzulesen, denn der Film schafft es wirklich mitzureißen und interessant zu sein, sodass man an sowas gar keine Gedanken verschwendet. Die Charaktere werden toll eingeführt, sodass man den Rest des Films mit diesen mitleidet, mitlacht, mitlebt. Das zeichnet diesen Film, der sowohl als Drama als auch als Actioner oder Thriller bezeichnet werden könnte, aus. Dabei wird aber vor allem zu Beginn des Films nicht auf den Witz vergessen, was wirklich gut tut bevor man in einen Sog voller Leid kommt.
Die Darsteller machen ihre Sache also ausgesprochen gut und können das, was ihen Gibson vorgibt, in die Tat umsetzen. Gibson macht seinen Job als Regisseur aber auch hier wieder einmal sehr gut. Spannend inszeniert lässt einen der Film von Beginn an nicht mehr los, was in Betracht der Umstände (Sprache, Laufzeit) nicht selbstverständlich ist. Das Ganze spielt sich noch dazu im tiefsten Dschungel ab, der mit seinen tierischen Einwohnern, Bäumen, Wasserfällen und Flüssen einen atemberaubenden Schauplatz bildet. Paradoxer Weise spielen sich also die schrecklichen Handlungen des Films in einer wunderschönen Umgebung ab.
So sehr ich Mel Gibson als Schauspieler ablehne, so sehr freue ich mich auf weitere Filme bei denen er Regie führt. Mit APOCALYPTO gelang ihm ein Film, den ich mit keinem zweiten Vergleichen kann. Von Witz über Dramatik bishin zu Action und dichter Atmosphäre hat dieser Film alles was man sich nur wünschen kann. Die sprachliche Barriere sollte nicht als solche gesehen werden, sonder als Mittel zur Authentizität, das zu 100% wirkt. Ein ausgesprochen toller Film!
9/10 Giftpfeile
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